{"id":3585,"date":"2026-09-24T08:54:00","date_gmt":"2026-09-24T06:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/?p=3585"},"modified":"2026-09-22T18:00:40","modified_gmt":"2026-09-22T16:00:40","slug":"krieg-ist-kein-zustand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/krieg-ist-kein-zustand\/","title":{"rendered":"Krieg ist kein Zustand"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Der Krieg gegen die Ukraine und die schwierige Suche nach Frieden<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Historische Ursachen politische Deutungen menschliches Leid und realistische Wege zu Verhandlungen<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7f719d3f-7a78-45f1-bc31-07fe8213ba3d.png?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" data-attachment-id=\"3587\" data-permalink=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/7f719d3f-7a78-45f1-bc31-07fe8213ba3d\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7f719d3f-7a78-45f1-bc31-07fe8213ba3d.png?fit=1672%2C941&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1672,941\" data-comments-opened=\"1\" data-image-title=\"7f719d3f-7a78-45f1-bc31-07fe8213ba3d\" data-image-description=\"&lt;p&gt;Historische Ursachen politische Deutungen menschliches Leid und realistische Wege zu Verhandlungen&lt;\/p&gt;\n\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Historische Ursachen politische Deutungen menschliches Leid und realistische Wege zu Verhandlungen&lt;\/p&gt;\n\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7f719d3f-7a78-45f1-bc31-07fe8213ba3d.png?fit=1024%2C576&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7f719d3f-7a78-45f1-bc31-07fe8213ba3d.png?resize=1024%2C576&#038;ssl=1\" alt=\"7f719d3f-7a78-45f1-bc31-07fe8213ba3d\" class=\"wp-image-3587\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7f719d3f-7a78-45f1-bc31-07fe8213ba3d.png?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7f719d3f-7a78-45f1-bc31-07fe8213ba3d.png?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7f719d3f-7a78-45f1-bc31-07fe8213ba3d.png?resize=768%2C432&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7f719d3f-7a78-45f1-bc31-07fe8213ba3d.png?resize=1536%2C864&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7f719d3f-7a78-45f1-bc31-07fe8213ba3d.png?w=1672&amp;ssl=1 1672w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein pers\u00f6nlicher und wissenschaftlich eingeordneter Bericht<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">von <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/ueber-den-autor-christoph-j-zingg\/\" data-type=\"post\" data-id=\"2795\">Christoph J. Zingg <\/a>(Autor)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Eine Reise vor dem Krieg<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Bericht beginnt nicht mit einer Landkarte und nicht mit einer milit\u00e4rischen Lagekarte, sondern mit einer Reise. Im September 2021 fuhr ich in die Ukraine. An der Grenze freuten sich die Grenzbeamten erkennbar \u00fcber uns Schweizer. Wir wurden herzlich willkommen geheissen, und bei den Formalit\u00e4ten half man uns mit einer Freundlichkeit, die in Erinnerung bleibt. In Odessa begegneten uns viele Menschen ebenso offen. Gleichzeitig war die Atmosph\u00e4re gespannt. Unz\u00e4hlige Ukrainerinnen und Ukrainer sagten, sie rechneten mit einem Krieg. Einige wollten meine Kontaktdaten; manche schrieben mir nach dem russischen Grossangriff. Das sch\u00f6ne Hotel im nostalgischen Stil, in dem wir gewohnt hatten, wurde sp\u00e4ter bombardiert und nach meinem Kenntnisstand zerst\u00f6rt oder schwer besch\u00e4digt. Aus einer Reiseerinnerung wurde eine Verbindung zu Menschen, deren Alltag der Krieg vernichtete.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/4a51829d-88c5-429b-b95b-9f62b315764e.png?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1290\" height=\"968\" data-attachment-id=\"3586\" data-permalink=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/4a51829d-88c5-429b-b95b-9f62b315764e\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/4a51829d-88c5-429b-b95b-9f62b315764e.png?fit=1536%2C1152&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1536,1152\" data-comments-opened=\"1\" data-image-title=\"4a51829d-88c5-429b-b95b-9f62b315764e\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/4a51829d-88c5-429b-b95b-9f62b315764e.png?fit=1024%2C768&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/4a51829d-88c5-429b-b95b-9f62b315764e.png?resize=1290%2C968&#038;ssl=1\" alt=\"4a51829d-88c5-429b-b95b-9f62b315764e\" class=\"wp-image-3586\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/4a51829d-88c5-429b-b95b-9f62b315764e.png?w=1536&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/4a51829d-88c5-429b-b95b-9f62b315764e.png?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/4a51829d-88c5-429b-b95b-9f62b315764e.png?resize=1024%2C768&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/4a51829d-88c5-429b-b95b-9f62b315764e.png?resize=768%2C576&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1290px) 100vw, 1290px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Reiseerinnerung aus der Ukraine im September 2021. Privataufnahme. Das aufgeschlagene Album steht f\u00fcr eine Normalit\u00e4t, die wenige Monate sp\u00e4ter zerbrach.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man zeigte uns den Blick in Richtung Krim. In den Gespr\u00e4chen fielen sehr harte Worte \u00fcber Russen: brutal, barbarisch, verfolgend, vergewaltigend, folternd und mordend. Diese S\u00e4tze waren keine n\u00fcchterne sozialwissenschaftliche Stichprobe. Sie waren Zeugnisse einer bereits seit 2014 verletzten und ver\u00e4ngstigten Gesellschaft. Als pers\u00f6nliche Erfahrung besitzen sie Wahrheit, aber nicht die statistische Repr\u00e4sentativit\u00e4t, f\u00fcr alle Ukrainerinnen und Ukrainer zu sprechen. Ebenso wenig darf aus den dokumentierten Verbrechen russischer Staatsorgane und Milit\u00e4reinheiten eine Wesensaussage \u00fcber \u201edie Russen\u201c werden. Kollektive Entmenschlichung ist selbst ein Rohstoff des Krieges. Verantwortlich sind konkrete Entscheider, Institutionen, Befehlshaber und T\u00e4ter; nicht eine Ethnie als solche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Haltung ist nicht neutral gegen\u00fcber dem Leid, aber sie ist pazifistisch in ihrem Ziel. Sie ist auch durch meinen Einsatz mit den Vereinten Nationen in Namibia gepr\u00e4gt. Ich sehe keinen Gewinn im Krieg. \u201eKrieg ist kein Zustand\u201c bedeutet f\u00fcr mich, dass organisierte Gewalt keine tragf\u00e4hige politische Ordnung und keinen normalen Dauerzustand bilden darf. Verhandlungen sind grunds\u00e4tzlich besser als fortgesetztes T\u00f6ten. Zugleich w\u00e4re es moralisch zu einfach, vom Angegriffenen Wehrlosigkeit zu verlangen und diese dann Frieden zu nennen. Pazifismus muss deshalb zwei Wahrheiten gleichzeitig aushalten: Waffen schaffen keinen gerechten politischen Zustand; ein ungesch\u00fctzter Waffenstillstand kann aber bloss die Vorbereitung des n\u00e4chsten Angriffs sein. Verhandlungen sind nur dann eine wirkliche Alternative zum Milit\u00e4r, wenn sie Sicherheit, W\u00fcrde und politische Selbstbestimmung nicht lediglich aufschieben oder preisgeben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Methode und zentrale These<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bericht verbindet pers\u00f6nliche Erinnerung mit historischer Forschung, Dokumenten internationaler Organisationen, Wahlbeobachtung, v\u00f6lkerrechtlichen Entscheidungen, Menschenrechtsberichten und Meinungsumfragen. Bei umstrittenen Behauptungen wird zwischen Tatsachen, plausiblen Deutungen und Propaganda unterschieden. Zahlen aus Kriegsgebieten sind stets Mindestzahlen oder Sch\u00e4tzungen. Umfragen in autorit\u00e4ren Staaten messen eher \u00f6ffentlich \u00e4usserbare Haltungen als die intimsten \u00dcberzeugungen. Aussagen von Kriegsparteien werden als politische Quellen behandelt, nicht als neutrale Tatsachenberichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zentrale These lautet: Der Krieg besitzt eine lange Vorgeschichte und mehrere Ursachen, aber keine verteilte Urheberschaft am Grossangriff vom 24. Februar 2022. Die postsowjetische Unordnung, die Erweiterung der NATO, westliche Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung, russische Sicherheits\u00e4ngste, ukrainische innere Konflikte, das Scheitern der Minsker Vereinbarungen und die Einmischung verschiedener M\u00e4chte erkl\u00e4ren, wie ein gef\u00e4hrliches Umfeld entstand. Die Entscheidung, einen souver\u00e4nen Nachbarstaat mit einer gross angelegten Invasion anzugreifen, traf jedoch die russische F\u00fchrung. Ursachen zu erkl\u00e4ren heisst nicht, diese Entscheidung zu rechtfertigen. Wer diese Ebenen vermischt, macht entweder aus Geschichte eine Anklageschrift gegen den Westen oder aus dem russischen Angriff ein Ereignis ohne Vorgeschichte. Beides ist wissenschaftlich unzureichend.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Eine verflochtene Geschichte ohne gemeinsames Schicksal<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Russland und die Ukraine teilen historische R\u00e4ume, Dynastien, Religionen, Sprachen, Familien und Erinnerungen. Daraus folgt jedoch kein Eigentumsrecht des einen Staates am anderen. Die mittelalterliche Rus war keine moderne russische Nation, die sp\u00e4ter versehentlich auseinanderfiel. Kiew bestand als politisches Zentrum lange vor der Entstehung Moskaus; zugleich k\u00f6nnen sich Russen, Ukrainer und Belarussen auf Teile dieses Erbes beziehen. Moderne Nationen entstehen nicht durch eine einzige uralte Abstammungslinie, sondern durch Institutionen, Sprache, Erinnerung, Konflikt, politische Entscheidung und soziale Erfahrung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gebiete der heutigen Ukraine geh\u00f6rten zu unterschiedlichen Reichen und Staaten, darunter dem polnisch-litauischen Gemeinwesen, dem Habsburgerreich und dem Russischen Reich. Im 19. Jahrhundert unterdr\u00fcckte das Zarenreich zeitweise die ukrainische Sprache und behandelte ukrainische Eigenst\u00e4ndigkeit als Gefahr. Nach 1917 existierten mehrere kurzlebige ukrainische Staatsprojekte, bevor die Bolschewiki die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik durchsetzten. Die fr\u00fche sowjetische Ukrainisierung wurde unter Stalin umgekehrt. Der Holodomor von 1932 und 1933, politische S\u00e4uberungen, Deportationen, der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegsrussifizierung pr\u00e4gten das historische Ged\u00e4chtnis tief. \u00dcber die juristische Einordnung des Holodomor als Genozid wird international unterschiedlich entschieden; unstrittig sind die Millionen Toten, die staatlich erzwungene Politik und das ukrainische Trauma.