von Christoph J. Zingg (Autor)

Inhaltsangabe über den Blog
Wissenschaftliche Grundpfeiler:
- Kommunikation und Beziehung: Watzlawick, Schulz von Thun, Rogers, Rosenberg, Grice
- System und Wirklichkeitskonstruktion: Bateson, Berger/Luckmann, Weick, Senge
- Gruppendynamik: Lewin, Tuckman, Asch, Janis, Tajfel, Sherif
- Führung und Organisation: Fiedler, Burns, Bass, Uhl-Bien, Edmondson
- Gesundheit und Selbstführung: Antonovsky, Deci/Ryan, Bakker/Demerouti, Hayes
- Sicherheit und Lernen: Reason, Dekker, Hollnagel, Argyris/Schön
- Eigene Denkmodelle von Christoph J. Zingg
1. Kommunikationswissenschaft und Sprachphilosophie
| Person | Modell, Arbeit oder Begriff | Kernaussage |
| Paul Watzlawick | Fünf Axiome der Kommunikation; pragmatische Kommunikationstheorie | Man kann nicht nicht kommunizieren. Jede Kommunikation besitzt Inhalts- und Beziehungsaspekte und strukturiert Beziehungen. |
| Janet H. Beavin | Mitautorin von Pragmatics of Human Communication | Kommunikation ist als beobachtbare Interaktion zwischen Menschen zu verstehen. |
| Don D. Jackson | Kommunikations- und Familientheorie | Symptome und Konflikte müssen innerhalb ihrer Beziehungssysteme betrachtet werden. |
| Friedemann Schulz von Thun | Vier-Seiten-Modell; Inneres Team; Werte- und Entwicklungsquadrat | Jede Nachricht enthält Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell. |
| H. Paul Grice | Kooperationsprinzip; Konversationsmaximen | Verständigung beruht auf Erwartungen an Relevanz, Klarheit, Wahrheit und angemessene Informationsmenge. |
| Jürgen Habermas | Theorie des kommunikativen Handelns; Diskursethik | Verständigung gelingt idealerweise durch einen möglichst herrschaftsfreien Diskurs und das bessere Argument. |
| Gregory Bateson | Systemische Kommunikation; Metakommunikation; Kontext; Double Bind | Die Bedeutung einer Botschaft entsteht durch Beziehung, Kontext und Wechselwirkungen. |
| David Bohm | Dialogmodell | Dialog bedeutet gemeinsames Denken, bei dem eigene Annahmen vorübergehend in der Schwebe gehalten werden. |
| Claude Shannon | Mathematische Informationstheorie | Kommunikation kann als Übertragung von Information über einen störungsanfälligen Kanal beschrieben werden. |
| Warren Weaver | Shannon-Weaver-Kommunikationsmodell | Ergänzte die technische Übertragungsperspektive um Fragen von Bedeutung und Wirkung. |
| Marshall B. Rosenberg | Gewaltfreie Kommunikation | Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte sollen moralische Urteile und Eskalationen ersetzen. |
| Thomas Gordon | Aktives Zuhören; Ich-Botschaften; niederlagelose Konfliktlösung | Rogers’ Grundhaltung wird in alltagstaugliche Gesprächswerkzeuge übersetzt. |
| Judith E. Glaser | Conversational Intelligence | Gespräche können Vertrauen, Abwehr oder gemeinsames Denken fördern; ihr Modell ist hauptsächlich integrativ und praxisorientiert. |
| Peter L. Berger | Gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit | Wirklichkeit wird durch soziale Interaktion, Sprache und Institutionalisierung mitkonstruiert. |
| Thomas Luckmann | Gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit | Geteiltes Wissen und alltägliche Kommunikation stabilisieren gesellschaftliche Wirklichkeit. |
2. Digitale Kommunikation und Medienwissenschaft
Diese Personen kamen besonders im von uns ausgearbeiteten Beitrag zur digitalen Kommunikation vor.
