Tom Kitwood: Der Mensch verschwindet nicht hinter der Demenz

Tom Kitwood: Der Mensch verschwindet nicht hinter der Demenz - Warum Personsein, Beziehung und Würde wichtiger sind als die Diagnose

Warum Personsein, Beziehung und Würde wichtiger sind als die Diagnose

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von Christoph J. Zingg (Autor)

Ich hab ES vergessen

Eine ältere Frau sitzt am Frühstückstisch. Vor ihr steht eine Tasse Kaffee. Eine Pflegefachperson kommt ins Zimmer, richtet die Medikamente und sagt zu einer Kollegin:

„Sie hat heute wieder nichts gegessen. Nachher müssen wir sie noch duschen.“

Die Frau wird nicht angesprochen. Es wird über sie gesprochen, als wäre sie nicht anwesend.

Vielleicht versteht sie nicht mehr jedes Wort. Vielleicht kann sie dem Gespräch nicht vollständig folgen. Und vielleicht findet sie selbst keine passende Antwort mehr.

Aber sie hört den Tonfall. Sie nimmt wahr, dass andere über sie verfügen. Sie spürt möglicherweise Hektik, Ungeduld oder Abwertung. Und vielleicht versteht sie mehr, als ihr zugetraut wird.

Der britische Sozialpsychologe und Theologe Tom Kitwood stellte eine Frage, die die Demenzpflege grundlegend veränderte:

Was geschieht mit einem Menschen, wenn seine Umgebung nur noch die Demenz sieht – und nicht mehr die Person?

Seine Antwort war ebenso einfach wie radikal:

Die Demenz verändert den Menschen. Aber sie löscht ihn nicht aus.

Ein Mensch mit Demenz bleibt ein Mensch mit einer Biografie, einer Identität, einer Geschichte, Beziehungen, Bedürfnissen, Gewohnheiten, Ängsten, Fähigkeiten und einer unverlierbaren Würde.

Der Mensch verschwindet nicht hinter der Demenz.

Manchmal verschwindet er vielmehr hinter unserem Blick auf die Demenz.

Wer war Tom Kitwood?

Thomas Marris Kitwood wurde 1937 geboren und starb 1998. Er studierte zunächst Naturwissenschaften und Theologie und wandte sich später der Psychologie und Sozialpsychologie zu.

An der Universität Bradford in Grossbritannien entwickelte er ab den 1980er-Jahren gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen einen neuen Zugang zur Demenzpflege.

Sein bekanntestes Werk erschien 1997 unter dem Titel:

Dementia Reconsidered: The Person Comes First.

Bereits der Titel war programmatisch: Demenz sollte neu betrachtet werden – und die Person sollte wieder an die erste Stelle treten.

Zur damaligen Zeit wurde Demenz oft fast ausschliesslich als fortschreitender neurologischer Abbau verstanden. Die betroffenen Menschen wurden beschrieben anhand dessen, was sie nicht mehr konnten:

  • nicht mehr orientiert
  • nicht mehr urteilsfähig
  • nicht mehr zuverlässig
  • nicht mehr selbstständig
  • nicht mehr kommunikativ
  • nicht mehr kooperativ
  • nicht mehr in der bisherigen Persönlichkeit erreichbar

In dieser Sichtweise schien der Krankheitsprozess nach und nach alles zu zerstören, was den Menschen ausmachte. Übrig blieb vermeintlich ein Körper, der versorgt, beschäftigt, beaufsichtigt und geschützt werden musste.

Kitwood stellte dieses Bild infrage.

Er bestritt die neurologischen Veränderungen nicht. Er behauptete auch nicht, Demenz sei bloss ein gesellschaftliches Konstrukt oder könne durch liebevolle Pflege geheilt werden.

Seine entscheidende Erweiterung lautete:

Wie ein Mensch seine Demenz erlebt und wie er sich verhält, hängt nicht nur von den Veränderungen seines Gehirns ab, sondern ebenso von seinem körperlichen Zustand, seiner Persönlichkeit, seiner Lebensgeschichte, seinen Beziehungen und der Art, wie andere Menschen ihm begegnen.

Damit wurde aus einem rein medizinischen Defizitmodell ein biopsychosoziales und relationales Verständnis der Demenz.

Das alte Bild: Die Krankheit verschlingt die Person

In einem rein medizinischen Modell wird das Verhalten eines Menschen mit Demenz vor allem als Folge seiner Hirnschädigung verstanden.

Wenn eine Bewohnerin ruft, wegläuft, sich gegen die Körperpflege wehrt oder unruhig wird, scheint die Erklärung schnell gefunden:

„Das ist ihre Demenz.“

Diese Erklärung ist nicht immer falsch. Sie ist aber häufig unvollständig.

Denn der Satz beendet die Suche.