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Geschichte der Krim ist komplexer als die Formel eines \u201eGeschenks Chruschtschows\u201c. Das Russische Reich eroberte die Halbinsel 1783 vom Krimkhanat. Die Krimtataren, eine indigene Bev\u00f6lkerung, wurden 1944 auf Stalins Befehl kollektiv deportiert; viele starben. Erst danach wurde die Halbinsel durch Ansiedlung st\u00e4rker russisch dominiert. 1954 \u00fcbertrug die sowjetische F\u00fchrung die Krim von der Russischen an die Ukrainische Sowjetrepublik. Innerhalb eines zentralisierten Sowjetstaates schien dies damals weniger folgenreich, hatte aber wirtschaftliche und geografische Gr\u00fcnde: Wasser, Energie, Verkehrswege und Versorgung verbanden die Halbinsel eng mit dem ukrainischen Festland. Wer nur von einem pers\u00f6nlichen Geschenk spricht, l\u00f6scht die Krimtataren und diese materiellen Zusammenh\u00e4nge aus der Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Putin stellte dieser pluralen Geschichte im Juli 2021 die Behauptung entgegen, Russen und Ukrainer seien \u201eein Volk \u2013 ein einziges Ganzes\u201c (Putin 2021). Am 21. Februar 2022 sagte er, die moderne Ukraine sei \u201eganz und gar von Russland geschaffen\u201c worden (Putin 2022a). Solche S\u00e4tze sind nicht lediglich historische Irrt\u00fcmer. Sie bilden eine politische Ontologie: Wenn ukrainische Staatlichkeit k\u00fcnstlich und die Nation im Kern russisch ist, erscheint ukrainische Selbstbestimmung als fremde Manipulation. Damit wird Souver\u00e4nit\u00e4t von Moskaus Anerkennung abh\u00e4ngig. Gerade deshalb ist die Geschichtsdebatte ein Teil der Kriegsursache.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die staatliche Entscheidung von 1991<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die st\u00e4rkste empirische Widerlegung der These einer nur k\u00fcnstlich abgespaltenen Ukraine ist das Referendum vom 1. Dezember 1991. Bei einer Beteiligung von 84,2 Prozent stimmten 90,3 Prozent f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit. In allen Regionen gab es Mehrheiten. Selbst auf der Krim votierten 54,2 Prozent daf\u00fcr; in den russischsprachig gepr\u00e4gten Gebieten des Donbas war die Zustimmung deutlich h\u00f6her. Der Historiker Serhy Yekelchyk deutet dies als Entscheidung f\u00fcr eine staatsb\u00fcrgerliche, nicht bloss ethnische politische Gemeinschaft (Yekelchyk 2023). Diese Zustimmung machte sp\u00e4tere regionale Spannungen nicht unwirklich, aber sie widerlegt die Vorstellung, Russland habe 2014 oder 2022 bloss historisch russisches Land aus einem nie legitimierten Staat zur\u00fcckgeholt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1994 gab die Ukraine das auf ihrem Territorium verbliebene sowjetische Nukleararsenal auf. Im Budapester Memorandum bekr\u00e4ftigten Russland, die Vereinigten Staaten und das Vereinigte K\u00f6nigreich, die Unabh\u00e4ngigkeit, Souver\u00e4nit\u00e4t und bestehenden Grenzen der Ukraine zu achten und auf Gewalt sowie wirtschaftlichen Zwang zu verzichten. Das Dokument war keine automatische milit\u00e4rische Beistandsgarantie nach Art eines NATO-Vertrags. Politisch und normativ war es dennoch bedeutsam. Russlands Annexion der Krim verletzte genau jene Zusicherungen, deren Vertrauen die nukleare Abr\u00fcstung erleichtert hatte. F\u00fcr k\u00fcnftige Friedensgarantien ist dieses gebrochene Versprechen zentral: Ukrainische Skepsis gegen\u00fcber blossen Papierzusagen ist keine Starrk\u00f6pfigkeit, sondern historisch begr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die postsowjetische Ukraine blieb lange ein hybrides Gemeinwesen. Wahlen wechselten Regierungen tats\u00e4chlich aus, zugleich beherrschten Oligarchen Medien und Wirtschaft; Korruption war systemisch; regionale Identit\u00e4ten und Sprachpr\u00e4ferenzen wurden von politischen Eliten instrumentalisiert. Die Pr\u00e4sidentschaftswahl 2010 gewann Viktor Janukowytsch in einer Wahl, die internationale Beobachter im Wesentlichen anerkannten. Das ist wichtig: Er war kein von Russland eingesetzter Statthalter ohne demokratische Legitimation. Ebenso wichtig ist, dass seine sp\u00e4tere Machtkonzentration, selektive Justiz und Korruption breite Opposition hervorriefen. Die Geschichte bis 2014 ist weder die eines makellosen westlichen Demokratieprojekts noch die eines von aussen zerst\u00f6rten harmonischen Staates.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die unvollendete europ\u00e4ische Sicherheitsordnung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach 1989 entstand keine gesamteurop\u00e4ische Ordnung, in der sich Russland und seine Nachbarn dauerhaft sicher f\u00fchlten. Die NATO blieb bestehen und nahm ab 1999 Staaten Mittel- und Osteuropas auf. Aus Sicht Polens, der baltischen Staaten und anderer L\u00e4nder war dies keine amerikanische Eroberung, sondern eine selbst gew\u00e4hlte Versicherung gegen historische russische Dominanz. Aus Moskauer Sicht r\u00fcckte ein von den Vereinigten Staaten gef\u00fchrtes Milit\u00e4rb\u00fcndnis immer n\u00e4her. Beide Wahrnehmungen sind historisch verst\u00e4ndlich; sie sind nicht moralisch oder rechtlich gleichbedeutend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die oft wiederholte Aussage, der Westen habe rechtsverbindlich versprochen, die NATO \u201ekeinen Zoll\u201c nach Osten zu erweitern, ist in dieser Form falsch. Es existiert kein Vertrag, der die sp\u00e4tere Aufnahme mittel- und osteurop\u00e4ischer Staaten verbot. Ebenso falsch ist jedoch die westliche Behauptung, es habe \u00fcberhaupt keine gegenteiligen Zusicherungen gegeben. Freigegebene Akten zeigen, dass James Baker, Hans-Dietrich Genscher, Helmut Kohl und andere 1990 im Kontext der deutschen Einheit informell von einer Nichtausdehnung nach Osten sprachen. Die genaue Reichweite dieser Aussagen war nicht fixiert; der Zwei-plus-Vier-Vertrag regelte vor allem Deutschland. Joshua Shifrinson fasst die Forschung n\u00fcchtern zusammen: Kein schriftlicher Deal, aber tats\u00e4chliche informelle Nichtausdehnungszusicherungen (Shifrinson 2016; Savranskaya und Blanton 2017). Sp\u00e4tere Erweiterungen konnten deshalb in Russland als Wortbruch erlebt werden, ohne juristisch ein Vertragsbruch zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine kluge westliche Politik h\u00e4tte diesen Unterschied ernst nehmen m\u00fcssen. NATO-Erweiterung, der Kosovo-Krieg ohne Mandat des Sicherheitsrats, der Irakkrieg, Raketenabwehrpl\u00e4ne und die amerikanische Neigung, eigene Macht als universelle Ordnung darzustellen, st\u00e4rkten russische Bedrohungsnarrative. Der NATO-Gipfel von Bukarest 2008 versprach der Ukraine und Georgien eine sp\u00e4tere Mitgliedschaft, bot aber weder einen Zeitplan noch unmittelbaren Schutz. Das war strategisch die riskanteste Zwischenlage: genug, um Moskau zu alarmieren, zu wenig, um Kiew abzusichern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die realistische Schule der internationalen Politik wird falsch angewandt, wenn aus \u201eGrossm\u00e4chte reagieren auf Einflusssph\u00e4ren\u201c die Aussage \u201ekleine Staaten besitzen kein Recht auf freie B\u00fcndniswahl\u201c wird. Sicherheitsdilemmata erkl\u00e4ren Eskalation, sie begr\u00fcnden keine Herrschaftsrechte. Noch im Februar 2022 stand ein ukrainischer NATO-Beitritt nicht unmittelbar bevor. Die Invasion war eine gew\u00e4hlte Antwort unter mehreren denkbaren Antworten, nicht ein physikalischer Reflex. Diplomatie, R\u00fcstungskontrolle, Inspektionen, Neutralit\u00e4tsverhandlungen und eine erneuerte europ\u00e4ische Sicherheitskonferenz waren m\u00f6gliche, wenn auch schwierige Alternativen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Maidan Revolution und umstrittener Machtwechsel<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Euromaidan begann im November 2013, nachdem Janukowytsch die Unterzeichnung eines lange verhandelten Assoziierungsabkommens mit der Europ\u00e4ischen Union aussetzte. Russland hatte erheblichen wirtschaftlichen Druck ausge\u00fcbt und bot seinerseits Kredite und g\u00fcnstigere Energiebedingungen. Die ersten Demonstrationen waren vor allem europ\u00e4isch orientiert. Der brutale Polizeieinsatz gegen Studierende in der Nacht zum 30. November verbreiterte die Mobilisierung. Von da an ging es mindestens ebenso sehr um Polizeigewalt, Korruption, Rechtsstaatlichkeit und die autorit\u00e4re Entwicklung des Regimes wie um die EU.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sozialwissenschaftliche Protestforschung widerspricht dem Bild einer kleinen, vom Ausland bezahlten Schar. Olga Onuchs Vor-Ort-Erhebung unter 1.304 Demonstrierenden zeigte eine sozial vielf\u00e4ltige, stark mittelst\u00e4ndische und selbstorganisierte Bewegung (Onuch 2014). Nationalistische und rechtsextreme Gruppen waren sichtbar und bei Strassenk\u00e4mpfen \u00fcberproportional aktiv. Sie waren real, zum Teil gewaltbereit und d\u00fcrfen nicht romantisiert werden. Sie waren aber nicht die demografische oder politische Mehrheit des Maidan.