| Person | Modell oder Theorie | Kernaussage |
| Richard Daft | Media Richness Theory | Kommunikationskanäle unterscheiden sich darin, wie gut sie Mehrdeutigkeit und komplexe Botschaften vermitteln können. |
| Robert Lengel | Media Richness Theory | Je mehr Unsicherheit und emotionale Mehrdeutigkeit bestehen, desto reichhaltiger sollte der Kanal sein. |
| John Short | Social Presence Theory | Medien vermitteln unterschiedlich stark das Gefühl, dass eine andere Person sozial gegenwärtig ist. |
| Ederyn Williams | Social Presence Theory | Stimme, Unmittelbarkeit und persönliche Hinweise beeinflussen Nähe und Beziehung. |
| Bruce Christie | Social Presence Theory | Technische Kanäle unterscheiden sich in ihrer Fähigkeit, soziale Präsenz zu erzeugen. |
| Joseph B. Walther | Social Information Processing Theory; Hyperpersonal Model | Auch textbasierte Beziehungen können Nähe entwickeln, benötigen aber Zeit und andere soziale Hinweise. Digitale Kommunikation kann Beziehungen sogar idealisieren. |
3. Personzentrierung, Beratung und Psychotherapie
| Person | Modell oder Arbeit | Kernaussage |
| Carl Rogers | Personzentrierter Ansatz; Aktualisierungstendenz; Selbstkonzept; Kongruenz | Entwicklung wird durch Empathie, bedingungsfreie Wertschätzung und Echtheit begünstigt. |
| Naomi Feil | Validation | Die Gefühle und subjektive Erlebniswelt des desorientierten Menschen werden anerkannt, ohne jede Tatsachenbehauptung bestätigen zu müssen. |
| Tom Kitwood | Personzentrierte Demenzpflege; Personhood | Ein Mensch verschwindet nicht hinter der Demenz. Beziehung, Biografie, Identität und psychologische Bedürfnisse bleiben zentral. |
| William R. Miller | Motivierende Gesprächsführung | Veränderungsmotivation soll nicht aufgezwungen, sondern aus der eigenen Ambivalenz und den eigenen Argumenten der Person entwickelt werden. |
| Stephen Rollnick | Motivierende Gesprächsführung | Personzentrierung wird mit einer bewusst zielgerichteten Förderung von Veränderung verbunden. |
| Steve de Shazer | Lösungsfokussierte Kurzzeittherapie | Nicht die vollständige Erklärung des Problems, sondern gewünschte Zukunft, Ausnahmen und nächste Schritte stehen im Zentrum. |
| Insoo Kim Berg | Lösungsfokussierte Beratung | Menschen verfügen häufig bereits über Ressourcen und Ansätze zu einer Lösung. |
| Sigmund Freud | Psychoanalyse; Abwehrmechanismen; Projektion | Unbewusste Konflikte beeinflussen Wahrnehmung und Verhalten; eigene unerwünschte Impulse können anderen zugeschrieben werden. |
| Steven C. Hayes | Acceptance and Commitment Therapy; psychologische Flexibilität | Gedanken müssen nicht beseitigt werden. Entscheidend ist, trotz schwieriger Gefühle werteorientiert zu handeln. |
| Kirk Strosahl | Mitbegründer der ACT | Akzeptanz und engagiertes Handeln werden mit konkreter Verhaltensveränderung verbunden. |
| Kelly Wilson | Mitbegründer der ACT | Werte geben dem Handeln Richtung; psychische Flexibilität ist wichtiger als vollständige Symptomkontrolle. |
4. Sozialpsychologie und Gruppendynamik
| Person | Modell oder Untersuchung | Kernaussage |
| Kurt Lewin | Feldtheorie; Gruppendynamik; Aktionsforschung; Führungsstile | Verhalten entsteht aus dem Zusammenspiel von Person und Umwelt. Gruppen sind dynamische Kräftefelder. |
| Ronald Lippitt | Experimente zu Führungsstilen | Untersuchte mit Lewin und White autoritäre, demokratische und laissez-faire Führung. |
| Ralph White | Experimente zu Führungsstilen | Demokratische Führung förderte häufig Beteiligung und Eigeninitiative; Wirkungen waren dennoch situationsabhängig. |
| Bruce Tuckman | Forming, Storming, Norming, Performing | Teams entwickeln sich häufig über typische Phasen, jedoch nicht zwingend linear. |
| Mary Ann Jensen | Adjourning | Ergänzte Tuckmans Modell um die Auflösungs- beziehungsweise Abschiedsphase. |
| Maximilien Ringelmann | Ringelmann-Effekt | Mit zunehmender Gruppengrösse kann die individuelle Leistung sinken. |
| Alan Ingham | Rope-Pulling-Experimente | Zeigte, dass Leistungsabfall nicht nur durch Koordinationsverluste, sondern auch durch reduzierte Motivation entsteht. |