Er fragt nicht mehr:

  • Hat die Frau Schmerzen?
  • Muss sie zur Toilette?
  • Hat sie Durst?
  • Ist ihr kalt?
  • Versteht sie die Situation?
  • Erkennt sie die Pflegeperson?
  • Schämt sie sich bei der Intimpflege?
  • Fühlt sie sich bedrängt?
  • Vermisst sie jemanden?
  • Ist die Umgebung zu laut?
  • Hat sie Angst?
  • Wird sie überfordert?
  • Erinnert die Situation sie an eine frühere Verletzung?
  • Wird ihr Verhalten durch unsere Kommunikation verstärkt?

Wenn alles mit „der Demenz“ erklärt wird, verschwinden Kontext und Bedeutung.

Kitwood wollte die neurologische Erkrankung nicht leugnen. Er wollte verhindern, dass sie zur alleinigen Erklärung des ganzen Menschen wird.

Kitwoods erweitertes Demenzmodell

Kitwood beschrieb das Erleben und Erscheinungsbild einer Demenz als Zusammenspiel mehrerer Einflussfaktoren. Häufig wird sein Gedanke in einer Formel dargestellt:

D = NI + H + B + P + SP

Dabei stehen die Buchstaben sinngemäss für:

  • NI – neurologische Beeinträchtigung
  • H – Gesundheit und körperlicher Zustand
  • B – Biografie beziehungsweise Lebensgeschichte
  • P – Persönlichkeit
  • SP – Sozialpsychologie beziehungsweise soziales Umfeld

Diese Formel ist keine medizinische Berechnung. Man kann Demenz damit weder messen noch einen Wert ausrechnen. Sie ist eine Denkstütze.

Sie erinnert daran, dass beobachtbares Verhalten mehrere Ursachen haben kann.

Neurologische Beeinträchtigung

Die Art und Ausprägung der Hirnveränderung beeinflussen:

  • Gedächtnis
  • Sprache
  • Aufmerksamkeit
  • Orientierung
  • Impulskontrolle
  • Planung
  • Wiedererkennung
  • räumliche Wahrnehmung
  • Verhalten und Persönlichkeit

Eine Alzheimer-Demenz kann sich anders zeigen als eine frontotemporale, vaskuläre oder Lewy-Körper-Demenz.

Kitwood verharmloste diese Veränderungen nicht. Er widersprach lediglich der Vorstellung, sie erklärten jede einzelne Reaktion vollständig.

Körperliche Gesundheit

Ein Mensch mit Demenz kann Schmerzen, Atemnot, Harnverhalt, Obstipation, Hunger, Durst, Müdigkeit oder Nebenwirkungen häufig nicht mehr eindeutig benennen.

Was als „herausforderndes Verhalten“ bezeichnet wird, kann Ausdruck einer unbehandelten körperlichen Belastung sein.

Eine plötzlich unruhige Bewohnerin braucht deshalb nicht automatisch ein beruhigendes Medikament. Sie braucht zunächst eine sorgfältige Beurteilung:

  • Ist die Veränderung neu?
  • Besteht ein Delir?
  • Gibt es Hinweise auf Infektion?
  • Hat sie Schmerzen?
  • Ist die Brille vorhanden?
  • Funktioniert das Hörgerät?
  • Ist sie übermüdet?
  • Hat sich die Medikation verändert?
  • Ist die Umgebung überfordernd?

Personzentrierung ersetzt keine medizinische Diagnostik. Sie erweitert sie.

Biografie

Menschen reagieren nicht nur auf die gegenwärtige Situation. Sie reagieren auch aus ihrer Lebensgeschichte heraus.

Ein ehemaliger Landwirt, der jeden Morgen um fünf Uhr aufsteht und zur Tür gehen möchte, ist möglicherweise nicht einfach „weglaufgefährdet“. Er folgt einer über Jahrzehnte verankerten Tagesstruktur.

Eine frühere Hausfrau, die Geschirrtücher sammelt und Tische abwischt, zeigt möglicherweise nicht bloss „stereotypes Verhalten“. Sie nimmt eine vertraute, identitätsstiftende Tätigkeit auf.

Eine Frau, die bei der Intimpflege heftig abwehrt, kann Scham empfinden, die Pflegeperson nicht erkennen oder frühere Grenzverletzungen erneut erleben.

Biografisches Wissen macht Verhalten nicht vollständig erklärbar. Aber es öffnet Deutungsmöglichkeiten, die ein reines Defizitmodell verschliesst.

Persönlichkeit

Demenz erzeugt keinen vollständig neuen Menschen.

Persönlichkeitszüge, Gewohnheiten, Werte und Bewältigungsmuster können trotz kognitiver Veränderungen fortbestehen oder deutlicher hervortreten.

Ein Mensch, der sein Leben lang selbstständig, zurückhaltend oder kontrolliert war, wird Abhängigkeit möglicherweise anders erleben als jemand, der Unterstützung leichter annehmen konnte.

Wer früher stark auf Ordnung angewiesen war, kann auf Veränderungen besonders angespannt reagieren.

Wer Konflikten immer ausgewichen ist, kann sich auch mit Demenz eher zurückziehen als offen protestieren.

