Wenn ein Fest seinen Ort wechseln muss

Wenn ein Fest seinen Ort wechseln muss - Thailand, Myanmar und die Hoffnung im Schatten des Krieges (Myanmar im Oktober 2026)

Thailand, Myanmar und die Hoffnung im Schatten des Krieges
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von Christoph J. Zingg (Autor)

Manchmal verändert der Krieg nicht nur, wo Menschen leben. Er verändert sogar, wo sie ihre Hoffnung feiern können.
-Christoph J. Zingg

Tazaungdaing

Im November 2026 werden mein Partner und ich nach Thailand reisen. Zwei Wochen, in denen wir das Lichterfest in Chiang Mai erleben möchten.

Eigentlich wollten wir nach Myanmar.

Für meinen Mann, der aus Myanmar stammt, Buddhist ist und einen grossen Teil seines Lebens im Exil in Thailand verbracht hat, wäre diese Reise mehr gewesen als ein Ferienerlebnis. Sie hätte ihn in ein Land zurückgeführt, das Heimat geblieben ist – auch dort, wo eine Rückkehr zu gefährlich geworden ist.

Doch der Krieg entscheidet mit.

Er entscheidet, welche Strassen befahrbar sind. Welche Orte besucht werden können. Welche Gespräche sicher sind. Und manchmal sogar, an welchem Ort Menschen ein religiöses und kulturelles Fest feiern können.

Deshalb werden wir das Licht in Thailand sehen – und dabei an Myanmar denken.

Drei Feste, ein Kulturraum – aber nicht dieselbe Tradition

Wenn von den südostasiatischen «Lichterfesten» gesprochen wird, verschwimmen Unterschiede schnell. Besonders in der touristischen Vermarktung werden Loy Krathong, Yi Peng und das myanmarische Tazaungdaing häufig behandelt, als seien sie Varianten desselben Festes.

Das greift zu kurz.

Loy Krathong wird in weiten Teilen Thailands gefeiert. Kleine, traditionell aus Pflanzenmaterial gefertigte Flösse werden mit Kerzen, Blumen und Räucherwerk auf das Wasser gesetzt. Das Ritual kann Dankbarkeit gegenüber dem Wasser ausdrücken, um Vergebung bitten und symbolisch Belastendes loslassen.

Yi Peng gehört besonders zur nordthailändischen Lanna-Tradition. Charakteristisch sind die Lichter, Laternen und – dort, wo es erlaubt und sicher ist – Himmelslaternen. In Chiang Mai überschneiden sich Yi Peng und Loy Krathong zeitlich und räumlich. Dadurch entsteht jenes eindrucksvolle Bild aus Licht, Wasser und Himmel, das heute Menschen aus aller Welt anzieht. Für 2026 werden die Feierlichkeiten in Chiang Mai gegenwärtig für den 24. und 25. November angekündigt.

Tazaungdaing beziehungsweise der Vollmondtag von Tazaungmone besitzt in Myanmar eine eigene religiöse und kulturelle Geschichte. Dazu gehören buddhistische Verdiensthandlungen, das Spenden von Gaben und Mönchsgewändern, nächtliche Webzeremonien sowie regionale Licht- und Ballontraditionen. Berühmt ist insbesondere das Heissluftballonfest von Taunggyi im Shan-Staat. Die offiziellen Feiertage in Myanmar sind 2026 für den 23. und 24. November verzeichnet.

Die Feste stehen in verwandten buddhistischen und südostasiatischen Kulturräumen. Sie teilen Symbole wie Licht, Vollmond, Gemeinschaft und Erneuerung. Trotzdem sind sie nicht austauschbar.

Gerade weil wir Myanmar verbunden sind, sollten wir Thailand nicht zu einem Ersatz-Myanmar erklären. Kulturelle Nähe bedeutet nicht kulturelle Gleichheit.

Heimat lässt sich nicht durch ein Reiseziel ersetzen

Für mich ist Myanmar ein Land, das ich bereist, beobachtet und zunehmend in mein eigenes Leben aufgenommen habe. Für meinen Mann ist es etwas anderes.

Es ist Herkunft.

Es sind Sprache, Gerüche, Erinnerungen, buddhistische Rituale, Familie und Landschaften. Es ist aber auch die Erfahrung, dass Heimat nicht automatisch Sicherheit bedeutet.