| Bibb Latané | Social Impact Theory; Verantwortungsdiffusion | Je mehr mögliche Helfer anwesend sind, desto stärker kann sich Verantwortung verteilen. |
| Kipling Williams | Social Loafing | Geringe individuelle Sichtbarkeit kann die Anstrengung in Gruppen reduzieren. |
| Steven Harkins | Social Loafing und individuelle Nachvollziehbarkeit | Bewertbarkeit und erkennbare Einzelbeiträge können soziales Faulenzen vermindern. |
| Steven Karau | Collective Effort Model | Menschen engagieren sich, wenn ihr persönlicher Beitrag für ein bedeutsames Gruppenergebnis relevant erscheint. |
| Irving Janis | Groupthink | Kohäsive Gruppen können schlechte Entscheidungen treffen, wenn Harmonie und Einigkeit wichtiger werden als Kritik. |
| Solomon Asch | Konformitätsexperimente | Menschen passen selbst eindeutige Wahrnehmungsurteile an eine Gruppenmehrheit an. |
| Stanley Milgram | Gehorsamsexperimente | Autorität und Situation können Menschen zu Handlungen bewegen, die ihren persönlichen Überzeugungen widersprechen. |
| Henri Tajfel | Social Identity Theory; Minimalgruppenexperimente | Schon geringfügige Gruppenzuordnungen können Eigengruppenbevorzugung erzeugen. |
| John Turner | Selbstkategorisierungstheorie | Menschen erleben und verhalten sich je nach Kontext als Individuum oder als Mitglied einer Gruppe. |
| Muzafer Sherif | Robbers-Cave-Studie; realistische Konflikttheorie | Konkurrenz um Ressourcen fördert Gruppenkonflikte; übergeordnete gemeinsame Ziele können sie vermindern. |
| Serge Moscovici | Minderheiteneinfluss | Konsistente Minderheiten können die Wahrnehmung und Entwicklung einer Mehrheit verändern. |
| Francis Galton | Weisheit der Vielen | Unabhängige Urteile vieler Menschen können in ihrer Zusammenfassung erstaunlich genau sein. |
| Anita Woolley | Kollektive Intelligenz | Gruppen besitzen eine messbare kollektive Problemlösefähigkeit, die nicht bloss dem IQ des klügsten Mitglieds entspricht. |
| Thomas Malone | Collective Intelligence | Gute Zusammenarbeit und Verteilung von Wissen können Gruppenleistungen erhöhen. |
5. Entscheidungspsychologie und Wahrnehmungsverzerrungen
| Person | Modell oder Arbeit | Kernaussage |
| Daniel Kahneman | Zwei-Systeme-Modell; Heuristiken und Biases | Schnelles intuitives und langsames reflektiertes Denken beeinflussen Entscheidungen unterschiedlich. |
| Amos Tversky | Prospect Theory; Heuristiken | Entscheidungen weichen systematisch von rein rationalen Modellen ab. Verluste wirken oft stärker als gleich grosse Gewinne. |
| Herbert A. Simon | Begrenzte Rationalität; Satisficing | Menschen suchen unter begrenzter Zeit und Information meist eine hinreichend gute, nicht die optimale Lösung. |
| Gerd Gigerenzer | Fast-and-frugal heuristics | Einfache Heuristiken sind nicht nur Fehlerquellen, sondern können in passenden Umwelten sehr effizient sein. |
| Gary Klein | Recognition-Primed Decision Model | Erfahrene Fachpersonen entscheiden unter Zeitdruck häufig über Mustererkennung und mentale Simulation. |
| Antonio Damasio | Somatic Marker Hypothesis | Emotionale und körperliche Signale sind wesentlich für vernünftige Entscheidungen. |
| Jonathan Haidt | Elefant-und-Reiter-Metapher | Intuition und Emotion tragen den grossen Teil menschlichen Verhaltens; bewusste Vernunft steuert nur begrenzt. |
| Leon Festinger | Kognitive Dissonanz | Widersprüche zwischen Überzeugungen und Verhalten erzeugen Spannung, die Menschen durch Umdeutung oder Veränderung reduzieren. |
| Chris Argyris | Ladder of Inference | Menschen wählen aus Beobachtungen Daten aus, deuten sie und gelangen schnell zu Schlussfolgerungen, die sie dann für Tatsachen halten. |
| Donald Schön | Reflexive Praxis | Professionelles Lernen entsteht durch Reflexion während und nach dem Handeln. |
6. Führung und Organisationspsychologie
| Person | Modell oder Arbeit | Kernaussage |
| Ralph Stogdill | Eigenschaftsansätze der Führung | Es gibt keine universelle Liste von Eigenschaften, die unabhängig von der Situation gute Führung garantiert. |