Personzentrierte Pflege fragt deshalb nicht nur:

„Welche Demenz hat dieser Mensch?“

Sondern:

„Wer war und wer ist dieser Mensch?“

Sozialpsychologie und Beziehungen

Hier liegt Kitwoods bedeutendste Erweiterung.

Das soziale Umfeld ist nicht nur die Bühne, auf der sich eine Demenz zeigt. Es kann das Erleben und Verhalten aktiv beeinflussen.

Ein Mensch kann durch respektvolle Begleitung ruhiger, aufmerksamer und beteiligter werden. Derselbe Mensch kann unter Hektik, Beschämung, Lärm oder Kontrolle Angst, Widerstand und Rückzug entwickeln.

Das bedeutet nicht, dass Pflegende jede Unruhe verursachen. Es bedeutet auch nicht, dass gute Beziehung jede Symptomatik verhindern kann.

Es bedeutet:

Die Qualität der Begegnung ist ein klinisch, pflegerisch und ethisch relevanter Einflussfaktor.

Was bedeutet Personsein?

Kitwood verwendete den englischen Begriff Personhood, im Deutschen meist mit Personsein übersetzt.

Personsein ist mehr als biologische Existenz. Es bezeichnet den Status, der einem Menschen in Beziehungen und im sozialen Zusammenleben zuerkannt wird.

Ein Mensch wird als Person behandelt, wenn andere:

  • ihn wahrnehmen
  • ihn ansprechen
  • seine Reaktionen beachten
  • seine Geschichte respektieren
  • ihn an Entscheidungen beteiligen
  • seine Gefühle ernst nehmen
  • seine Grenzen schützen
  • ihm Fähigkeiten zutrauen
  • ihn nicht auf seine Diagnose reduzieren

Kitwoods relationale Definition löste auch Kritik aus: Bleibt ein Mensch nur dann eine Person, wenn andere ihm diesen Status zugestehen?

Ethisch muss die Antwort lauten: nein.

Die Würde eines Menschen hängt nicht davon ab, ob andere sie anerkennen. Sie besteht auch dann, wenn die Umgebung versagt.

Kitwoods Stärke liegt jedoch in der praktischen Beobachtung:

Personsein kann in Beziehungen gestärkt – oder im Alltag fortlaufend verletzt werden.

Der moralische Wert des Menschen bleibt bestehen. Aber sein erlebtes Personsein kann durch die soziale Umgebung gefördert oder untergraben werden.

Die fünf psychologischen Bedürfnisse

Kitwood beschrieb fünf eng miteinander verbundene psychologische Bedürfnisse. In vielen Darstellungen steht Liebe als verbindendes Zentrum.

1. Trost

Trost bedeutet mehr als Beruhigung.

Ein Mensch braucht Sicherheit, Wärme und die Erfahrung:

„Ich bin mit meiner Angst, meinem Schmerz oder meiner Verwirrung nicht allein.“

Trost kann entstehen durch:

  • ruhige Anwesenheit
  • eine vertraute Stimme
  • eine Hand, sofern Berührung gewünscht ist
  • bekannte Musik
  • ein vertrautes Ritual
  • langsame, klare Kommunikation
  • Schutz vor Überforderung

2. Bindung

Menschen benötigen verlässliche Beziehungen.

Bei Demenz kann die Fähigkeit, eine Person eindeutig zu erkennen, abnehmen. Das Gefühl von Vertrautheit und Sicherheit kann dennoch fortbestehen.

Ein Mensch weiss vielleicht nicht mehr, wie die Pflegefachperson heisst. Aber er kann spüren:

„Bei diesem Menschen bin ich sicher.“

Häufig wechselndes Personal, unvorhersehbare Abläufe und ständig neue Bezugspersonen können diese Sicherheit erschweren.

3. Einbeziehung

Menschen möchten dazugehören.

Ein Bewohner, der schweigend am Rand einer Gruppe sitzt, ist nicht automatisch beteiligt. Einbeziehung bedeutet, dass seine Anwesenheit bemerkt und seine mögliche Beteiligung unterstützt wird.

Das kann heissen:

  • ihn mit Namen ansprechen
  • Blickkontakt aufnehmen
  • ihm Zeit für eine Reaktion geben
  • ihn in Gespräche einbeziehen
  • nicht über ihn hinwegreden
  • Tätigkeiten an seine Fähigkeiten anpassen

4. Beschäftigung

Kitwood meinte damit nicht bloss Aktivierung oder Unterhaltung.

Beschäftigung bedeutet, an einer für die Person bedeutsamen Tätigkeit beteiligt zu sein.

Eine standardisierte Bastelstunde ist nicht automatisch personzentriert. Für jemanden, der nie gerne gebastelt hat, kann sie bedeutungslos oder sogar entwürdigend sein.

Bedeutsame Beschäftigung kann sein:

  • Gemüse rüsten
  • Handtücher falten
  • Pflanzen giessen
  • Musik hören
  • beten
  • Werkzeug sortieren
  • einen Tisch decken
  • Tiere beobachten
  • mit einem Kind sprechen
  • einfach am Alltag teilhaben

Entscheidend ist nicht die Aktivität an sich, sondern ihre Bedeutung für den Menschen.