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Westliche Einmischung gab es. Amerikanische und europ\u00e4ische Politiker besuchten Demonstrierende, westliche Stiftungen und Beh\u00f6rden finanzierten seit Jahren zivilgesellschaftliche, mediale und rechtsstaatliche Projekte. Ein 2014 abgeh\u00f6rtes Gespr\u00e4ch zwischen der US-Diplomatin Victoria Nuland und Botschafter Geoffrey Pyatt zeigte, dass Washington klare personelle Pr\u00e4ferenzen f\u00fcr eine k\u00fcnftige Regierung hatte; Nuland sagte \u00fcber Arsenij Jazenjuk: \u201eYats is the guy\u201c (BBC 2014). Das war Einmischung und widerlegt die Erz\u00e4hlung eines v\u00f6llig passiven Westens. Es beweist aber nicht, dass Washington hunderttausende Menschen erschuf, ihre Motive steuerte oder den gesamten Machtwechsel operativ inszenierte. Auch Russland intervenierte politisch, wirtschaftlich und medial zugunsten Janukowytschs. Ukrainische Akteure besassen eigene Interessen und Handlungsf\u00e4higkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Februar 2014 eskalierte die Gewalt; Demonstrierende und Polizisten starben. Bis heute werden einzelne Abl\u00e4ufe und Sch\u00fctzenzuordnungen kontrovers diskutiert. Nach einem von europ\u00e4ischen Aussenministern vermittelten Abkommen verliess Janukowytsch Kiew und sp\u00e4ter das Land. Am 22. Februar stellte das Parlament mit 328 von 450 Stimmen fest, dass er seine Amtsgesch\u00e4fte nicht mehr aus\u00fcbe, und setzte Neuwahlen an. Das in Artikel 111 der Verfassung vorgesehene f\u00f6rmliche Amtsenthebungsverfahren mit Untersuchung und Verfassungsgericht wurde nicht vollst\u00e4ndig durchgef\u00fchrt. Wer von einer verfassungsrechtlich sauberen Amtsenthebung spricht, besch\u00f6nigt diese Improvisation. Wer nur von einem westlichen Putsch spricht, unterschl\u00e4gt Janukowytschs Flucht, den Zerfall seiner Machtbasis, die breite Parlamentsmehrheit und die anschliessende demokratische Best\u00e4tigung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pr\u00e4sidentschaftswahl vom Mai 2014 bezeichnete die OSZE als echte Wahl, weitgehend im Einklang mit internationalen Verpflichtungen, trotz der Besetzung der Krim und gewaltsamer Behinderung im Donbas (OSZE\/ODIHR 2014). 2019 wurde Wolodymyr Selenskyj mit 73,2 Prozent gew\u00e4hlt und gewann fast landesweit. Diese Wahlen heilten nicht r\u00fcckwirkend jeden Verfahrensmangel des Februar 2014; sie widerlegen aber die Vorstellung einer seitdem bloss putschistischen, nicht legitimierten Herrschaft.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Annexion der Krim und Krieg im Donbas<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Russlands Zugriff auf die Krim hatte vordergr\u00fcndige und hintergr\u00fcndige Motive. Vordergr\u00fcndig berief sich Moskau auf den Schutz russischsprachiger Menschen und Selbstbestimmung. Tats\u00e4chlich existierten auf der Halbinsel eine russische Bev\u00f6lkerungsmehrheit, enge Bindungen an Russland und Unzufriedenheit mit Kiew. Diese Tatsachen m\u00fcssen anerkannt werden. Sie machten die Annexion dennoch nicht rechtm\u00e4ssig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bewaffnete Soldaten ohne Hoheitszeichen besetzten Ende Februar 2014 strategische Orte und das Regionalparlament. Putin bestritt zun\u00e4chst, dass es russische Soldaten seien, und r\u00e4umte die Operation sp\u00e4ter ein. Unter milit\u00e4rischer Kontrolle wurde am 16. M\u00e4rz ein Referendum abgehalten. Es gab keine freie Status-quo-Option, keine normale \u00f6ffentliche Debatte und keine glaubw\u00fcrdige internationale Beobachtung. Die ukrainische Verfassung erlaubte keine regionale Abstimmung \u00fcber Staatsgebiet. Die UN-Generalversammlung erkl\u00e4rte das Referendum f\u00fcr nicht autorisiert und ohne G\u00fcltigkeit; es k\u00f6nne keine Status\u00e4nderung begr\u00fcnden (UN-Generalversammlung 2014).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hintergr\u00fcndig ging es um Macht. Sewastopol war der St\u00fctzpunkt der russischen Schwarzmeerflotte. Die Kontrolle der Krim sicherte milit\u00e4rische Projektion im Schwarzen Meer und im Mittelmeerraum. Die Annexion verhinderte, dass eine nach Westen orientierte Ukraine die Bedingungen russischer Flottenpr\u00e4senz neu ordnete. Sie gab Putin zudem einen enormen innenpolitischen Popularit\u00e4tsschub. Schliesslich passte sie in ein imperial gepr\u00e4gtes Geschichtsbild, in dem russische Kulturzugeh\u00f6rigkeit territoriale Anspr\u00fcche erzeugt. Sicherheits-, innenpolitische und identit\u00e4re Motive wirkten zusammen; \u201eSchutz der Bev\u00f6lkerung\u201c war nicht die ganze Erkl\u00e4rung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Donbas entstanden 2014 bewaffnete separatistische Gebilde. Lokale Unzufriedenheit und echte Unterst\u00fctzung f\u00fcr Russland waren vorhanden. Ebenso belegt sind russische Waffen, Personal, F\u00fchrung und sp\u00e4ter offene milit\u00e4rische Eingriffe. Der Konflikt war deshalb weder bloss ein spontaner B\u00fcrgerkrieg noch ausschliesslich eine \u00e4ussere Invasion ohne lokale Basis. Treffender ist die Beschreibung als internationalisierter Krieg mit innerukrainischen Bruchlinien und entscheidender russischer Erm\u00f6glichung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen 2014 und Ende 2021 starben nach UN-Sch\u00e4tzungen insgesamt rund 14.000 Menschen, darunter etwa 3.400 Zivilpersonen sowie K\u00e4mpfer beider Seiten. Diese oft zitierte Gesamtzahl wird propagandistisch als Zahl \u201evon Kiew get\u00f6teter Zivilisten\u201c missbraucht; das ist falsch. Menschenrechtsverletzungen, willk\u00fcrliche Haft, Folter und wahlloser Beschuss wurden auf beiden Seiten dokumentiert. Die Behauptung eines von der Ukraine begangenen Genozids an Russischsprachigen wurde jedoch nicht belegt. Der Internationale Gerichtshof stellte 2022 fest, ihm l\u00e4gen keine Belege vor, die Russlands Genozidvorwurf substantiieren, und ordnete vorl\u00e4ufig die Aussetzung der russischen Milit\u00e4roperationen an (IGH 2022). Der Konflikt war schwer und schmutzig, aber das Wort Genozid wurde als Kriegsbegr\u00fcndung missbraucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Minsker Vereinbarungen von 2014 und 2015 reduzierten zeitweise die Intensit\u00e4t, l\u00f6sten den Konflikt aber nicht. Ihr Text verband Waffenruhe, Abzug schwerer Waffen, Amnestie, lokale Wahlen, einen Sonderstatus und die sp\u00e4tere Wiederherstellung ukrainischer Grenzkontrolle. Die Reihenfolge blieb strittig. Kiew wollte zuerst Sicherheit und Kontrolle, Moskau und die Separatisten zuerst politische Integration zu Bedingungen, die Russland dauerhaften Einfluss auf ukrainische Entscheidungen verschafft h\u00e4tten. Verst\u00f6sse kamen von mehreren Seiten; Russland bestritt zudem, Konfliktpartei zu sein, obwohl es faktisch zentrale Kontrolle aus\u00fcbte. Minsk scheiterte nicht an einer einzigen Person. Es litt an unvereinbaren Zielen, fehlender Durchsetzung und zu wenig Vertrauen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Weg zur gross angelegten Invasion<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Krimannexion verst\u00e4rkte die Ukraine ihre Westorientierung, ihre Armee und ihre eigenst\u00e4ndige nationale Identit\u00e4t. Was Russland angeblich verhindern wollte, beschleunigte seine Politik. Selenskyj wurde 2019 mit dem Versprechen gew\u00e4hlt, Frieden im Donbas zu suchen. Er f\u00fchrte Gespr\u00e4che, akzeptierte Gefangenenaustausche und versuchte zeitweise Truppenentflechtungen. Die innenpolitische Angst vor einem aufgezwungenen Frieden schr\u00e4nkte seinen Spielraum ein. Russland wiederum verteilte P\u00e4sse in den besetzten Gebieten und integrierte sie wirtschaftlich und milit\u00e4risch immer enger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2021 und Anfang 2022 zog Russland grosse Truppenverb\u00e4nde rund um die Ukraine zusammen. Die Menschen, denen ich im September 2021 in Odessa begegnete, beobachteten nicht nur abstrakte Geopolitik. Seit 2014 lebten sie mit Krieg; zugleich war der erste russische Aufmarsch des Fr\u00fchjahrs 2021 noch frisch in Erinnerung. Ihre Vorahnung war keine Beweisf\u00fchrung f\u00fcr einen bereits feststehenden Plan, aber sie war rational.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Russland verlangte im Dezember 2021 weitreichende Sicherheitsgarantien: keine weitere NATO-Erweiterung, keine Aufnahme der Ukraine und ein R\u00fcckbau westlicher milit\u00e4rischer Infrastruktur. Teile davon waren verhandelbar; andere h\u00e4tten die Souver\u00e4nit\u00e4t mehrerer Staaten dauerhaft begrenzt. Der Westen bot Gespr\u00e4che \u00fcber R\u00fcstungskontrolle, Raketen und Man\u00f6ver an, lehnte eine geschlossene NATO-T\u00fcr ab. Ob intensivere Diplomatie den Angriff noch h\u00e4tte verhindern k\u00f6nnen, bleibt eine kontrafaktische Frage. Belegt ist, dass Russland Alternativen zur Invasion hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 24. Februar 2022 erkl\u00e4rte Putin, die Ukraine \u201eentmilitarisieren und entnazifizieren\u201c zu wollen (Putin 2022b). Russische Verb\u00e4nde griffen von Norden, Osten und S\u00fcden an, auch in Richtung Kiew. Umfang und Achsen des Angriffs sprechen gegen die nachtr\u00e4gliche Behauptung einer bloss begrenzten Schutzoperation f\u00fcr den Donbas. Das anf\u00e4ngliche Vorgehen zielte offenbar auf einen raschen politischen Zusammenbruch der Ukraine. Die ukrainische Gegenwehr, logistische Fehler Russlands und westliche Hilfe verhinderten dies.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ursachen erkl\u00e4ren Verantwortung benennen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Historische Ursachen lassen sich auf drei Ebenen ordnen, ohne sie in eine Rangliste zu verwandeln. Auf der strukturellen Ebene standen der Zerfall eines Imperiums, konkurrierende Sicherheitsordnungen, die asymmetrische Macht zwischen Russland und der Ukraine und die nicht \u00fcberwundene Logik von Einflusssph\u00e4ren. Auf der mittleren Ebene wirkten die ungel\u00f6ste Krim- und Donbasfrage, das Scheitern von Minsk, wirtschaftliche Verflechtungen, Informationskrieg, Aufr\u00fcstung und die zunehmende autorit\u00e4re Abschottung Russlands. Auf der Entscheidungsebene stand die Wahl der russischen F\u00fchrung, ihre Ziele mit gross angelegter Gewalt durchzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Unterscheidung beantwortet die Frage nach der \u201ewirklichen Schuld\u201c genauer als ein einziges Schlagwort. Der Westen tr\u00e4gt Mitverantwortung f\u00fcr eine unkluge und unvollst\u00e4ndige Sicherheitsordnung und f\u00fcr verpasste Diplomatie. Ukrainische Regierungen tragen Verantwortung f\u00fcr Korruption, Polarisierung, Minderheitenkonflikte und manche Verst\u00f6sse im Donbaskrieg. Diese Verantwortungen sind real. F\u00fcr die Annexion von 2014 und die Invasion von 2022 tr\u00e4gt jedoch Russland als handelnder Staat die prim\u00e4re politische und v\u00f6lkerrechtliche Verantwortung. Die UN-Generalversammlung bezeichnete den Angriff 2022 mit 141 Stimmen als Aggression und verlangte den Abzug russischer Truppen (UN-Generalversammlung 2022). Kontext ist keine Entschuldigung; Provokation ist kein Zwang; Einflussnahme ist keine Invasion.