| Edwin Fleishman | Ohio-State-Führungsforschung | Führungsverhalten lässt sich unter anderem nach Aufgabenorientierung und Mitarbeiterorientierung unterscheiden. |
| Robert Blake | Managerial Grid | Führung kann nach Menschen- und Produktionsorientierung eingeordnet werden. |
| Jane Mouton | Managerial Grid | Hohe Menschen- und hohe Aufgabenorientierung wurden als Teammanagement verbunden. |
| Fred Fiedler | Kontingenztheorie | Die Wirksamkeit eines Führungsstils hängt davon ab, wie gut er zur Situation passt. |
| Paul Hersey | Situative Führung | Führung soll sich am Entwicklungs- und Kompetenzstand der Mitarbeitenden orientieren. |
| Ken Blanchard | Situative Führung | Anweisung und Unterstützung werden je nach Situation unterschiedlich kombiniert. |
| James MacGregor Burns | Transformationale und transaktionale Führung | Führung kann auf Austausch beruhen oder Werte, Motivation und Veränderung anregen. |
| Bernard Bass | Transformationale Führung | Entwickelte die transformationale Führung zu einem messbaren Führungsmodell weiter. |
| George Graen | Leader–Member Exchange | Führungskräfte entwickeln zu einzelnen Mitarbeitenden unterschiedlich hochwertige Beziehungen. |
| Mary Uhl-Bien | LMX; Complexity Leadership | Führung entsteht auch relational und in komplexen Netzwerken, nicht nur durch formelle Vorgesetzte. |
| Robert Greenleaf | Servant Leadership | Führung soll in erster Linie dem Wachstum und Wohlergehen anderer dienen. |
| Bruce Avolio | Authentic Leadership | Selbstkenntnis, Transparenz, moralische Orientierung und ausgewogene Informationsverarbeitung prägen authentische Führung. |
| William Gardner | Authentic Leadership | Authentizität entsteht durch reflektiertes Selbstverständnis und transparente Beziehungen. |
| Fred Walumbwa | Messung authentischer Führung | Operationalisierte zentrale Dimensionen authentischer Führung. |
| Craig Pearce | Shared Leadership | Führungsfunktionen können innerhalb eines Teams verteilt werden. |
| Jay Conger | Shared Leadership; charismatische Führung | Führung ist nicht zwingend an eine einzige formelle Person gebunden. |
| Peter Gronn | Distributed Leadership | Führung entsteht durch gemeinsame, miteinander verbundene Tätigkeiten. |
| James Spillane | Distributed Leadership | Führung muss im Zusammenspiel von Personen, Aufgaben und Situation verstanden werden. |
| Russ Marion | Complexity Leadership | In komplexen Systemen entstehen Innovation und Anpassung aus Interaktionen und nicht nur aus hierarchischer Steuerung. |
| Bill McKelvey | Complexity Leadership | Organisationen sind komplexe adaptive Systeme mit nichtlinearen Entwicklungen. |
| Gary Yukl | Integrative Führungsforschung | Führungserfolg hängt von Verhalten, Situation, Beziehungen und Veränderungsfähigkeit ab. |
| John Antonakis | Führungsforschung und Methodenkritik | Warnt vor schwachen Messmethoden, Kausalitätsfehlern und modischen Führungsbehauptungen. |
7. Arbeitspsychologie, Motivation und Gesundheit
| Person | Modell oder Arbeit | Kernaussage |
| Aaron Antonovsky | Salutogenese; Kohärenzgefühl | Gesundheit hängt davon ab, ob das Leben als verstehbar, handhabbar und sinnvoll erlebt wird. |
| Edward Deci | Selbstbestimmungstheorie | Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit fördern selbstbestimmte Motivation. |
| Richard Ryan | Selbstbestimmungstheorie | Dauerhafte Motivation entsteht eher durch erfüllte psychologische Grundbedürfnisse als durch reine Kontrolle. |
| Arnold Bakker | Job-Demands–Resources-Modell | Arbeitsanforderungen belasten; Ressourcen fördern Motivation und können Belastungsfolgen abpuffern. |
| Evangelia Demerouti | Job-Demands–Resources-Modell | Burnout- und Engagementprozesse entstehen aus dem Verhältnis von Anforderungen und Ressourcen. |
| David Rock | SCARF-Modell | Status, Sicherheit, Autonomie, Zugehörigkeit und Fairness beeinflussen soziale Bedrohungs- und Belohnungsreaktionen. |
| Amy Edmondson | Psychologische Sicherheit | Teams lernen besser, wenn Menschen Fragen, Fehler und Zweifel ohne Angst vor Demütigung ansprechen können. |