5. Identität

Menschen brauchen die Erfahrung, jemand Bestimmtes zu sein.

Identität wird getragen durch:

  • Name
  • Biografie
  • soziale Rollen
  • Beziehungen
  • Werte
  • Beruf
  • Kultur
  • Religion
  • Sprache
  • Gewohnheiten
  • persönliche Gegenstände
  • Erinnerungen anderer Menschen

Wenn eine Person selbst Teile ihrer Geschichte nicht mehr erzählen kann, tragen andere Mitverantwortung dafür, diese Identität nicht auszulöschen.

Die Pflegefachperson kann sagen:

„Sie waren Schreiner und haben viele Möbel selbst gebaut.“

Damit vermittelt sie nicht nur eine Information. Sie gibt dem Menschen ein Stück seiner sozialen Identität zurück.

Liebe als verbindendes Zentrum

In Kitwoods Modell werden die psychologischen Bedürfnisse häufig als Blütenblätter dargestellt, die sich um das Zentrum der Liebe gruppieren.

Damit ist nicht romantische Liebe gemeint.

Gemeint ist eine Haltung, in der der Mensch nicht als Aufgabe, Störung oder Pflegeobjekt betrachtet wird, sondern als jemand, dessen Wohlergehen Bedeutung besitzt.

In professioneller Pflege muss Liebe nicht als privates Gefühl verstanden werden. Sie kann sich ausdrücken als:

  • Achtung
  • Interesse
  • Geduld
  • Zugewandtheit
  • Verlässlichkeit
  • Schutz
  • Mitgefühl
  • Respekt vor Grenzen
  • Bereitschaft, den Menschen wirklich wahrzunehmen

Maligne Sozialpsychologie

Einer der stärksten und zugleich provokativsten Begriffe Kitwoods ist die maligne Sozialpsychologie.

„Maligne“ bedeutet bösartig oder schädigend. Kitwood bezeichnete damit alltägliche Interaktionsformen, welche das Personsein eines Menschen untergraben.

Das Wort bedeutet nicht, dass Pflegende absichtlich böse handeln.

Viele dieser Verhaltensweisen entstehen durch:

  • Zeitdruck
  • Überforderung
  • Personalmangel
  • schlechte Vorbilder
  • mangelnde Schulung
  • Angst vor Risiken
  • institutionelle Routinen
  • fehlende Reflexion
  • eine Kultur, die Aufgaben höher bewertet als Beziehungen

Gerade deshalb ist der Begriff unbequem: Auch gutmeinende Menschen können in einem belastenden System entpersonalisierend handeln.

Zu Kitwoods beschriebenen Formen gehören – je nach Übersetzung – unter anderem:

Täuschung

Ein Mensch wird bewusst manipuliert, damit er etwas tut, ohne die Situation nachvollziehen zu können.

Entmächtigung

Die Person darf Fähigkeiten und Entscheidungen nicht mehr selbst ausüben, obwohl sie dazu noch teilweise in der Lage wäre.

Infantilisierung

Ein erwachsener Mensch wird wie ein Kind behandelt:

„So, jetzt sind wir aber ein braves Mädchen und essen schön auf.“

Einschüchterung

Druck, Drohung, körperliche Dominanz oder ein scharfer Ton sollen Gehorsam erzwingen.

Etikettierung

Der Mensch wird auf eine Kategorie reduziert:

  • „die Demente“
  • „der Wegläufer“
  • „die Aggressive“
  • „der Schreier“
Stigmatisierung

Die Person wird aufgrund ihrer Diagnose als minderwertig, unberechenbar oder nicht mehr ernst zu nehmen behandelt.

Überholen

Handlungen, Fragen oder Bewegungen werden so schnell ausgeführt, dass der Mensch keine Chance hat, mitzuhalten.

Invalidierung

Gefühle und Wahrnehmungen werden bestritten:

„Sie haben doch keinen Grund, traurig zu sein.“

Verbannung

Die Person wird aus der Gemeinschaft ausgeschlossen oder isoliert, weil ihr Verhalten stört.

Objektifizierung

Der Körper wird behandelt, als gehöre er nicht zu einem empfindenden Menschen.

Ignorieren

Es wird über die Person hinweg gesprochen oder gehandelt, als wäre sie nicht anwesend.

Aufzwingen

Abläufe, Tätigkeiten oder Entscheidungen werden ohne echte Beteiligung durchgesetzt.

Vorenthalten

Information, Zuwendung, Wahlmöglichkeiten oder benötigte Unterstützung werden nicht gegeben.

Beschuldigung

Dem Menschen wird Fehlverhalten moralisch zugerechnet, obwohl seine Möglichkeiten durch die Erkrankung eingeschränkt sind.

Unterbrechung

Handlungen, Gedanken oder Gespräche werden ohne Not gestört und nicht wieder aufgenommen.

Verspotten

Äusserungen oder Verhaltensweisen werden lächerlich gemacht.