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Umstrittene Aussagen im Faktencheck<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Westen tr\u00e4gt die Schuld am Krieg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Aussage enth\u00e4lt einen diskutierbaren Kern und eine falsche Schlussfolgerung. Der diskutierbare Kern lautet, dass westliche Entscheidungen die europ\u00e4ische Sicherheitskrise versch\u00e4rften. Die NATO erweiterte sich, ohne Russland in eine belastbare gemeinsame Ordnung einzubinden. Der Bukarester Beschluss von 2008 stellte der Ukraine eine Mitgliedschaft in Aussicht, ohne sie zu sch\u00fctzen. Die Vereinigten Staaten und europ\u00e4ische Staaten nahmen in ukrainische Innenpolitik Einfluss, wandten V\u00f6lkerrecht in Kosovo und Irak selektiv an und untersch\u00e4tzten, wie ihre Politik in Moskau gelesen wurde. Wer dies leugnet, ersetzt Analyse durch Selbstrechtfertigung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die falsche Schlussfolgerung lautet, Russland habe deshalb keine Wahl gehabt oder der Westen sei Urheber der Invasion. Staaten reagieren nicht mechanisch auf Reize. Zwischen politischer Kr\u00e4nkung, Sicherheitsbesorgnis und einem Angriffskrieg liegen Entscheidungen, Planungen und Befehle. Russland griff ein Land an, dessen NATO-Beitritt weder terminiert noch unmittelbar bevorstand. Es verlangte nicht nur Schutz vor bestimmten Waffensystemen, sondern ein politisches Vetorecht \u00fcber die B\u00fcndnisse seiner Nachbarn. Die These von der alleinigen westlichen Schuld entzieht der russischen F\u00fchrung ihre Handlungsf\u00e4higkeit und der Ukraine ihre eigene politische Subjektivit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Putin musste handeln<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eMusste\u201c ist die entscheidende Irref\u00fchrung. Ein Sicherheitsdilemma kann den Handlungsdruck erh\u00f6hen, doch es hebt Alternativen nicht auf. Ende 2021 lagen Vorschl\u00e4ge zu Raketenstationierung, Transparenz, \u00dcbungen und R\u00fcstungskontrolle auf dem Tisch. Eine dauerhaft neutrale Ukraine h\u00e4tte verhandelt werden k\u00f6nnen, wenn sie freiwillig, international garantiert und demokratisch legitimiert gewesen w\u00e4re. Auch eine verst\u00e4rkte OSZE-Mission oder eine neue Konferenz \u00fcber konventionelle Streitkr\u00e4fte w\u00e4ren denkbar gewesen. Putin entschied sich stattdessen f\u00fcr eine Invasion mit Angriffsachsen auf Kiew, Charkiw und den S\u00fcden. Der Satz, er habe handeln m\u00fcssen, verwandelt eine politische Wahl nachtr\u00e4glich in Naturgesetz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Maidan war ein westlicher Putsch<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Machtwechsel im Februar 2014 war verfassungsrechtlich unvollkommen, gewaltsam und von ausl\u00e4ndischer Einflussnahme begleitet. Diese Teile der Behauptung sind wahr. Westliche Regierungen unterst\u00fctzten Zivilgesellschaft, traten demonstrativ auf und wollten den Ausgang beeinflussen. Die abgeh\u00f6rte Nuland-Pyatt-Unterhaltung ist daf\u00fcr ein belastbarer Beleg. Unwahr ist die st\u00e4rkere These, der Westen habe den Aufstand erfunden oder eine kleine Marionettengruppe gegen eine passive Bev\u00f6lkerung eingesetzt. Monate lange Massenmobilisierung, die soziale Breite der Proteste, der Zerfall von Janukowytschs Machtbasis, die Parlamentsabstimmung und die sp\u00e4teren kompetitiven Wahlen lassen sich damit nicht erkl\u00e4ren. Treffend ist die Bezeichnung einer einheimischen Revolution mit ausl\u00e4ndischer Einmischung und einem verfassungsrechtlich improvisierten Macht\u00fcbergang.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Im Donbas fand ein Genozid statt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen 2014 und 2021 litten Menschen im Donbas unter Beschuss, Minen, Vertreibung, Folter, Entf\u00fchrung und wirtschaftlicher Isolation. Opfer auf separatistisch kontrolliertem Gebiet sind nicht weniger betrauernswert. Aus diesem realen Leid folgt jedoch nicht der juristische Tatbestand des Genozids, der die Absicht voraussetzt, eine gesch\u00fctzte Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerst\u00f6ren. F\u00fcr eine solche ukrainische Vernichtungsabsicht gibt es keine belastbaren Belege. Die russische F\u00fchrung benutzte einen maximal aufgeladenen Rechtsbegriff, um eine viel gr\u00f6ssere Gewaltanwendung zu legitimieren. Das Internationale Gericht stellte fest, dass die ihm vorliegenden Informationen den russischen Vorwurf nicht st\u00fctzten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Ukraine unterdr\u00fcckte Russischsprachige<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sprachpolitik war und ist ein realer Konflikt. Nach 2014 st\u00e4rkte die Ukraine Ukrainisch in Bildung, Verwaltung und Medien; einzelne Gesetze wurden wegen unzureichender R\u00fccksicht auf Minderheiten kritisiert, auch von europ\u00e4ischen Institutionen. Im Februar 2014 beschloss das Parlament voreilig, ein Sprachgesetz aufzuheben; der \u00dcbergangspr\u00e4sident setzte diese Aufhebung allerdings nicht in Kraft. Solche Politik konnte Russischsprachige entfremden. Sie ist aber nicht gleichbedeutend mit physischer Verfolgung oder einem Verbot des privaten Russischen. Selenskyj selbst wuchs russischsprachig auf; Millionen russischsprachige Ukrainer verteidigen heute den ukrainischen Staat. Sprache bestimmt politische Loyalit\u00e4t nicht automatisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Ukraine ist ein nationalsozialistischer Staat<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rechtsextreme Milieus und bewaffnete Formationen existieren in der Ukraine, wie in Russland und vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern. Das Asow-Regiment hatte rechtsextreme Urspr\u00fcnge; Symbolik und einzelne Netzwerke verdienen kritische Untersuchung. Daraus folgt keine nationalsozialistische Staatsordnung. Bei der Parlamentswahl 2019 erreichte die vereinigte Liste der \u00e4usseren Rechten rund 2,15 Prozent und gewann ein Direktmandat. Die Macht wechselte durch Wahlen; der Pr\u00e4sident ist j\u00fcdischer Herkunft und Angeh\u00f6rige seiner Familie wurden im Holocaust ermordet. \u201eEntnazifizierung\u201c war kein diagnostischer Begriff, sondern eine propagandistische Entmenschlichung des politischen Gegners.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Krim kehrte freiwillig nach Russland zur\u00fcck<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine erhebliche Zahl von Bewohnern der Krim bevorzugte 2014 wahrscheinlich Russland; fr\u00fchere Wahlen und Umfragen zeigen eine besondere regionale Identit\u00e4t und starke russische Bindungen. Dies darf nicht wegerkl\u00e4rt werden. Der genaue Volkswille vom M\u00e4rz 2014 ist dennoch nicht feststellbar, weil die Abstimmung unter fremder Milit\u00e4rkontrolle stattfand, keine unver\u00e4nderte Zugeh\u00f6rigkeit zur Ukraine als klare Option bot und ohne anerkannte Beobachtung organisiert wurde. Selbst eine ehrliche lokale Mehrheit h\u00e4tte nach ukrainischem Verfassungsrecht und allgemeinem V\u00f6lkerrecht keine einseitige, milit\u00e4risch erzwungene Annexion legitimiert. Selbstbestimmung und Gebiets\u00fcbernahme durch den Nachbarstaat sind nicht dasselbe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Boris Johnson verhinderte 2022 den Frieden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Fr\u00fchjahr 2022 verhandelten Russland und die Ukraine in Belarus und Istanbul ernsthaft \u00fcber Neutralit\u00e4t, Sicherheitsgarantien und den Umfang ukrainischer Streitkr\u00e4fte. Das Istanbuler Kommuniqu\u00e9 war mehr als Theater. Es war aber kein unterschriftsreifer Friedensvertrag. Territorialfragen, die Durchsetzbarkeit von Garantien, Truppenst\u00e4rken und die Reihenfolge russischen R\u00fcckzugs blieben offen. Die Entdeckung der Toten von Butscha zerst\u00f6rte zus\u00e4tzlich Vertrauen, und die milit\u00e4rische Lage hatte sich nach Russlands R\u00fcckzug aus dem Raum Kiew ver\u00e4ndert. Westliche Regierungen, darunter Boris Johnson, waren skeptisch und best\u00e4rkten die Ukraine im Weiterk\u00e4mpfen. F\u00fcr die Behauptung, Johnson habe einen fertigen, von beiden Seiten akzeptierten Vertrag verboten, gibt es jedoch keine belastbaren Belege. Samuel Charap und Sergey Radchenko zeigen, dass eine m\u00f6gliche Verhandlungschance bestand und zugleich substantielle Hindernisse ungel\u00f6st blieben (Charap und Radchenko 2024).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Worte der Machthaber und ihre politische Funktion<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Politische Zitate sind keine Fenster, durch die sich Absichten unvermittelt ablesen lassen. Sie sind Handlungen: Sie mobilisieren, rechtfertigen, drohen, beruhigen oder schaffen Verhandlungsspielraum. Gerade deshalb lohnt es sich, unterschiedliche Stimmen nebeneinander zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Putins Formel von Russen und Ukrainern als \u201eein Volk\u201c entzog der ukrainischen Nation die Gleichrangigkeit. Seine Rede vom 24. Februar 2022 verband einen begrenzten Sicherheitswortschatz mit maximalen Zielen. Die Begriffe \u201eentmilitarisieren\u201c und \u201eentnazifizieren\u201c liessen offen, welche ukrainischen Institutionen \u00fcberhaupt fortbestehen sollten. Als Putin im Juni 2025 sagte, \u201edie ganze Ukraine geh\u00f6rt uns\u201c, wurde der imperiale Horizont deutlicher, auch wenn er den Satz als historische Theorie formulierte (Reuters 2025a). Diese \u00c4usserungen passen schlecht zur Behauptung, es gehe lediglich um einige defensive Korrekturen im Donbas.