| Christina Maslach | Burnout-Modell | Burnout umfasst emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung beziehungsweise Zynismus und reduzierte Wirksamkeit. |
| Michael Leiter | Burnout und Passung zur Arbeit | Belastung entsteht unter anderem durch mangelnde Passung bei Arbeitslast, Kontrolle, Anerkennung, Gemeinschaft, Fairness und Werten. |
| Robert Karasek | Demand–Control-Modell | Hohe Anforderungen werden besonders belastend, wenn der eigene Entscheidungsspielraum gering ist. |
| Johannes Siegrist | Effort–Reward-Imbalance | Ein Missverhältnis zwischen Verausgabung und Belohnung gefährdet Gesundheit und Motivation. |
8. Resilienz und Entwicklungspsychologie
| Person | Modell oder Untersuchung | Kernaussage |
| Emmy Werner | Kauai-Längsschnittstudie | Ein Teil hoch belasteter Kinder entwickelte sich dank Schutzfaktoren dennoch psychisch und sozial gesund. |
| Ruth Smith | Kauai-Studie | Untersuchte gemeinsam mit Werner langfristige Risiko- und Schutzprozesse. |
| Norman Garmezy | Frühe Resilienzforschung | Schutzfaktoren können die Folgen erheblicher Entwicklungsrisiken abschwächen. |
| Michael Rutter | Risiko- und Schutzfaktoren | Resilienz ist ein dynamischer Prozess, nicht eine unveränderliche Persönlichkeitseigenschaft. |
| Ann Masten | „Ordinary Magic“ | Resilienz entsteht häufig durch normale, alltägliche Schutzsysteme wie Beziehungen und Selbstwirksamkeit. |
| Martin Seligman | Erlernte Hilflosigkeit; Positive Psychologie | Erwartungen von Kontrolllosigkeit können Passivität fördern; Stärken, Sinn und positive Ressourcen verdienen wissenschaftliche Beachtung. |
9. Konfliktforschung, Feedback und Lernen
| Person | Modell oder Arbeit | Kernaussage |
| Friedrich Glasl | Neun Eskalationsstufen | Konflikte entwickeln sich stufenweise; mit zunehmender Eskalation nehmen Selbststeuerung und Win-win-Möglichkeiten ab. |
| Kenneth Thomas | Thomas-Kilmann-Konfliktmodell | Konfliktverhalten lässt sich nach Durchsetzungs- und Kooperationsorientierung unterscheiden. |
| Ralph Kilmann | Thomas-Kilmann-Modell | Vermeiden, Nachgeben, Durchsetzen, Kompromiss und Kooperation können je nach Situation angemessen sein. |
| Roger Fisher | Harvard-Konzept | Menschen und Probleme trennen, Interessen statt Positionen betrachten und objektive Kriterien nutzen. |
| William Ury | Harvard-Konzept | Verhandlungsfähigkeit wird durch Interessenklärung, Optionen und die beste Alternative gestärkt. |
| Bruce Patton | Harvard-Konzept | Faire Verhandlungen brauchen nachvollziehbare Kriterien und sachbezogene Kommunikation. |
| Avraham Kluger | Feedback Intervention Theory | Feedback verbessert Leistung nicht automatisch; es kann die Aufmerksamkeit auch ungünstig auf das Selbst lenken. |
| Angelo DeNisi | Feedbackforschung | Die Wirkung von Feedback hängt davon ab, worauf es Aufmerksamkeit richtet und wie es verarbeitet wird. |
| John Hattie | Visible Learning; Feedback | Feedback ist besonders hilfreich, wenn es Ziel, aktuellen Stand und nächsten Lernschritt klärt. |
| Helen Timperley | Feedback und professionelles Lernen | Lernwirksames Feedback unterstützt das Verständnis der nächsten Entwicklungsschritte. |
| Edgar Schein | Organisationskultur; Humble Inquiry | Kultur besteht aus sichtbaren Praktiken, erklärten Werten und tiefen Grundannahmen; echtes Fragen ist wichtiger als vorschnelles Sagen. |
| Peter Senge | Lernende Organisation; fünf Disziplinen | Organisationen lernen durch Systemdenken, gemeinsame Visionen, mentale Modelle, Teamlernen und persönliche Entwicklung. |
| Chris Argyris | Single- und Double-Loop Learning | Tiefes Lernen verändert nicht nur Handlungen, sondern auch die zugrunde liegenden Annahmen und Regeln. |
| Donald Schön | Reflexive Praxis | Fachpersonen lernen, indem sie ihr Handeln in komplexen Situationen reflektieren. |
10. Systemtheorie, Kybernetik und Komplexität
| Person | Modell oder Arbeit | Kernaussage |
| Ludwig von Bertalanffy | Allgemeine Systemtheorie | Systeme müssen als Ganzheiten mit Beziehungen und Wechselwirkungen verstanden werden. |