Herabwürdigung

Der Mensch wird durch Worte, Gesten oder Tonfall erniedrigt.

Diese Formen wirken nicht nur einzeln. Sie können sich im Alltag summieren.

Ein Mensch wird morgens ohne Begrüssung geweckt, schnell ausgezogen, gegen seinen Widerstand gewaschen, beim Frühstück übergangen und später wegen seiner Unruhe medikamentös beruhigt.

Jede einzelne Handlung mag im Arbeitsablauf erklärbar erscheinen.

Zusammen ergeben sie möglicherweise eine Welt, in der der Mensch kaum noch Einfluss, Orientierung, Würde und Beziehung erlebt.

Widerstand als Kommunikation

Kitwoods Ansatz verändert den Blick auf sogenanntes herausforderndes Verhalten.

Statt zu fragen:

„Wie bringen wir die Bewohnerin dazu, mitzumachen?“

fragen wir:

„Was könnte sie mit ihrem Verhalten mitteilen?“

Widerstand kann bedeuten:

  • Ich verstehe nicht, was geschieht.
  • Ich erkenne Sie nicht.
  • Sie kommen mir zu nahe.
  • Ich habe Schmerzen.
  • Ich schäme mich.
  • Ich brauche mehr Zeit.
  • Ich will selbst entscheiden.
  • Diese Handlung passt nicht zu meiner Lebensweise.
  • Ich fühle mich bedroht.
  • Ich möchte nicht berührt werden.
  • Ich habe Angst, aber finde die Worte nicht.

Nicht jeder Widerstand lässt sich vollständig entschlüsseln. Doch allein die Annahme, dass Verhalten Bedeutung besitzen könnte, verändert die professionelle Haltung.

Positive Personarbeit

Kitwood beschrieb der malignen Sozialpsychologie positive Formen der Begegnung gegenüber. In verschiedenen Fassungen und Übersetzungen werden unter anderem folgende Formen genannt:

Anerkennen

Der Mensch wird bewusst wahrgenommen und als eigenständige Person angesprochen.

„Guten Morgen, Frau Keller. Ich bin Anna. Darf ich mich zu Ihnen setzen?“

Verhandeln

Die Person wird an Entscheidungen beteiligt.

„Möchten Sie zuerst frühstücken oder sich zuerst waschen?“

Zusammenarbeiten

Eine Handlung wird nicht an der Person, sondern mit ihr durchgeführt.

„Sie waschen Ihr Gesicht selbst. Ich helfe Ihnen anschliessend beim Rücken.“

Unterstützen und ermöglichen

Die Umgebung wird so angepasst, dass vorhandene Fähigkeiten genutzt werden können.

Validieren

Gefühle und subjektive Erfahrungen werden anerkannt.

„Sie vermissen Ihr Zuhause. Dort haben Sie sich sicher gefühlt.“

Halten

Der Mensch wird emotional getragen, wenn er Angst, Trauer oder Desorientierung nicht allein bewältigen kann.

Schöpferisch sein

Es entsteht Raum für Ausdruck, Musik, Bewegung, Gestaltung und spontane Begegnung.

Spielen

Humor und spielerische Interaktion dürfen entstehen, sofern sie nicht auf Kosten des Menschen gehen.

Geben

Der Mensch mit Demenz wird nicht nur als Empfänger von Hilfe gesehen. Auch er kann Zuneigung, Unterstützung, Humor, Wissen oder Aufmerksamkeit geben.

Feiern

Freude, Erfolge, Rituale und bedeutsame Momente werden geteilt.

Entspannen

Nicht jede Minute muss therapeutisch genutzt oder mit Aktivität gefüllt werden. Gemeinsame Ruhe kann Beziehung sein.

Die genaue Zahl und Übersetzung dieser Formen variiert in der Literatur. Entscheidend ist ihr gemeinsamer Kern:

Gute Pflege stärkt das Personsein, statt es weiter zu verkleinern.

Dementia Care Mapping

Gemeinsam mit Kathleen Bredin und der Bradford Dementia Group entwickelte Kitwood das Dementia Care Mapping, kurz DCM.

Es sollte die Pflege aus der Perspektive der Menschen mit Demenz beobachtbar machen.

Geschulte Beobachtende erfassen über einen längeren Zeitraum unter anderem:

  • womit sich die Person beschäftigt
  • wie beteiligt sie ist
  • wie sich ihr Wohlbefinden oder Unwohlsein zeigt
  • welche Interaktionen stattfinden
  • welche Begegnungen das Personsein stärken
  • welche Begegnungen es untergraben

Das Ziel ist nicht, einzelne Mitarbeitende heimlich zu kontrollieren.

Idealerweise dient DCM als Kreislauf der Praxisentwicklung:

  1. Beobachten
  2. Rückmelden
  3. Gemeinsam verstehen
  4. Massnahmen planen
  5. Pflege verändern
  6. Erneut beobachten

Die Methode versucht damit, eine schwer zugängliche Perspektive sichtbar zu machen:

Wie könnte der Alltag aus der Sicht der Person mit Demenz erlebt werden?