In meinem Buch Das Schweigen der Pagoden – Zwischen Sehnsucht, Liebe und Angst beschreibe ich Myanmar als ein Land zwischen Schönheit und Furcht: goldene Pagoden, das Lächeln der Menschen, Bagan, der Inle-See und der Shan-Staat – aber auch Checkpoints, leiser werdende Stimmen, digitale Überwachung, Vertreibung und die Vorsicht, die sich in jedes Gespräch einschleicht.

Eine der zentralen Erfahrungen des Buches lautet: Der Krieg lebt nicht nur in militärischen Operationen. Er lebt in Erinnerungen, Familien, Gruppenzugehörigkeiten, im Schweigen und in der Angst vor dem falschen Wort.

Auch Feste werden davon berührt.

Bereits beim myanmarischen Wasserfest Thingyan zeigt sich, dass Feiern während eines Krieges nicht zwangsläufig Verdrängung bedeutet. Wenn Kinder mit Wasser spielen, Familien zusammenkommen und Menschen trotz allem tanzen, kann dies eine Form des Überlebens sein.

Menschen feiern nicht immer, weil alles gut ist.

Manchmal feiern sie, weil noch etwas gut bleiben soll.

Was Rituale wissenschaftlich betrachtet bewirken

Der französische Soziologe Émile Durkheim beschrieb, wie gemeinsame Rituale soziale Verbundenheit erzeugen. Menschen richten ihre Aufmerksamkeit auf dieselben Symbole, vollziehen dieselben Handlungen und erleben Emotionen nicht mehr nur individuell, sondern gemeinsam. Durkheim bezeichnete diese intensive gemeinsame Aktivierung als kollektive Efferveszenz.

Der Anthropologe Victor Turner entwickelte dafür die Begriffe der Liminalität und der Communitas. Rituale können Menschen vorübergehend aus ihrem Alltag und ihren festen Rollen herausführen. In diesem Schwellenraum entsteht das Gefühl einer unmittelbaren Gemeinschaft.

Für einen Moment stehen Menschen gemeinsam unter demselben Himmel.

Doch dieser Moment darf nicht romantisiert werden. Wenn die Lichter erloschen sind, bleiben Unterschiede bestehen: zwischen Einheimischen und Touristen, Menschen mit Pässen und Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus, Reisenden und Geflüchteten.

Eine gemeinsame Zeremonie kann soziale Grenzen zeitweise überbrücken. Sie hebt die politischen und rechtlichen Grenzen jedoch nicht automatisch auf.

Eine umfassende psychologische Forschungsübersicht von Hobson und Kollegen beschreibt drei zentrale Funktionen von Ritualen: Sie können Emotionen regulieren, Menschen in unsicheren Situationen Orientierung geben und soziale Verbundenheit stärken. Rituale sind deshalb weit mehr als Folklore. Sie sind kulturelle Formen der Stabilisierung.

Maurice Halbwachs zeigte zudem, dass Erinnerungen nicht nur in einzelnen Menschen gespeichert werden. Sie entstehen und verändern sich in sozialen Gruppen. Aleida und Jan Assmann führten diesen Gedanken zum kulturellen Gedächtnis weiter: Gemeinschaften bewahren ihre Identität durch Erzählungen, Symbole, Orte, Feste und wiederkehrende Handlungen.

Wenn Menschen ihre Heimat verlassen müssen, können Rituale zu einer tragbaren Form von Heimat werden.

Das Land bleibt zurück. Das Ritual reist mit.

Verlust ohne Abschluss

Die Familientherapeutin und Forscherin Pauline Boss prägte den Begriff Ambiguous Loss – mehrdeutiger oder uneindeutiger Verlust.

Gemeint ist ein Verlust, der keinen klaren Abschluss besitzt. Ein Mensch oder ein Ort kann physisch abwesend und psychisch dennoch ständig gegenwärtig sein. Das Konzept wurde ursprünglich für familiäre Verlusterfahrungen entwickelt. Es bietet aber auch einen vorsichtigen Zugang zu Erfahrungen von Flucht und Exil.

Myanmar existiert weiter. Die Familien, Pagoden, Dörfer und Erinnerungen sind nicht verschwunden. Aber sie sind für viele Menschen nicht mehr sicher erreichbar.