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selenskyj wandte sich zu Kriegsbeginn auf Russisch direkt an die russische Bev\u00f6lkerung. Er rief sie auf, auf die Strasse zu gehen und \u201eFrieden f\u00fcr Europa, Frieden f\u00fcr die Ukraine\u201c zu verlangen (Selenskyj 2022). Auch dies war strategische Kommunikation, aber eine bemerkenswerte: Sie trennte die russischen B\u00fcrger vom Kreml und appellierte an ihre moralische Handlungsf\u00e4higkeit. Sp\u00e4ter wurde seine Sprache h\u00e4rter und auf Sieg, Gerechtigkeit und territoriale Integrit\u00e4t ausgerichtet. Darin spiegeln sich nicht nur pers\u00f6nlicher Wille, sondern die Gewalterfahrung und die Abh\u00e4ngigkeit eines angegriffenen Pr\u00e4sidenten von gesellschaftlichem Durchhaltewillen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">UN-Generalsekret\u00e4r Ant\u00f3nio Guterres erkl\u00e4rte am Tag des Angriffs: \u201eEs ist falsch. Es verst\u00f6sst gegen die Charta. Es ist inakzeptabel. Aber es ist nicht unumkehrbar\u201c (Guterres 2022). Der letzte Satz ist f\u00fcr eine Friedensperspektive ebenso wichtig wie die Verurteilung. Rechtliche Klarheit muss Diplomatie nicht ausschliessen; sie kann deren Ausgangspunkt sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Indiens Premierminister Narendra Modi sagte Putin im September 2022, die heutige Epoche sei \u201ekeine \u00c4ra des Krieges\u201c (Reuters 2022). China schrieb in seinem Positionspapier, Konflikt und Krieg n\u00fctzten niemandem, verband dies aber mit Kritik an Sanktionen und B\u00fcndnisdenken (Aussenministerium der Volksrepublik China 2023). S\u00fcdafrikas Pr\u00e4sident Cyril Ramaphosa wirbt unter Berufung auf die eigene Verhandlungsgeschichte f\u00fcr Gespr\u00e4che ohne Vorbedingungen. Diese Formeln sind weniger konfrontativ als westliche Erkl\u00e4rungen und oft bewusst mehrdeutig. Sie widerlegen dennoch die Vorstellung, der sogenannte Globale S\u00fcden w\u00fcnsche geschlossen einen russischen Sieg.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Leiden in der Ukraine<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Statistik sch\u00fctzt vor selektiver Wahrnehmung, aber sie kann Trauer nicht abbilden. Nach Angaben der UN-Menschenrechtsbeobachtung waren seit dem 24. Februar 2022 bis Ende August 2026 mindestens 17 257 Zivilpersonen get\u00f6tet und 53 693 verletzt worden. Die Vereinten Nationen betonen, dass die tats\u00e4chlichen Zahlen erheblich h\u00f6her liegen, besonders in Mariupol und in nicht zug\u00e4nglichen besetzten Gebieten. Allein von Januar bis August 2026 wurden 2 222 Tote und 13 058 Verletzte verifiziert; dies waren 55 Prozent mehr zivile Opfer als im gleichen Zeitraum 2025 (OHCHR 2026). Das ist kein Krieg, der langsam ausbrennt. F\u00fcr Zivilpersonen wurde er zuletzt wieder t\u00f6dlicher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinter diesen Zahlen liegen zerborstene Wohnungen, unterbrochene Schwangerschaften, amputierte Gliedmassen, verlorene Schulen, Minenangst, n\u00e4chtlicher Alarm und die Frage, ob Angeh\u00f6rige unter Tr\u00fcmmern oder in Gefangenschaft leben. Ende 2025 waren nach UNHCR-Angaben rund 5,86 Millionen Menschen aus der Ukraine im Ausland und 3,7 Millionen innerhalb des Landes vertrieben. Sch\u00e4tzungsweise 2,5 Millionen Wohnungen waren besch\u00e4digt oder zerst\u00f6rt; 10,8 Millionen Menschen sollten 2026 humanit\u00e4re Hilfe ben\u00f6tigen (UNHCR 2026). Die Zerst\u00f6rung des Hotels meiner Reise ist in dieser Perspektive materiell klein und biografisch gross. Geb\u00e4ude tragen Erinnerungen. Ihre Vernichtung verwandelt Orte, an denen Menschen willkommen waren, in Koordinaten eines Kriegsberichts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den von Russland besetzten Gebieten dokumentieren internationale Stellen rechtswidrige T\u00f6tungen, Verschwindenlassen, Folter, sexualisierte Gewalt, Zwangspassvergabe, Unterdr\u00fcckung ukrainischer Kultur und die Verbringung von Kindern. Der Internationale Strafgerichtshof erliess im M\u00e4rz 2023 Haftbefehle gegen Putin und die russische Kinderrechtsbeauftragte Marija Lwowa-Belowa wegen des Verdachts der rechtswidrigen Deportation und \u00dcberf\u00fchrung ukrainischer Kinder (IStGH 2023). Ein Haftbefehl ist noch kein Urteil. Er zeigt aber, dass die Vorw\u00fcrfe den Schwellenwert einer unabh\u00e4ngigen internationalen Vorpr\u00fcfung \u00fcberschritten haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch ukrainische Kr\u00e4fte sind nicht ausserhalb des Rechts. UN-Berichte verzeichneten Misshandlungen russischer Kriegsgefangener, einzelne mutmassliche Hinrichtungen und die Stationierung milit\u00e4rischer Ziele in zivilen R\u00e4umen. Solche F\u00e4lle m\u00fcssen untersucht und verfolgt werden. Die Pflicht zur Differenzierung darf jedoch nicht zu falscher Symmetrie f\u00fchren. Der \u00fcberwiegende Teil der dokumentierten zivilen Zerst\u00f6rung entstand aus Russlands Angriff und aus K\u00e4mpfen auf ukrainischem Gebiet; Russland schuf durch die Invasion die Gesamtlage, in der diese Verst\u00f6sse stattfinden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Russische Opfer und die moralische Falle kollektiver Schuld<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch russische Familien verlieren Kinder, Partner und Eltern. Wehrpflichtige und mobilisierte M\u00e4nner wurden teils schlecht informiert, ungen\u00fcgend ausgebildet oder unter wirtschaftlichem und sozialem Druck angeworben. Besonders stark rekrutierte der Staat in \u00e4rmeren Regionen und ethnischen Republiken. Gefallene russische Soldaten sind nicht deshalb ohne menschlichen Wert, weil sie auf der Seite des Angreifers k\u00e4mpften. Ihre Familien tragen eine Trauer, die staatliche Zeremonien, Geldzahlungen und das Wort \u201eHeldentod\u201c nicht aufheben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Krieg erreicht zudem russische Grenzregionen durch Drohnen, Artillerie, Evakuierungen und zerst\u00f6rte H\u00e4user. Russische Beh\u00f6rden meldeten f\u00fcr August 2026 zivile Tote und Verletzte in Russland sowie in besetzten ukrainischen Gebieten. Die UN konnte einen grossen Teil dieser Angaben mangels Zugangs nicht unabh\u00e4ngig verifizieren (OHCHR 2026). Das gebietet weder pauschales Misstrauen noch unkritische \u00dcbernahme, sondern transparente Unsicherheit. Angriffe auf Zivilpersonen bleiben verboten, unabh\u00e4ngig davon, welche Flagge \u00fcber ihrem Wohnort weht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die moralische Falle besteht darin, Empathie als politische Parteinahme zu behandeln. Wer um einen russischen Rekruten trauert, rechtfertigt den Angriff nicht. Wer die prim\u00e4re russische Verantwortung benennt, erkl\u00e4rt ein russisches Kind nicht zum Feind. Gerade eine pazifistische Perspektive muss die Einteilung in betrauerbare und nicht betrauerbare Tote zur\u00fcckweisen. Sie darf zugleich T\u00e4ter, Befehlsstrukturen und die Asymmetrie von Angriff und Verteidigung nicht verwischen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wo die Stimmen der Eltern bleiben<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eltern, die Kinder verloren haben, erscheinen in der \u00d6ffentlichkeit oft nur f\u00fcr einen Augenblick: vor einem Sarg, auf einem Friedhof, mit einem Foto in der Hand. Ukrainische Medien und internationale Reporter dokumentieren Familien, die bei Raketenangriffen mehrere Angeh\u00f6rige zugleich verloren. In Lwiw wurden 2024 eine Mutter und ihre drei T\u00f6chter nach einem russischen Angriff beerdigt; der Vater blieb als einziger unmittelbarer Angeh\u00f6riger zur\u00fcck (Reuters 2024a). In \u00fcberf\u00fcllten Milit\u00e4rfriedh\u00f6fen sprechen Eltern und Partner von Stolz, Wut, Ersch\u00f6pfung und dem Wunsch, das Sterben m\u00f6ge enden. Diese Gef\u00fchle widersprechen einander nicht. Ein Mensch kann Frieden w\u00fcnschen und dennoch f\u00fcrchten, dass ein ungerechter Waffenstillstand den Tod des eigenen Kindes bedeutungslos erscheinen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Russland suchen Eltern vermisste Soldaten, beklagen mangelhafte Ausr\u00fcstung oder bitten Beh\u00f6rden um Auskunft. Manche unterst\u00fctzen den Krieg und verlangen entschlosseneres Vorgehen; manche wollen nur die R\u00fcckkehr ihrer S\u00f6hne; andere protestieren. Unabh\u00e4ngige russische Medien haben solche Stimmen gesammelt, w\u00e4hrend offene Kritik durch Gesetze gegen angebliche \u201eFalschnachrichten\u201c \u00fcber die Armee und gegen deren \u201eDiskreditierung\u201c kriminalisiert wird. Nach Angaben der Menschenrechtsgruppe OVD-Info gab es bis Ende 2024 mehr als tausend strafrechtliche Verfolgungen und ungef\u00e4hr zwanzigtausend Festnahmen im Zusammenhang mit Antikriegs\u00e4usserungen und Protesten (Reuters 2024b). Schweigen kann in diesem Umfeld Zustimmung, Angst, Anpassung, Ersch\u00f6pfung oder schlicht privaten Schmerz bedeuten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vereinten Nationen verifizierten allein 2025 in der Ukraine 1 899 schwere Rechtsverletzungen gegen 781 Kinder, darunter 94 get\u00f6tete und 659 verletzte Kinder sowie Hunderte Angriffe auf Schulen und Krankenh\u00e4user (Vereinte Nationen 2026). Jede Zahl enth\u00e4lt ein nicht gelebtes Leben und ein Familienged\u00e4chtnis, das Jahrzehnte \u00fcberdauern wird. Friedensverhandlungen, die nur Linien auf Karten behandeln, untersch\u00e4tzen diese Zukunftslast. Wahrheit, Vermisstensuche, R\u00fcckf\u00fchrung von Kindern, Gefangenenaustausch, Entsch\u00e4digung und psychosoziale Hilfe sind keine sp\u00e4teren Nebenthemen; sie geh\u00f6ren zum Frieden selbst.