| Norbert Wiener | Kybernetik | Rückkopplung, Steuerung und Information bestimmen das Verhalten technischer und sozialer Systeme. |
| Humberto Maturana | Autopoiesis | Lebende Systeme erhalten und reproduzieren ihre eigene Organisation. |
| Francisco Varela | Autopoiesis; verkörperte Kognition | Wahrnehmung entsteht im Zusammenspiel von Organismus und Umwelt. |
| Niklas Luhmann | Theorie sozialer Systeme | Soziale Systeme bestehen nicht aus Menschen, sondern reproduzieren sich durch Kommunikation. |
| Karl Weick | Sensemaking | Menschen handeln auf Grundlage gemeinsam erzeugter Bedeutungen, besonders unter Unsicherheit. |
| David Snowden | Cynefin-Framework | Einfache, komplizierte, komplexe und chaotische Situationen verlangen unterschiedliche Entscheidungsweisen. |
| Mary Uhl-Bien | Complexity Leadership | Adaptive Führung entsteht durch dynamische Interaktionen in komplexen Systemen. |
| Peter Senge | Systemdenken | Ereignisse sind Ausdruck tieferer Muster und Strukturen; lineare Lösungen können Nebenwirkungen erzeugen. |
11. Patientensicherheit, Human Factors und Organisationslernen
| Person | Modell oder Arbeit | Kernaussage |
| James Reason | Schweizer-Käse-Modell; organisatorische Unfallentstehung | Fehler entstehen meist durch mehrere gleichzeitig versagende Schutzschichten, nicht nur durch eine einzelne Person. |
| Sidney Dekker | Just Culture; Safety Differently | Menschliche Fehler sind häufig Symptome tieferer Systembedingungen. Lernen ist wirksamer als vorschnelle Schuldzuweisung. |
| Erik Hollnagel | Resilience Engineering; Safety-II | Sicherheit bedeutet nicht nur, Fehler zu verhindern, sondern zu verstehen, warum Arbeit meistens gelingt. |
| Karl Weick | High Reliability und Sensemaking | Hochzuverlässige Organisationen achten auf schwache Signale und bleiben gegenüber einfachen Erklärungen skeptisch. |
| Kathleen Sutcliffe | High Reliability Organizations | Zuverlässigkeit entsteht durch Aufmerksamkeit, Lernbereitschaft und Sensibilität für den tatsächlichen Betrieb. |
| Ron Westrum | Organisationstypologie | Generative Kulturen teilen Informationen; pathologische Kulturen unterdrücken oder bestrafen sie. |
| Robert Helmreich | Crew Resource Management | Hierarchie, Kommunikation und Teamkoordination beeinflussen die Sicherheit in Hochrisikosystemen. |
| Rhona Flin | Non-Technical Skills | Situationsbewusstsein, Kommunikation, Führung und Entscheidungsfähigkeit sind sicherheitsrelevante Kompetenzen. |
| Mica Endsley | Situational Awareness | Gute Entscheidungen setzen Wahrnehmung, Verständnis und Vorausschau der Situation voraus. |
| Robert L. Helmreich und H. Clayton Foushee | CRM-Forschung | Fehler lassen sich durch strukturierte Teamkommunikation und den Umgang mit Hierarchien reduzieren. |
12. Pflegewissenschaft, Medizin und personzentrierte Versorgung
| Person | Modell oder Arbeit | Kernaussage |
| Patricia Benner | From Novice to Expert | Pflegekompetenz entwickelt sich durch Erfahrung von regelgebundenem Anfängerhandeln zu situationsbezogener Expertise. |
| Barbara Carper | Patterns of Knowing in Nursing | Pflegewissen umfasst empirisches, ethisches, persönliches und ästhetisches Wissen. |
| Tom Kitwood | Personzentrierte Demenzpflege | Personsein und Beziehung bleiben auch bei kognitivem Abbau zentral. |
| Naomi Feil | Validation | Emotionale Wirklichkeit wird anerkannt, statt den Menschen ständig sachlich zu korrigieren. |
| George Engel | Biopsychosoziales Modell | Krankheit entsteht und wirkt auf biologischer, psychischer und sozialer Ebene. |
| Thomas Beauchamp | Vier Prinzipien der Medizinethik | Autonomie, Nichtschaden, Wohltun und Gerechtigkeit strukturieren ethische Entscheidungen. |
| James Childress | Prinzipienethik | Medizinische Entscheidungen benötigen die Abwägung mehrerer gleichrangiger moralischer Prinzipien. |
| Andrew Jameton | Moral Distress | Moralischer Stress entsteht, wenn Fachpersonen wissen, was richtig wäre, es aber aufgrund äusserer Hindernisse nicht tun können. |
| Cynda Rushton | Moral Resilience | Moralische Widerstandskraft unterstützt Fachpersonen im Umgang mit ethischer Belastung. |