Man kann um eine Heimat trauern, die noch da ist.

Man kann sie lieben, ohne zu ihr zurückkehren zu können.

Man kann ein Fest feiern und gleichzeitig spüren, dass man es am falschen Ort feiert.

Diese Gleichzeitigkeit von Dankbarkeit und Trauer ist kein Widerspruch. Sie gehört zur Erfahrung von Exil und erzwungener Distanz.

Chiang Mai zwischen Ritual und Inszenierung

Chiang Mai ist für das Thema besonders bedeutungsvoll. Die ehemalige Hauptstadt des Lanna-Königreichs ist ein religiöses und kulturelles Zentrum Nordthailands. Gleichzeitig ist sie eine internationale Tourismusdestination, in der lokale Tradition, buddhistische Praxis, städtische Identität und globale Vermarktung aufeinandertreffen.

Genau darin liegt eine Spannung.

Das Lichterfest ist für viele Menschen ein religiöses oder kulturelles Ritual. Für andere ist es ein spektakuläres Bild: Tausende Laternen, leuchtende Tempel, schwimmende Krathongs und Smartphones, die den Himmel filmen.

Tourismus macht ein Ritual nicht automatisch unecht. Auch Traditionen verändern sich, und wirtschaftliche Einnahmen können lokalen Gemeinschaften zugutekommen. Problematisch wird es dort, wo die äussere Schönheit von ihrer Bedeutung getrennt wird.

Eine Laterne wird dann nicht mehr als Teil eines Rituals wahrgenommen, sondern als Hintergrund für ein Foto.

In meinem Blogbeitrag «Myanmar: Ein Foto der Hoffnung – oder politische Inszenierung?»⁠ habe ich mich bereits mit der Frage beschäftigt, wie Bilder Wirklichkeit auswählen. Ein Foto kann Hoffnung sichtbar machen. Es kann aber auch Leid ausblenden und eine gewünschte Geschichte erzeugen.

Dasselbe gilt für die Bilder aus Chiang Mai.

Was sehen wir, wenn Tausende Lichter aufsteigen?

Sehen wir ein touristisches Spektakel? Eine buddhistisch geprägte Zeremonie? Eine Lanna-Tradition? Eine kommerzielle Grossveranstaltung? Oder einen persönlichen Moment des Loslassens?

Wahrscheinlich sehen wir all dies gleichzeitig.

Entscheidend ist, ob wir als Gäste bereit sind, hinter das Bild zu schauen.

Thailand: Zuflucht und Grenze zugleich

Thailand wird für viele Menschen aus Myanmar zu einem Ort der Hoffnung. Es bietet relative Sicherheit, Arbeit und eine geografische Nähe zur Heimat.

Doch diese Sicherheit ist ungleich verteilt.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks lebten im Februar 2026 genau 80’234 Geflüchtete aus Myanmar in neun von der thailändischen Regierung betriebenen temporären Einrichtungen entlang der Grenze. Viele dieser Menschen leben dort seit Jahrzehnten. Manche wurden bereits in diesen Einrichtungen geboren.

Thailand hat zuletzt wichtige Schritte unternommen. Seit Oktober 2025 können registrierte Bewohnerinnen und Bewohner der Grenzeinrichtungen legal arbeiten. Bis Juni 2026 hatten mehr als 5’500 Menschen eine Beschäftigung aufgenommen. Staatliche Identitätskarten sollen den Zugang zu Arbeit, Bankkonten, Kommunikation und Dienstleistungen erleichtern.

Das ist ein bedeutender Fortschritt.

Gleichzeitig bleibt die thailändische Politik widersprüchlich. Thailand ist der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 nicht beigetreten und besitzt kein umfassendes, für alle Nationalitäten zugängliches Asylsystem. Viele Menschen aus Myanmar werden rechtlich primär als irreguläre Migrantinnen und Migranten oder Arbeitskräfte behandelt – auch wenn sie vor Verfolgung, Zwangsrekrutierung oder Krieg geflohen sind.

Human Rights Watch verweist unter Berufung auf Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration auf mehr als vier Millionen Menschen aus Myanmar in Thailand. Bis zu 1,7 Millionen von ihnen könnten undokumentiert sein. Berichtet wird von Ausbeutung, Erpressung, willkürlichen Kontrollen, eingeschränkter Bewegungsfreiheit und zeitweisen Zurückweisungen an der Grenze.