DCM wurde international verbreitet und in Pflegeeinrichtungen eingesetzt. Die Umsetzung ist jedoch anspruchsvoll. Sie benötigt geschulte Beobachtende, Zeit, Rückmeldung, Führung und die Bereitschaft des Teams, tatsächlich Veränderungen vorzunehmen. Ein aktueller Literaturüberblick beschreibt DCM deshalb weniger als isoliertes Messinstrument denn als komplexe Intervention zur Praxisentwicklung. Übersicht zu Dementia Care Mapping⁠

Was sagt die Forschung?

Personzentrierte Demenzpflege ist heute in vielen Leitlinien und Versorgungskonzepten verankert. Die britische NICE-Leitlinie stellt die Person mit ihren Bedürfnissen, Rechten und Präferenzen ins Zentrum und betont die Einbeziehung von Angehörigen und Betreuungspersonen. NICE: Person-centred care⁠

Systematische Übersichten zeigen insgesamt positive, aber nicht einheitliche Ergebnisse.

Personzentrierte Interventionen können unter geeigneten Bedingungen:

  • Agitation vermindern
  • neuropsychiatrische Symptome reduzieren
  • depressive Symptome beeinflussen
  • Lebensqualität verbessern
  • den Einsatz von Psychopharmaka verringern
  • die Beziehung zwischen Personal und Bewohnern verbessern

Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse fand positive Effekte insbesondere auf Agitation, neuropsychiatrische Symptome und Depression. Die Wirkungen hingen jedoch von Dauer, Intensität, Schulung und Umsetzung der Interventionen ab. Metaanalyse zur personzentrierten Demenzpflege⁠

Das ist ein wichtiger Punkt:

Personzentrierung wirkt nicht allein dadurch, dass eine Institution das Wort in ihr Leitbild schreibt.

Eine einmalige Schulung verändert keine Pflegekultur, wenn:

  • Personal ständig wechselt
  • Zeit systematisch fehlt
  • Führung nur auf Abläufe und Kennzahlen achtet
  • biografisches Wissen nicht zugänglich ist
  • Risiken jede Selbstbestimmung verdrängen
  • Mitarbeitende selbst keine Wertschätzung erfahren
  • reflexive Fallbesprechungen fehlen
  • Beziehungspflege nicht als Arbeit anerkannt wird

Die wissenschaftlichen Grenzen

Kitwoods Modell ist ausserordentlich einflussreich, aber nicht in jeder Hinsicht empirisch beweisbar.

Ein normatives Modell

Personsein und Würde sind nicht nur messbare Variablen. Sie enthalten ethische und philosophische Aussagen darüber, wie Menschen behandelt werden sollen.

Das ist keine Schwäche, muss aber benannt werden.

Schwierige Ursachenzuordnung

Wenn ein Mensch unruhig wird, lässt sich nicht immer eindeutig feststellen, welcher Anteil auf neurologische Veränderungen, körperliche Beschwerden, Biografie, Umgebung oder Interaktion zurückzuführen ist.

Die Faktoren wirken gleichzeitig und beeinflussen sich gegenseitig.

Gefahr der Schuldzuweisung an Pflegende

Der Begriff der malignen Sozialpsychologie kann so verstanden werden, als verursachten Pflegende das Leiden von Menschen mit Demenz.

Das wäre verkürzt und unfair.

Pflegende handeln innerhalb von Systemen. Wer Beziehungspflege fordert, muss auch die Voraussetzungen schaffen:

  • ausreichende Personalausstattung
  • Kontinuität
  • Ausbildung
  • Supervision
  • angemessene Räume
  • genügend Zeit
  • unterstützende Führung
  • interprofessionelle Zusammenarbeit

Personzentrierung kann zur Leerformel werden

Fast jede Institution bezeichnet sich heute als personzentriert. Der Begriff verliert seinen Wert, wenn er nicht im Alltag überprüfbar wird.

Die entscheidende Frage lautet nicht:

„Steht Personzentrierung in unserem Leitbild?“

Sondern:

„Woran würde ein Bewohner heute konkret merken, dass er als Person zählt?“

Nicht jede Belastung ist kommunikativ lösbar

Eine schwere Demenz kann mit ausgeprägten neuropsychiatrischen Symptomen, Schlafstörungen, Wahrnehmungsveränderungen, Impulsdurchbrüchen oder neurologisch bedingten Verhaltensänderungen verbunden sein.

Eine wertschätzende Beziehung bleibt notwendig, aber sie ersetzt nicht:

  • medizinische Diagnostik
  • Schmerzbehandlung
  • Delirabklärung
  • Anpassung der Medikation
  • psychiatrische oder neurologische Beurteilung
  • Schutzmassnahmen bei akuter Gefährdung
  • Entlastung der Angehörigen
  • spezialisierte Pflege

Personzentrierung bedeutet nicht, alles psychologisch zu erklären.

Kitwood, Rogers und Feil

Kitwoods Arbeit steht mehreren verwandten Ansätzen nahe.