13. Sozialer Ausschluss, Neuropsychologie und Sicherheit
| Person | Modell oder Forschung | Kernaussage |
| Stephen Porges | Polyvagal-Theorie | Wahrgenommene Sicherheit und Bedrohung beeinflussen soziale Verbundenheit und autonome Regulation; Teile der Theorie sind umstritten. |
| Matthew Lieberman | Social Cognitive Neuroscience | Soziale Zugehörigkeit ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis. |
| Naomi Eisenberger | Forschung zu sozialem Ausschluss | Sozialer Ausschluss aktiviert teilweise Netzwerke, die auch bei körperlichem Schmerz beteiligt sind. |
| Jean Decety | Empathieforschung | Empathie umfasst emotionale Resonanz, Perspektivübernahme und Regulation. |
| Mary Helen Immordino-Yang | Emotion, Lernen und soziale Kognition | Emotionen sind nicht das Gegenteil von Denken, sondern wesentlich für Lernen und Bedeutungsbildung. |
| Antonio Damasio | Emotion und Kognition | Vernünftige Entscheidungen sind ohne emotionale Bewertung stark beeinträchtigt. |
14. Kultur, Diversität und interkulturelle Kommunikation
| Person | Modell oder Arbeit | Kernaussage |
| Edward B. Tylor | Frühe anthropologische Kulturdefinition | Kultur umfasst erworbenes Wissen, Glauben, Kunst, Moral, Recht und Gewohnheiten. |
| Geert Hofstede | Kulturdimensionen | Kulturen können hinsichtlich Machtdistanz, Individualismus, Unsicherheitsvermeidung und weiterer Dimensionen verglichen werden; das Modell darf nicht stereotyp verwendet werden. |
| Edward T. Hall | High- und Low-Context-Kommunikation; Proxemik | Kulturen unterscheiden sich darin, wie stark Bedeutung ausdrücklich oder über Kontext vermittelt wird. |
| Fons Trompenaars | Sieben Kulturdimensionen | Kulturelle Unterschiede beeinflussen Beziehungen, Regeln, Status und Zeitverständnis. |
| Charles Hampden-Turner | Kulturdilemmata | Kulturelle Gegensätze sollten nicht bloss bewertet, sondern konstruktiv verbunden werden. |
| John Berry | Akkulturationsmodell | Integration, Assimilation, Separation und Marginalisierung beschreiben unterschiedliche Akkulturationswege. |
| Gordon Allport | Kontakthypothese | Kontakt kann Vorurteile vermindern, besonders bei Gleichstellung, Kooperation und institutioneller Unterstützung. |
| Thomas Pettigrew | Weiterentwicklung der Kontakthypothese | Gut gestalteter Kontakt reduziert Vorurteile auch über die direkte Begegnung hinaus. |
| Linda Tropp | Meta-Analysen zum Intergruppenkontakt | Intergruppenkontakt wirkt insgesamt vorurteilsreduzierend, jedoch abhängig von Qualität und Kontext. |
| Kimberlé Crenshaw | Intersektionalität | Benachteiligungen überlagern sich und lassen sich nicht immer getrennt nach einzelnen Kategorien verstehen. |
| Amartya Sen | Capability Approach | Gerechtigkeit bemisst sich an realen Verwirklichungschancen, nicht nur an formalen Rechten. |
| Martha Nussbaum | Capability Approach | Menschenwürdiges Leben erfordert grundlegende reale Fähigkeiten und Handlungsmöglichkeiten. |
15. Gerüchte, soziale Kommunikation und informelle Teamprozesse
| Person | Modell oder Arbeit | Kernaussage |
| Gordon Allport | Gerüchtepsychologie | Gerüchte gewinnen an Stärke, wenn ein Thema wichtig und die Informationslage unklar ist. |
| Leo Postman | Grundgesetz des Gerüchts | Gerüchteintensität wurde als Verbindung von Wichtigkeit und Mehrdeutigkeit beschrieben. |
| Nicholas DiFonzo | Gerüchte in Gruppen und Organisationen | Gerüchte helfen Menschen, Unsicherheit gemeinsam zu erklären und zu bewältigen. |
| Prashant Bordia | Rumor transmission | Unsicherheit, Angst und fehlendes Vertrauen fördern informelle Informationsbildung. |
| Robin Dunbar | Soziale Funktion des Klatsches | Informelle Gespräche dienen auch der Beziehungspflege, Normkontrolle und Informationsweitergabe. |
| Max Gluckman | Gossip and Scandal | Klatsch kann Gruppen zusammenhalten, aber auch Grenzen ziehen und Menschen ausschliessen. |
16. Eigene Modelle von Christoph J. Zingg
Diese Modelle müssen deutlich von empirisch validierten wissenschaftlichen Theorien unterschieden werden. Sie sind Ihre praxisbasierten, integrativen Denkmodelle und Heuristiken.