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wollen die Russen diesen Krieg<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage hat keine ehrliche Ja-oder-Nein-Antwort. Russland ist eine grosse, ungleiche Gesellschaft mit \u00fcberzeugten Nationalisten, Nutzniessern der Kriegswirtschaft, pflichtorientierten Soldatenfamilien, Gleichg\u00fcltigen, ver\u00e4ngstigten Gegnern, Exilierten und Menschen, die widerspr\u00fcchliche Dinge gleichzeitig glauben. \u201eDie Russen\u201c besitzen keinen einzigen Willen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die unabh\u00e4ngige Levada-Erhebung vom Januar 2026 fand 76 Prozent Unterst\u00fctzung f\u00fcr das Vorgehen der russischen Streitkr\u00e4fte. Zugleich bef\u00fcrworteten 61 Prozent den \u00dcbergang zu Friedensverhandlungen, w\u00e4hrend 31 Prozent eine Fortsetzung der Kampfhandlungen bevorzugten. 74 Prozent erwarteten einen russischen Sieg; falls keine Friedensvereinbarung zustande komme, bef\u00fcrworteten 59 Prozent verst\u00e4rkte Angriffe (Lewada-Zentrum 2026). Das ist keine pazifistische Gesellschaft. Es ist aber auch keine einfache Volksabstimmung f\u00fcr endlosen Krieg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Autorit\u00e4re Bedingungen erschweren die Deutung. Manche Menschen verweigern Interviews, andere geben sozial sichere Antworten; die Begriffe \u201eUnterst\u00fctzung\u201c und \u201eSpezialoperation\u201c sind durch staatliche Medien gerahmt. Levada argumentiert \u00fcberzeugend, solche Umfragen blieben als Messung \u00f6ffentlich vertretbarer Einstellungen sinnvoll, seien aber kein Gedankenleseger\u00e4t (Lewada-Zentrum 2023). Dar\u00fcber hinaus kann dieselbe Person die Armee unterst\u00fctzen, weil ein Angeh\u00f6riger dient, und zugleich Verhandlungen wollen. Sie kann staatlicher Propaganda glauben und die Mobilisierung des eigenen Sohnes f\u00fcrchten. Zustimmung kann ideologisch, defensiv, konformistisch oder konditional sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine breite russische Mitverantwortung f\u00fcr die gesellschaftliche Erm\u00f6glichung des Krieges darf diskutiert werden. Kollektivschuld ist dennoch ein schlechter analytischer Begriff. Er macht Widerstand unsichtbar, entlastet konkrete Machthaber und droht Vers\u00f6hnung generations\u00fcbergreifend zu blockieren. Verantwortung sollte nach Entscheidungsmacht, Wissen, Beteiligung und Handlungsspielraum abgestuft werden. Putin und der engste Sicherheitsapparat tragen eine andere Verantwortung als ein unter Zensur lebender Rentner; ein Folterer eine andere als die Mutter eines Gefallenen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wollen die Ukrainer weiterk\u00e4mpfen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die ukrainische \u00f6ffentliche Meinung ist weder statisch noch frei von Kriegsbedingungen. Nach dem Angriff 2022 stieg die Bereitschaft zur Verteidigung stark. Besatzungsverbrechen, Raketenangriffe und die Erfahrung, dass russische Truppen 2022 durch milit\u00e4rischen Widerstand aus dem Raum Kiew gedr\u00e4ngt wurden, verst\u00e4rkten die \u00dcberzeugung, Waffen k\u00f6nnten weiteres Unheil verhindern. Zugleich ver\u00e4ndern Jahre des Verlusts, der Mobilisierung und der unsicheren westlichen Hilfe die Haltung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Gallup-Erhebung vom Fr\u00fchjahr 2026 zeigte, dass 66 Prozent der Befragten ein m\u00f6glichst baldiges Verhandlungsende bevorzugten; 24 Prozent wollten bis zum Sieg weiterk\u00e4mpfen. Nur 23 Prozent hielten ein dauerhaftes Kriegsende innerhalb von zw\u00f6lf Monaten f\u00fcr wahrscheinlich (Gallup 2026). Verhandlungsbereitschaft bedeutet allerdings nicht automatisch Zustimmung zu russischen Bedingungen oder rechtliche Anerkennung von Annexionen. Menschen k\u00f6nnen einen Waffenstillstand w\u00fcnschen und territoriale Anspr\u00fcche aufrechterhalten. Umfragen in einem Land mit Millionen Gefl\u00fcchteten, besetzten Gebieten und Soldaten an der Front besitzen zudem unvermeidliche Reichweitenprobleme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ukrainische F\u00fchrung steht deshalb vor einem Legitimationsdilemma. Sie muss das Leben der Bev\u00f6lkerung sch\u00fctzen, darf aber nicht \u00fcber dauerhafte Gebiets- und Verfassungsfragen entscheiden, als seien diese pers\u00f6nliche Verf\u00fcgungsmasse des Pr\u00e4sidenten. Ein belastbarer Kompromiss ben\u00f6tigt parlamentarische, gesellschaftliche und gegebenenfalls sp\u00e4tere plebiszit\u00e4re Legitimation unter freien Bedingungen. Frieden kann nicht allein im Pr\u00e4sidentenpalast unterzeichnet und danach der Gesellschaft verordnet werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was nach Putin oder Selenskyj geschehen k\u00f6nnte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Personalisierte Systeme verleiten zu der Vorstellung, mit dem Tod des Machthabers \u00e4ndere sich automatisch die politische Richtung. In Russland ist Putins Rolle aussergew\u00f6hnlich gross. Er hat Institutionen entleert, Eliten voneinander abh\u00e4ngig gemacht und die Entscheidung \u00fcber Krieg und Frieden stark auf die Pr\u00e4sidentschaft konzentriert. Sein pl\u00f6tzlicher Tod w\u00fcrde deshalb Unsicherheit erzeugen. Nach der Verfassung w\u00fcrde zun\u00e4chst der Ministerpr\u00e4sident amtieren; die tats\u00e4chliche Nachfolge w\u00fcrde jedoch wahrscheinlich in Verhandlungen zwischen Pr\u00e4sidialverwaltung, Sicherheitsdiensten, Milit\u00e4r, Wirtschaftsinteressen und regionalen Machtzentren entschieden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein solcher \u00dcbergang w\u00e4re nicht automatisch prowestlich. Die heutige Elite ist durch Repression, Kriegswirtschaft, pers\u00f6nliche Haftungsrisiken und das gemeinsame Interesse am Regimeerhalt gebunden. Ein Nachfolger k\u00f6nnte den Krieg fortsetzen, um Schw\u00e4che zu vermeiden, oder ihn sogar versch\u00e4rfen, um nationalistische Konkurrenz zu \u00fcberbieten. Ebenso denkbar w\u00e4re eine pragmatische F\u00fchrung, die einen Waffenstillstand sucht, weil die Kosten das System bedrohen. Wahrscheinlicher als ein pl\u00f6tzlicher demokratischer Westkurs w\u00e4re zun\u00e4chst Kontinuit\u00e4t mit ver\u00e4ndertem Ton. Die Chance auf Bewegung entst\u00fcnde nicht aus dem Tod selbst, sondern aus einer neuen Koalition, die Sicherheit und wirtschaftliche Entlastung h\u00f6her bewertet als maximale Kriegsziele und der zugleich ein gesichtswahrender Verhandlungsweg offensteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selenskyjs Tod w\u00fcrde die Ukraine schwer ersch\u00fcttern, aber den Staat nicht f\u00fchrungslos machen. Nach der ukrainischen Verfassung \u00fcbernimmt bei vorzeitiger Beendigung des Pr\u00e4sidentenamts der Vorsitzende der Werchowna Rada kommissarisch die Aufgaben. Unter Kriegsrecht w\u00e4ren freie Wahlen zun\u00e4chst kaum durchf\u00fchrbar; Parlament, Regierung, Streitkr\u00e4fte, Kommunen und Zivilgesellschaft blieben dennoch handlungsf\u00e4hige Institutionen. Seit 2014 und besonders seit 2022 hat sich ukrainische Identit\u00e4t nicht um eine einzige Person, sondern um Selbstregierung und Widerstand verdichtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Tod Selenskyjs w\u00fcrde daher nicht wahrscheinlich zu einem prorussischen Kurs f\u00fchren. Er k\u00f6nnte gegenteilig einen M\u00e4rtyrereffekt ausl\u00f6sen, die Gesellschaft verh\u00e4rten und den Spielraum f\u00fcr Kompromisse verkleinern. Ein Nachfolger k\u00f6nnte allerdings einen anderen Stil, eine breitere Koalition oder gr\u00f6ssere Verhandlungsbereitschaft entwickeln. Entscheidend w\u00e4ren die Umst\u00e4nde des Todes, die milit\u00e4rische Lage, westliche Garantien und die \u00f6ffentliche Legitimit\u00e4t eines Abkommens. Dasselbe Ereignis kann je nach Kontext \u00d6ffnung oder Eskalation bewirken; seri\u00f6se Prognose muss diese Unsicherheit sichtbar lassen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Bleibt die Ukraine als Staat erhalten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Realistisch betrachtet ist der Fortbestand eines international anerkannten ukrainischen Staates sehr wahrscheinlich, auch \u00fcber Putin und Selenskyj hinaus. Die Ukraine verf\u00fcgt \u00fcber eine anerkannte Regierung, Verwaltung, Streitkr\u00e4fte, internationale Beziehungen, eine ausgepr\u00e4gte Zivilgesellschaft und eine politische Identit\u00e4t, die der Angriff nicht aufl\u00f6ste, sondern st\u00e4rkte. Selbst Russlands anf\u00e4nglicher Versuch, Kiew rasch zu unterwerfen, scheiterte. Die grosse Mehrheit der Staaten erkennt die russische Annexion der beanspruchten ukrainischen Gebiete nicht als rechtm\u00e4ssig an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ungewiss sind dagegen Umfang, Bev\u00f6lkerungsstruktur, wirtschaftliche Lebensf\u00e4higkeit und Sicherheitsordnung dieses Staates. Langfristige Besatzung oder eine faktische Teilung sind m\u00f6glich, ohne dass die Ukraine als Staat verschwindet. Schwerer als Karten zeigen sind die demografischen Folgen: Tote und Versehrte, eine niedrige Geburtenrate, Millionen Ausgewanderte, getrennte Familien, zerst\u00f6rte Infrastruktur und die Abwanderung junger Fachkr\u00e4fte. Der Wiederaufbau wird nicht nur Beton, sondern Vertrauen, Rechtsstaatlichkeit und M\u00f6glichkeiten zur R\u00fcckkehr ben\u00f6tigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gef\u00e4hrlichste Zukunft w\u00e4re ein nur nominell souver\u00e4ner, entv\u00f6lkerter Frontstaat unter st\u00e4ndigem Raketenrisiko. Ein tragf\u00e4higer Frieden muss daher mehr sichern als das \u00dcberleben einer Flagge. Er muss wirtschaftliche Anschlussf\u00e4higkeit, Luftschutz, Minenr\u00e4umung, Energieversorgung, demokratische Kontrolle des Sicherheitssektors und glaubw\u00fcrdige \u00e4ussere Garantien einschliessen. Ukrainische Staatlichkeit hat den Personenkult nicht n\u00f6tig; sie braucht funktionierende Institutionen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum China Indien Nordkorea S\u00fcdafrika und BRICS Russland st\u00fctzen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bezeichnung \u201eUnterst\u00fctzerstaaten\u201c erfasst sehr unterschiedliche Beziehungen. Nordkorea leistet direkte milit\u00e4rische Hilfe. China st\u00fctzt Russlands wirtschaftliche und technologische Widerstandsf\u00e4higkeit, ohne sich offiziell als Kriegspartei zu bezeichnen. Indien kauft grosse Mengen russischer Energie und pflegt sicherheitspolitische Beziehungen, ruft aber zugleich zu Verhandlungen auf. S\u00fcdafrika