Thailand schützt und begrenzt. Es integriert und kontrolliert. Es bietet Arbeit und hält gleichzeitig an einem lückenhaften Schutzsystem fest.

Diese Ambivalenz lässt sich nicht auf die Formel eines «guten» oder «schlechten» Aufnahmelandes reduzieren. Aber ihre Folgen sind sehr konkret: Ein Mensch kann in Thailand vor Bomben sicherer sein und dennoch jeden Tag Angst vor einer Kontrolle oder Abschiebung haben.

Worte schaffen politischen Status

Hier zeigt sich, wie eng humanitäre Politik und Kommunikation miteinander verbunden sind.

Ob ein Mensch als «Flüchtling», «Vertriebener», «Migrant» oder «illegale Arbeitskraft» bezeichnet wird, ist nicht nur eine sprachliche Frage. Die verwendete Kategorie beeinflusst Rechte, Schutz, Bewegungsfreiheit und öffentliche Wahrnehmung.

Sprache beschreibt Wirklichkeit nicht nur.

Sie verteilt Verantwortung.

Wenn Menschen, die vor Krieg fliehen, ausschliesslich als Arbeitsmigranten erscheinen, wird ihr Schutzbedürfnis unsichtbar. Wenn Thailand lediglich als grosszügiger Zufluchtsort dargestellt wird, verschwinden die Einschränkungen. Wenn es nur als abweisender Staat beschrieben wird, bleiben reale Fortschritte wie Arbeitsrechte und Identitätskarten unerwähnt.

Verantwortungsvolle Kommunikation muss beides aushalten.

Myanmar im Oktober 2026

Während wir unsere Reise planen, bleibt die humanitäre Lage in Myanmar dramatisch. Nach Angaben von OCHA benötigten im Juli 2026 rund 16,2 Millionen Menschen humanitäre Unterstützung. Fast 3,8 Millionen Menschen waren innerhalb des Landes vertrieben. Jetzt im Oktober 2026 dürfte diese Zahl nochmals deutlich gestiegen sein.

Bewaffnete Auseinandersetzungen, Luftangriffe, Minen, zerstörte Infrastruktur, Bewegungseinschränkungen und administrative Blockaden erschweren den Zugang zu Hilfe. Bis Ende März 2026 hatten humanitäre Organisationen 1,6 Millionen Menschen erreicht – nur einen Teil der Bevölkerung, die Unterstützung benötigt.

Hinter diesen Zahlen stehen Familien.

Menschen, die ihre Dörfer verlassen mussten. Kinder, deren Schulunterricht abgebrochen ist. Junge Männer, die sich vor Zwangsrekrutierung verstecken. Frauen, die allein für Familien sorgen. Menschen, die auf ihrem Telefon Nachrichten aus der Heimat lesen und nicht wissen, ob die nächste Nachricht noch beantwortet wird.

Meine bisherigen Beiträge «Myanmar / Burma im Juni 2026»⁠ und «Myanmar im August 2026 – …und die Pagoden schweigen weiter…»⁠ beschreiben diese Entwicklung.

Das Lichterfest steht nicht ausserhalb dieser Realität.

Sein Licht fällt auf sie.

Auch Thailand ist kein konfliktfreier Gegenraum

Es wäre ebenfalls falsch, Thailand als friedlichen Gegenpol zu einem kriegsgezeichneten Myanmar darzustellen.

Im überwiegend muslimisch-malaiischen Süden Thailands dauert der Konflikt in Pattani, Yala, Narathiwat und Teilen Songkhlas seit Jahrzehnten an. Seit 2004 wurden dabei mehr als 7’000 Menschen getötet. Im August 2026 registrierte ACLED innerhalb weniger Stunden 51 koordinierte Vorfälle in 21 Bezirken. Friedensgespräche und neue Gewalt liegen dort weiterhin gefährlich nahe beieinander.

Auch die Grenzauseinandersetzungen zwischen Thailand und Kambodscha eskalierten 2025 erneut. Die Kämpfe im Juli und Dezember forderten zivile Opfer und vertrieben auf beiden Seiten Hunderttausende Menschen. Ein Waffenstillstand beendete die unmittelbaren Gefechte, nicht aber den zugrunde liegenden Grenzstreit.