| Eigenes Modell | Kernaussage | Wissenschaftliche Anschlussstellen |
| Die Möbiusschleife des Menschlichen Die Möbiusschleife des Menschlichen | Kommunikation, Wahrnehmung, Beziehung, Gruppendynamik und Verhalten beeinflussen sich fortlaufend und ohne klaren Anfang oder Endpunkt. | Watzlawick, Bateson, Systemtheorie, Konstruktivismus, Sensemaking |
| Möbius-Denkmodell Das Möbius-Denkmodell | Gegensätze und Rückkopplungen sollen nicht linear, sondern als verbundene Seiten eines fortlaufenden Prozesses betrachtet werden. | Kybernetik, Double-Loop Learning, Systemdenken |
| Multiversität Multiversität Von der Diversität zur Multiversität | Diversität beschreibt Verschiedenheit; Multiversität beschreibt, wie Verschiedenheit gemeinsam wirksam und zu einer Stärke wird. | Tajfel, Turner, Sherif, Allport, Edmondson, Diversitäts- und Inklusionsforschung |
| Informations–Gerüchte-Gesetz Das Informations-Gerüchte-Gesetz | Wo gesicherte Information fehlt, füllen Gerüchte und Interpretationen die entstehende Lücke; Information und Gerücht bilden sinngemäss zusammen 100 Prozent. | Allport und Postman, DiFonzo und Bordia, Sensemaking |
| Märkliheft-Prinzip Das Märkliheft-Prinzip und der Butterfly Effekt | Menschen sammeln symbolisch positive und negative Beziehungserfahrungen; viele kleine Einträge beeinflussen Vertrauen, Motivation und Bindung. | Verstärkungslernen, Beziehungsforschung, psychologischer Vertrag, Feedback |
| Integratives Systemdenken beziehungsweise Systemische Integration Systemtheorie: Kommunikation, Beziehungen und Wechselwirkungen | Wissenschaftliche Modelle sollen nicht isoliert, sondern in ihren Wechselwirkungen mit Praxis, Person und Organisation betrachtet werden. | Bertalanffy, Bateson, Senge, Weick |
| ICH-Vertrag Der ICH-Vertrag | Ein persönlicher Gesundheits- und Arbeitsvertrag mit Grün-, Orange- und Rot-Kriterien schützt Werte, Lebensqualität und rechtzeitige Handlungsfähigkeit. | Antonovsky, ACT nach Hayes, Selbstregulation, JD-R-Modell, Selbstbestimmungstheorie |
| Möbiusschleife der Veränderung Die Möbiusschleife der Veränderung | Veränderung entsteht über Zugehörigkeit, Anerkennung, emotionale Verbindung, Vertrauen, Öffnung und Entscheidung und verläuft rückgekoppelt statt linear. | Rogers, Edmondson, Deci/Ryan, Damasio, Sensemaking |
17. International: Länderliste
18. Bücher
| Das Schweigen der Pagoden | Das Schweigen der Pagoden |
| Die Möbiusschleife des Menschlichen | Die Möbiusschleife des Menschlichen |
Das Inhaltsverzeichnis wird zeitnah aktualisiert.
Blogs zum Thema Tauchen / Tauchschule werden in diesem Inhaltsverzeichnis nicht aufgeführt.