Carl Rogers

–> Carl Rogers – Verstehen

Rogers beschrieb Empathie, bedingungsfreie Wertschätzung und Kongruenz als Bedingungen hilfreicher Beziehungen.

Kitwood übertrug eine verwandte Haltung auf die Demenzpflege und ergänzte sie durch Biografie, soziale Umgebung, Pflegekultur und Personsein.

Rogers fragt:

„Welche Beziehung ermöglicht persönliche Entwicklung?“

Kitwood fragt:

„Welche Beziehung erhält und stärkt das Personsein unter den Bedingungen einer Demenz?“

Naomi Feil

–> Validation in der Pflegekommunikation – Gefühle anerkennen

Feils Validation anerkennt die subjektive Wirklichkeit des desorientierten Menschen.

Kitwood teilt diese Anerkennung, entwickelt aber ein breiteres Pflege- und Kulturmodell. Validation ist bei ihm eine Form positiver Personarbeit, aber nicht das gesamte Konzept.

Martin Buber

Kitwoods Denken wurde auch durch Martin Bubers Unterscheidung zwischen Ich–Du und Ich–Es beeinflusst.

In einer Ich–Es-Beziehung wird der andere zum Objekt:

die Demenz

der Pflegefall

die Wegläuferin

das Zimmer 12

In einer Ich–Du-Beziehung begegnet mir ein Mensch, der nicht vollständig durch Kategorien erfasst werden kann.

Diese Unterscheidung trifft den Kern personzentrierter Pflege.

Was bedeutet Kitwood für den Stationsalltag?

Personzentrierung beginnt nicht erst bei einem langen Biografiegespräch. Sie zeigt sich in kleinen Handlungen.

Vor dem Betreten des Zimmers

  • anklopfen
  • auf eine Reaktion warten
  • sich vorstellen
  • erklären, weshalb man kommt

Während der Pflege

  • den Menschen direkt ansprechen
  • Blickkontakt suchen, ohne ihn zu erzwingen
  • eine Handlung ankündigen
  • ausreichend Zeit für Reaktionen geben
  • vorhandene Fähigkeiten nutzen
  • Zustimmung beobachten
  • Widerstand nicht automatisch brechen
  • Intimität und Scham schützen

Bei wiederholten Fragen

Nicht nur antworten:

„Das habe ich Ihnen schon dreimal gesagt.“

Sondern fragen:

„Welche Unsicherheit kehrt mit dieser Frage immer wieder zurück?“

Bei Unruhe

Nicht nur dokumentieren:

„Bewohnerin läuft ziellos umher.“

Sondern beobachten:

  • Wann beginnt die Unruhe?
  • Wohin geht sie?
  • Was geschieht davor?
  • Was beruhigt sie?
  • Sucht sie jemanden?
  • Gibt es eine frühere Tagesstruktur?
  • Welche körperlichen Ursachen sind möglich?

Im Rapport

Nicht sagen:

„Frau Keller war wieder schwierig.“

Sondern:

„Frau Keller wehrte die Körperpflege ab, als zwei Personen gleichzeitig auf sie einredeten. Als nur eine Pflegeperson ruhig erklärte und ihr den Waschlappen gab, übernahm sie Gesicht und Oberkörper selbst.“

Die zweite Form beschreibt Verhalten, Kontext, mögliche Auslöser und hilfreiche Interventionen. Sie schützt die Person vor einer dauerhaften Etikettierung.

Was bedeutet Kitwood für Angehörige?

Angehörige erleben oft, dass der vertraute Mensch sich verändert. Das kann Trauer, Wut, Schuld, Überforderung und Hilflosigkeit auslösen.

Der Satz „Der Mensch ist noch da“ darf diese Trauer nicht romantisieren.

Manches geht tatsächlich verloren:

  • gemeinsame Erinnerungen
  • vertraute Gesprächsformen
  • Rollen
  • Fähigkeiten
  • Zukunftsvorstellungen
  • gegenseitige Verlässlichkeit

Personzentrierung verlangt nicht, diesen Verlust zu leugnen.

Sie lädt dazu ein, gleichzeitig nach dem zu suchen, was noch erreichbar ist:

  • eine vertraute Stimme
  • Berührung
  • Musik
  • Humor
  • Rituale
  • Gerüche
  • ein gemeinsamer Blick
  • eine kurze emotionale Verbindung
  • das Gefühl von Sicherheit

Ein Mensch kann den Namen seines Partners vergessen und dennoch auf dessen Nähe reagieren.

Er kann ein gemeinsames Erlebnis nicht mehr erzählen und trotzdem die damit verbundene Emotion spüren.

Beziehung verändert sich. Sie endet nicht automatisch mit dem Verlust des biografischen Gedächtnisses.

Was bedeutet Kitwood für Führung?

Personzentrierte Pflege kann nicht allein an einzelne Mitarbeitende delegiert werden.

Führung muss Bedingungen schaffen, unter denen sie möglich ist.