Diese Konflikte liegen geografisch weit von Chiang Mai entfernt. Thailand ist nicht mit Myanmar gleichzusetzen, und das Ausmass der Krisen unterscheidet sich deutlich.

Doch Thailand ist auch keine konfliktfreie Kulisse.

Das Land trägt eigene Spannungen zwischen Zentrum und Peripherie, Mehrheitsgesellschaft und Minderheiten, nationaler Einheit und regionaler Identität, Sicherheitspolitik und Menschenrechten.

Was das mit Leadership zu tun hat

Leadership zeigt sich nicht nur in grossen Reden.

Sie zeigt sich darin, wie Staaten und Institutionen mit Menschen umgehen, die wenig Macht besitzen. Ob Schutz gewährt wird, wenn er politisch unbequem ist. Ob eine Grenze nur als Sicherheitslinie oder auch als Ort menschlicher Verantwortung verstanden wird.

Auch Rituale haben eine Dimension von Leadership und Gruppendynamik. Sie können Zugehörigkeit schaffen, Werte vermitteln und Menschen über Unterschiede hinweg verbinden.

Sie können aber ebenso zur Selbstdarstellung, zur Ausgrenzung oder zur politischen Inszenierung benutzt werden.

Ein gemeinsamer Himmel macht nicht automatisch alle Menschen gleich. Die Laterne eines Touristen und die Laterne eines Geflüchteten können nebeneinander aufsteigen – während nur einer von beiden anschliessend frei weiterreisen darf.

Glaubwürdige Führung beginnt dort, wo Symbol und Handlung zusammenpassen.

Wo von Menschenwürde gesprochen wird, muss Menschenwürde auch rechtlich geschützt werden. Wo Gastfreundschaft Teil des nationalen Selbstbildes ist, sollte sie auch für diejenigen gelten, die nicht als zahlende Gäste kommen.

Warum wir trotzdem feiern werden

Wir werden nach Chiang Mai reisen.

Wir werden dankbar sein, dieses Fest erleben zu dürfen. Wir werden die Tempel, das Licht, das Wasser und die Gemeinschaft wahrnehmen. Wir werden versuchen, nicht nur zu fotografieren, sondern zuzuhören und zu verstehen.

Und wir werden wissen, dass das Fest für uns eine zusätzliche Bedeutung trägt.

Für meinen Mann kann ein Licht Erinnerung an Myanmar sein. Für mich kann es die Verbindung zu jenem Land ausdrücken, das durch ihn, durch unsere Reisen und durch die Arbeit an Das Schweigen der Pagoden Teil meines Lebens geworden ist.

Thailand ersetzt Myanmar nicht.

Chiang Mai ersetzt Taunggyi nicht.

Yi Peng und Loy Krathong ersetzen Tazaungdaing nicht.

Aber vielleicht kann ein Ritual für einen Moment eine Brücke bilden: zwischen Herkunft und Gegenwart, zwischen Heimat und Exil, zwischen Dankbarkeit und Trauer.

Im Buch schreibe ich sinngemäss, dass die Pagoden lange schwiegen – bis ihr Schweigen selbst zu einem Schrei wurde. Der Krieg versucht, Orte, Stimmen und Erinnerungen voneinander zu trennen.

Rituale widersetzen sich dieser Trennung.

Sie tragen Erinnerung über Grenzen. Sie geben Trauer eine Form. Und sie ermöglichen Gemeinschaft, selbst wenn der ursprüngliche Ort unerreichbar geworden ist.

Wir werden das Licht in Thailand sehen.

Doch ein Teil dieses Lichtes wird Myanmar gehören.

Denn Krieg kann Menschen zwingen, den Ort ihres Festes zu verändern.

Er darf ihnen nicht auch noch die Hoffnung nehmen.

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«Der Krieg kann Menschen vertreiben und ihre Feste über Grenzen zwingen. Doch solange wir im Licht nicht nur Schönheit, sondern auch das Leid und die Würde der Menschen erkennen, hat die Menschlichkeit ihren Ort noch nicht verloren.»
— Christoph J. Zingg

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Wissenschaftliche und aktuelle Grundlagen

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