vertritt politische N\u00e4he und Blockfreiheit, liefert jedoch keine vergleichbare materielle Kriegsunterst\u00fctzung. BRICS ist kein Milit\u00e4rb\u00fcndnis und besitzt keine einheitliche Ukrainepolitik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">China hat mehrere Interessen zugleich. Es will eine russische Niederlage vermeiden, die amerikanische Macht und westliche Sanktionsf\u00e4higkeit st\u00e4rken w\u00fcrde. Russland liefert Energie, Rohstoffe, strategische Tiefe und diplomatische R\u00fcckendeckung im Wettbewerb mit den Vereinigten Staaten. Handel und chinesische Dual-Use-G\u00fcter helfen der russischen Industrie, Engp\u00e4sse zu umgehen; europ\u00e4ische Sanktionen richten sich deshalb auch gegen einzelne chinesische Unternehmen. Gleichzeitig schaden ein unkontrollierter Krieg, nukleare Eskalation und globale Rezession chinesischen Interessen. Peking beruft sich daher auf Souver\u00e4nit\u00e4t und Verhandlungen, gibt Moskau aber keine harte \u00f6ffentliche Frist zum R\u00fcckzug. Seine bevorzugte Ordnung ist nicht endloser Krieg, sondern eine Beendigung, die Russland nicht dem\u00fctigt, westliche B\u00fcndnisse schw\u00e4cht und China als unverzichtbaren Vermittler erscheinen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Indiens Politik folgt der Tradition strategischer Autonomie. Die Sowjetunion war w\u00e4hrend des Kalten Krieges ein wichtiger Partner, w\u00e4hrend Indien die Vereinigten Staaten und China als h\u00e4ufig Pakistan nahestehend erlebte. Noch heute stammen wesentliche Teile indischer Milit\u00e4rausr\u00fcstung aus russischer Produktion. Nach 2022 bot verbilligtes russisches Erd\u00f6l einem importabh\u00e4ngigen Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern einen starken wirtschaftlichen Anreiz. New Delhi betrachtet westliche Sekund\u00e4rsanktionen zudem als Eingriff in eigene Souver\u00e4nit\u00e4t. Das finanziert mittelbar Russlands Staatshaushalt, auch wenn Indien erkl\u00e4rt, es sichere Energiepreise und Weltmarktstabilit\u00e4t (Reuters 2026). Modis Satz von der \u201ekeinen \u00c4ra des Krieges\u201c zeigt zugleich, dass Indien kein ideologisches Interesse an dauerndem T\u00f6ten hat. Es will Beziehungen zu Russland, zum Westen und zum Globalen S\u00fcden gleichzeitig bewahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">S\u00fcdafrikas Haltung ist ohne die Geschichte des Apartheidkampfs schwer verst\u00e4ndlich. Die Sowjetunion unterst\u00fctzte den African National Congress, w\u00e4hrend westliche Regierungen lange ambivalente oder kooperative Beziehungen zum Apartheidstaat unterhielten. Diese Erinnerung schafft Loyalit\u00e4t. Hinzu kommen blockfreie Tradition, BRICS-Solidarit\u00e4t und die verbreitete Wahrnehmung westlicher Doppelstandards bei Irak, Pal\u00e4stina, Kolonialgeschichte und Sanktionen. S\u00fcdafrika enthielt sich 2022 bei der UN-Verurteilung des russischen Angriffs, statt die Annexionen anzuerkennen. Seine Regierung will verhandeln und sieht sich eher als unabh\u00e4ngige Vermittlerin denn als westliche Gefolgschaft (Reuters 2025b). Diese Selbstbeschreibung darf kritisch gepr\u00fcft werden, insbesondere wenn Neutralit\u00e4t praktisch den st\u00e4rkeren Angreifer beg\u00fcnstigt; sie ist aber nicht mit Kriegsbegeisterung gleichzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nordkorea steht in einer anderen Kategorie. Es liefert Russland nach NATO-Angaben Waffen und Munition und entsandte Truppen; Pj\u00f6ngjang best\u00e4tigte 2025 einen Einsatz an russischer Seite (Reuters 2025c). Daf\u00fcr erh\u00e4lt das Regime Devisen, Nahrungsmittel, Energie, diplomatischen Schutz sowie vermutlich milit\u00e4risches Wissen und Technologie. Der Krieg bietet reale materielle und strategische Gewinne und bindet westliche Ressourcen. Hier ist die These eines Interesses an der Fortsetzung am ehesten begr\u00fcndet. Gleichzeitig entscheidet dar\u00fcber eine abgeschottete Diktatur, nicht eine frei befragte nordkoreanische Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch andere Staaten des Globalen S\u00fcdens unterscheiden zwischen der UN-Charta und der westlichen Sanktionspolitik. Viele stimmten f\u00fcr die Resolution zur territorialen Integrit\u00e4t oder enthielten sich, lehnen aber Sanktionen ausserhalb des Sicherheitsrats ab. Sie f\u00fcrchten steigende Lebensmittel- und Energiepreise, wollen g\u00fcnstige Rohstoffe, R\u00fcstungsg\u00fcter und politischen Spielraum und erinnern an westliche Regelbr\u00fcche. Manche Regierungen gewinnen durch Preisnachl\u00e4sse oder ihre Rolle als Zwischenh\u00e4ndler. Daraus folgt nicht, dass sie massenhaft den Krieg als solchen w\u00fcnschen. H\u00e4ufiger wollen sie ein Ende, dessen Bedingungen nicht allein Washington, Br\u00fcssel oder Moskau festlegen und bei dem ihre eigenen Interessen z\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die moralische Kritik bleibt dennoch berechtigt. Wer russisches \u00d6l, Dual-Use-Technik, Geschosse oder Soldaten bereitstellt, ver\u00e4ndert die F\u00e4higkeit, Krieg zu f\u00fchren. \u201eNeutralit\u00e4t\u201c beschreibt dann nicht fehlende Wirkung. Umgekehrt sollte der Westen seine Partner nicht mit einer Auswahl zwischen moralischer Unterordnung und Feindschaft konfrontieren. Glaubw\u00fcrdiger w\u00e4re eine Ordnung, die dieselben Massst\u00e4be auf russische Aggression, den Irakkrieg, Besatzung und ziviles Leid in anderen Konflikten anwendet. Doppelstandards entschuldigen kein Unrecht; sie schw\u00e4chen aber die Koalition, die ihm entgegentreten soll.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Verhandlungen sind notwendig aber nicht von selbst friedlich<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Friedensforschung bezeichnet negativer Frieden zun\u00e4chst die Abwesenheit unmittelbarer Gewalt; positiver Frieden umfasst zus\u00e4tzlich Institutionen, Rechte und Verh\u00e4ltnisse, die eine erneute Gewaltwahrscheinlichkeit senken. Diese Unterscheidung sch\u00fctzt vor zwei Irrt\u00fcmern. Der erste lautet, ein Waffenstillstand sei wertlos, solange er nicht alle Ursachen l\u00f6se. F\u00fcr Menschen unter Beschuss ist das Ende des Feuers ein eigenst\u00e4ndiges Gut. Der zweite lautet, jedes Schweigen der Waffen sei bereits dauerhafter Frieden. Eine un\u00fcberwachte Kampfpause kann Einheiten neu bewaffnen, Besatzung verfestigen und den n\u00e4chsten Angriff vorbereiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verhandeln bedeutet auch nicht, die moralische Gleichwertigkeit aller Forderungen anzuerkennen. Man verhandelt gerade mit Gegnern, deren Handeln man f\u00fcr falsch h\u00e4lt. Diplomatie ist kein Preis f\u00fcr gutes Verhalten, sondern ein Verfahren, um Gewalt unter Bedingungen tiefen Misstrauens zu begrenzen. Sie braucht milit\u00e4rische und politische Realit\u00e4tssinne, darf aber Gewaltgewinne nicht automatisch in Recht verwandeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gespr\u00e4che von 2022 zeigen, dass selbst w\u00e4hrend schwerer K\u00e4mpfe Ann\u00e4herungen m\u00f6glich sind. Sie zeigen ebenso, weshalb abstrakte Appelle nicht gen\u00fcgen. Eine Neutralit\u00e4tszusage ist nur so tragf\u00e4hig wie ihre Sicherheitsgarantie. Eine Garantie ist nur glaubw\u00fcrdig, wenn feststeht, wer bei einem Verstoss was tut und ob die Garantiem\u00e4chte politisch sowie milit\u00e4risch dazu f\u00e4hig sind. Das Budapester Memorandum hat die Ukraine gelehrt, dass feierliche Zusicherungen ohne Durchsetzungsmechanismus zu wenig sein k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wo sich die Parteien bewegen m\u00fcssten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gr\u00f6sste Bewegung ist von Russland erforderlich, weil Russland den grossen Krieg begann, ukrainisches Gebiet besetzt und seine Forderungen weit \u00fcber defensiven Grenzschutz hinaus formuliert hat. Ein ernsthafter Friedenswille w\u00fcrde sich zun\u00e4chst in einer \u00fcberpr\u00fcfbaren Einstellung von Angriffen auf St\u00e4dte und Energieversorgung, dem Ende territorialer Maximalforderungen, der Anerkennung einer fortbestehenden souver\u00e4nen Ukraine sowie der Bereitschaft zeigen, R\u00fcckzug und Statusfragen verbindlich zu verhandeln. Dazu geh\u00f6ren die R\u00fcckgabe verschleppter Kinder, Zugang f\u00fcr internationale Beobachter und umfassende Gefangenenaustausche. Ein blosses Angebot, dass die Ukraine ihre Verteidigung reduziert und Russland besetztes Gebiet beh\u00e4lt, w\u00e4hrend k\u00fcnftige Sicherheit offenbleibt, w\u00e4re eher ein Diktat als ein stabiler Kompromiss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Ukraine wird schwierige Entscheidungen treffen m\u00fcssen, falls vollst\u00e4ndige milit\u00e4rische R\u00fcckeroberung auf absehbare Zeit nicht erreichbar ist. Sie k\u00f6nnte zwischen rechtlichem Anspruch und vorl\u00e4ufiger tats\u00e4chlicher Kontrolle unterscheiden. Ein Waffenstillstand entlang einer \u00fcberwachten Linie m\u00fcsste die Annexionen nicht anerkennen; die endg\u00fcltige territoriale Frage k\u00f6nnte aufgeschoben werden. Das w\u00e4re schmerzhaft und riskant, aber historisch nicht ungew\u00f6hnlich. Dauerhafte Gebietsabtretungen oder Verfassungs\u00e4nderungen d\u00fcrften nicht unter unmittelbarem Zwang und ohne demokratische Legitimation beschlossen werden. Kiew m\u00fcsste ausserdem rechtsstaatliche Reformen, Minderheitenschutz und die Untersuchung eigener Rechtsverst\u00f6sse fortf\u00fchren, gerade weil es eine andere politische Ordnung verteidigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die westlichen Staaten m\u00fcssen Abschreckung und Diplomatie zusammendenken. Milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung kann verhindern, dass Verhandlungen zur Kapitulation werden; sie darf aber nicht zur Ersatzstrategie ohne politisches Ziel erstarren. Der Westen sollte pr\u00e4zisieren, welche Sicherheitsgarantien er langfristig tragen kann, welche Sanktionen bei welchen \u00fcberpr\u00fcfbaren Schritten gelockert w\u00fcrden und welche bei Vertragsbruch automatisch zur\u00fcckkehrten. Er darf keinen Frieden \u00fcber ukrainische K\u00f6pfe hinweg schliessen. Ebenso wenig sollte er jeden ukrainischen Maximalwunsch ungepr\u00fcft zu einer eigenen unbegrenzten Verpflichtung machen. Solidarit\u00e4t ist nicht dasselbe wie die Abschaffung politischer Urteilskraft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">China besitzt durch Handel, Technologie und politischen R\u00fcckhalt den gr\u00f6ssten \u00e4usseren Hebel auf Moskau. Indien kann \u00fcber Energiebeziehungen und seine akzeptierte blockfreie Rolle wirken. S\u00fcdafrika, Brasilien und andere Staaten k\u00f6nnen helfen, eine Verhandlungssprache zu schaffen, die ausserhalb westlicher B\u00fcndnislogik glaubw\u00fcrdig ist. Ihre Vermittlung gewinnt aber nur dann Substanz, wenn sie konkrete Verst\u00f6sse benennt und materielle Anreize oder Kosten mobilisiert. Allgemeine Friedensformeln ohne Druck auf denjenigen, der weiter angreift, werden leicht zur diplomatischen Kulisse.