Dazu gehören:

  • stabile Bezugspersonen
  • ausreichend Zeit für Beziehung
  • zugängliche Biografieinformationen
  • Fallbesprechungen
  • Schulung in Demenz und Kommunikation
  • medizinische Abklärung bei Verhaltensänderungen
  • eine Kultur ohne Beschämung
  • Unterstützung nach belastenden Situationen
  • Beteiligung von Angehörigen
  • Räume, die Orientierung ermöglichen
  • die kritische Prüfung unnötiger Regeln

Eine Station kann nicht glaubwürdig personzentriert arbeiten, wenn Mitarbeitende selbst nur als austauschbare Funktionsträger behandelt werden.

Hier entsteht eine wichtige Parallele:

Wer Personsein schützen soll, braucht selbst eine Arbeitskultur, in der er als Person wahrgenommen wird.

Personzentrierung und Multiversität

Kitwoods Ansatz berührt auch die Multiversität.

Menschen mit Demenz unterscheiden sich nicht nur in ihrer Diagnose. Sie bringen mit:

  • unterschiedliche Sprachen
  • Kulturen
  • Religionen
  • Familienbilder
  • Geschlechtsidentitäten
  • Berufe
  • Bildungsgeschichten
  • soziale Rollen
  • Erfahrungen von Krieg, Migration oder Ausgrenzung
  • individuelle Vorstellungen von Nähe, Scham und Autonomie

Eine standardisierte Pflege kann diese Verschiedenheit leicht übersehen.

Multiversität bedeutet hier nicht nur, Unterschiede zu respektieren. Sie bedeutet, diese Unterschiede in die gemeinsame Gestaltung der Pflege einzubeziehen.

Ein Mensch darf auch mit Demenz kulturell, religiös und biografisch verschieden bleiben.

Personzentrierung fragt: Wer ist dieser Mensch?

Multiversität fragt zusätzlich: Wie kann seine Verschiedenheit unsere gemeinsame Wirklichkeit mitgestalten?

Eine praktische Prüffrage

Vor jeder Intervention könnte die Pflegefachperson innerlich fragen:

Wenn dieser Mensch sich vollständig ausdrücken könnte – wie würde er wahrscheinlich erleben, was wir gerade mit ihm tun?

Diese Frage liefert keine sichere Antwort.

Aber sie unterbricht den Automatismus.

Sie erinnert daran, dass hinter jeder Pflegemassnahme ein Mensch steht, der etwas erleben, empfinden und möglicherweise ablehnen kann.

Fazit

Tom Kitwood hat die Demenzpflege nicht dadurch verändert, dass er die Krankheit verharmloste.

Er veränderte sie, indem er den Menschen wieder sichtbar machte.

Sein Modell erinnert uns:

  • Verhalten hat häufig Bedeutung.
  • Beziehungen beeinflussen Wohlbefinden.
  • Biografie bleibt wichtig.
  • Fähigkeiten dürfen nicht vorschnell abgesprochen werden.
  • körperliche Ursachen müssen sorgfältig geprüft werden.
  • die soziale Umgebung kann Sicherheit oder Bedrohung erzeugen.
  • Personsein kann im Alltag gestärkt oder verletzt werden.
  • Würde endet nicht mit dem Verlust kognitiver Fähigkeiten.

Die vielleicht wichtigste Veränderung liegt in der Sprache.

Nicht:

„Die Demente in Zimmer zwölf muss noch gewaschen werden.“

Sondern:

„Frau Keller braucht heute Unterstützung bei der Körperpflege. Sie fühlt sich sicherer, wenn wir langsam vorgehen und sie möglichst viel selbst übernehmen kann.“

Beide Sätze können dieselbe Aufgabe beschreiben.

Aber nur einer sieht den Menschen.

Der Mensch verschwindet nicht hinter der Demenz. Er verschwindet dort, wo wir aufhören, ihm als Menschen zu begegnen.
-Christoph J. Zingg

Lies auch unter:

Literatur und weiterführende Quellen

Kitwood, T. (1997). Dementia Reconsidered: The Person Comes First. Open University Press.

Kitwood, T., & Bredin, K. (1992). Towards a Theory of Dementia Care: Personhood and Well-being. Ageing and Society, 12(3), 269–287.

Brooker, D. (2007). Person-Centred Dementia Care: Making Services Better. Jessica Kingsley Publishers.

Dewing, J. (2008). Personhood and dementia: Revisiting Tom Kitwood’s ideas. International Journal of Older People Nursing, 3(1), 3–13.

Kim, S. K., & Park, M. (2017). Effectiveness of person-centered care on people with dementia: A systematic review and meta-analysis. Clinical Interventions in Aging, 12, 381–397. Volltext⁠

National Institute for Health and Care Excellence. Dementia: Assessment, management and support for people living with dementia and their carers. NICE-Leitlinie⁠

Quasdorf, T., Riesner, C., Dichter, M. N., Dortmann, O., Bartholomeyczik, S., & Halek, M. Dementia Care Mapping und die Entwicklung personzentrierter Pflegepraxis.

Surr, C. A., et al. Forschung zu Dementia Care Mapping und personzentrierter Praxisentwicklung.


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