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie ein belastbarer Prozess aussehen k\u00f6nnte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein realistischer Prozess m\u00fcsste nicht mit der endg\u00fcltigen Friedensurkunde beginnen. Er k\u00f6nnte zun\u00e4chst besonders gef\u00e4hrliche Bereiche begrenzen: Angriffe auf Energieanlagen, kerntechnische Einrichtungen, H\u00e4fen und dicht bewohnte Gebiete; danach eine zeitlich definierte Feuerpause mit verifizierten Koordinaten. Satellitendaten, Drohnenbeobachtung, technische Sensoren und internationale Teams k\u00f6nnten Verst\u00f6sse dokumentieren. Direkte milit\u00e4rische Kommunikationskan\u00e4le w\u00e4ren n\u00f6tig, damit ein einzelner Zwischenfall nicht sofort die gesamte Vereinbarung zerst\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Parallel m\u00fcssten humanit\u00e4re Fragen behandelt werden, die keine endg\u00fcltige Grenzentscheidung voraussetzen. Dazu z\u00e4hlen Gefangenenaustausch, Aufkl\u00e4rung \u00fcber Vermisste, R\u00fcckf\u00fchrung deportierter Kinder und sterblicher \u00dcberreste, Zugang des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz sowie Schutz der Schifffahrt und von Getreideexporten. Fr\u00fche, sichtbare Erfolge k\u00f6nnen Vertrauen nicht ersetzen, aber die innenpolitische Behauptung widerlegen, jede Kooperation sei unm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die schwierigsten Fragen w\u00e4ren territoriale Kontrolle, ausl\u00e4ndische Truppen, Sanktionen und ukrainische Sicherheit. Denkbar w\u00e4re eine gestufte Vereinbarung: milit\u00e4rische Entflechtung und \u00dcberwachung gegen schrittweise, jederzeit umkehrbare Sanktionslockerung; eine stark verteidigungsf\u00e4hige Ukraine ohne bestimmte Stationierungen; Garantien mehrerer Staaten mit vorab vereinbarten Reaktionen; sp\u00e4tere Gespr\u00e4che \u00fcber den endg\u00fcltigen Status umstrittener Gebiete. Freie Abstimmungen w\u00e4ren erst nach Entmilitarisierung, R\u00fcckkehr Vertriebener, Medienfreiheit und l\u00e4ngerer internationaler Verwaltung aussagekr\u00e4ftig. Ein unter Besatzung organisiertes Referendum w\u00e4re keine L\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerechtigkeit und Frieden d\u00fcrfen dabei nicht als vollst\u00e4ndige Gegens\u00e4tze behandelt werden. Pauschale Straflosigkeit f\u00fcr internationale Kernverbrechen w\u00e4re rechtlich und moralisch problematisch; die Forderung, vor jeder Feuerpause s\u00e4mtliche T\u00e4ter abzuurteilen, w\u00e4re praktisch t\u00f6dlich. Strafverfolgung, Wahrheitsdokumentation, Wiedergutmachung und institutionelle Reform k\u00f6nnen unterschiedliche Zeitachsen haben. Entscheidend ist, Beweise zu sichern und die Opfer nicht aus dem Prozess zu verdr\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vereinten Nationen k\u00f6nnten humanit\u00e4re, technische und beobachtende Aufgaben \u00fcbernehmen, auch wenn Russlands Vetorecht den Sicherheitsrat blockiert. Die OSZE verf\u00fcgt \u00fcber Erfahrungen mit Beobachtung, ben\u00f6tigt aber ein neues Mandat, Zugang und Schutz. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz ist f\u00fcr Gefangene und Vermisste unverzichtbar. Die Schweiz kann gute Dienste, Fachwissen und einen diskreten Gespr\u00e4chsort anbieten. Ihre \u00dcbernahme europ\u00e4ischer Sanktionen hat in Moskau Vertrauen vermindert, doch Neutralit\u00e4t bedeutet nicht Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber der UN-Charta. Glaubw\u00fcrdigkeit entst\u00fcnde durch konsequenten humanit\u00e4ren Zugang, gleiche Rechtsmassst\u00e4be und Bereitschaft, auch unbequeme Gespr\u00e4chskan\u00e4le offen zu halten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Lehre aus Namibia<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Erfahrung mit den Vereinten Nationen in Namibia pr\u00e4gt die \u00dcberzeugung, dass Krieg keinen Gewinn hervorbringt. Der Vergleich darf nicht \u00fcberdehnt werden: Kolonialherrschaft, s\u00fcdafrikanische Besetzung, regionaler Befreiungskrieg und der heutige russisch-ukrainische Krieg besitzen verschiedene Akteure und Rechtslagen. Dennoch zeigt Namibias Weg zur Unabh\u00e4ngigkeit ein allgemeines Muster. Die Resolution 435 des Sicherheitsrats lag seit 1978 vor, wurde aber erst 1989 umgesetzt. Papier allein schuf keinen Frieden. Erst ver\u00e4nderte regionale Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse, die Abkommen \u00fcber Angola, Bewegung der \u00e4usseren M\u00e4chte, akzeptierte Verfahrensregeln und eine internationale \u00dcbergangsmission machten Wahlen und Unabh\u00e4ngigkeit m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch dort gab es zu Beginn der Umsetzung t\u00f6dliche Gewalt und tiefes Misstrauen. UNTAG musste \u00fcberwachen, vermitteln und institutionelle Bedingungen sichern. Die Lehre ist weder, die Konflikte seien gleich, noch, eine Blaupause k\u00f6nne kopiert werden. Sie lautet: Verhandlungen werden wirksam, wenn Interessen sich ver\u00e4ndern, externe Unterst\u00fctzer mitwirken, eine \u00fcberpr\u00fcfbare Sequenz vereinbart wird und die betroffene Bev\u00f6lkerung eine politische Zukunft erh\u00e4lt. Frieden braucht Geduld, aber Geduld darf nicht Passivit\u00e4t gegen\u00fcber fortgesetztem T\u00f6ten bedeuten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Stand der Diplomatie im September 2026<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einer sechsmonatigen Unterbrechung wurden Anfang September 2026 unter amerikanischer F\u00fchrung getrennte Gespr\u00e4che mit Russland und der Ukraine wieder aufgenommen. Nach Einsch\u00e4tzung der Bibliothek des britischen Unterhauses brachten sie wenig erkennbare Ann\u00e4herung. Moskau verwies weiter auf milit\u00e4rische Fortschritte und seine sogenannten Grundursachen; Kiew erkl\u00e4rte die Territorialfrage zur Angelegenheit der Staatschefs. Dreiseitige Gespr\u00e4che in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden f\u00fcr Oktober grunds\u00e4tzlich akzeptiert, ein Datum und die Ebene der Teilnehmer standen am 22. September noch nicht fest (Mills 2026). Parallel blieb eine begrenzte Vereinbarung zum Schutz der Energieinfrastruktur Gegenstand diplomatischer Bem\u00fchungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist wenig, aber nicht bedeutungslos. Teilabkommen k\u00f6nnen Leben sch\u00fctzen und Kommunikationskan\u00e4le stabilisieren. Sie werden einen umfassenden Frieden jedoch kaum ersetzen, solange Russland auf territorialen und sicherheitspolitischen Forderungen beharrt, die Ukraine ohne glaubw\u00fcrdige Garantien eine erneute Invasion f\u00fcrchtet und beide Seiten hoffen, ihre Verhandlungsposition milit\u00e4risch zu verbessern. Diplomatie existiert; ein gemeinsamer Verhandlungsraum ist noch nicht gross genug.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ausblick<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurzfristig ist ein fortgesetzter Abnutzungskrieg wahrscheinlicher als ein umfassender Friedensvertrag. Russland besitzt gr\u00f6ssere personelle und industrielle Reserven, zahlt daf\u00fcr aber hohe menschliche, fiskalische und technologische Kosten. Die Ukraine kann mit eigener Innovation und ausl\u00e4ndischer Hilfe Widerstand leisten, ist jedoch st\u00e4rker von verl\u00e4sslicher externer Unterst\u00fctzung und ihrer demografischen Basis abh\u00e4ngig. Beide Seiten f\u00fchren zugleich einen Krieg gegen die Zeit: Moskau hofft auf westliche Erm\u00fcdung; Kiew auf steigende russische Kosten und dauerhafte Sicherheitsbindung seiner Partner.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein begrenzter Waffenstillstand oder eine faktisch eingefrorene Front ist mittelfristig plausibler als ein abschliessender territorialer Vergleich. Ein solches Ergebnis k\u00f6nnte viele Leben retten und dennoch gef\u00e4hrlich instabil bleiben. Ohne glaubw\u00fcrdige \u00dcberwachung und Garantien k\u00f6nnte Russland die Pause zur Wiederaufr\u00fcstung nutzen; ohne politische Perspektive k\u00f6nnte die Ukraine den Stillstand als vor\u00fcbergehende Besatzung behandeln. Der koreanische Waffenstillstand zeigt, dass ein unvollst\u00e4ndiges Abkommen Jahrzehnte halten kann; er zeigt ebenso, dass Schweigen der Waffen nicht Vers\u00f6hnung bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein milit\u00e4rischer Durchbruch einer Seite ist m\u00f6glich, aber nicht zuverl\u00e4ssig prognostizierbar. Selbst ein russischer Gel\u00e4ndegewinn w\u00fcrde die politische Loyalit\u00e4t einer grossen ukrainischen Bev\u00f6lkerung nicht automatisch herstellen. Selbst eine ukrainische R\u00fcckeroberung w\u00fcrde die Sicherheitskonfrontation mit einem nuklear bewaffneten Russland nicht beenden. F\u00fchrungswechsel, Wirtschaftskrisen oder internationale Eskalationen k\u00f6nnten pl\u00f6tzlich neue M\u00f6glichkeiten schaffen, bergen aber ebenso grosse Gefahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der g\u00fcnstigste realistische Weg ist daher kein einzelner Gipfel und kein rettender Machthaber. Er ist eine Folge begrenzter, \u00fcberpr\u00fcfbarer Vereinbarungen, verbunden mit glaubw\u00fcrdiger ukrainischer Sicherheit und einer f\u00fcr Russland sichtbaren M\u00f6glichkeit, aus weiterer Aggression auszusteigen, ohne dass Annexion als Recht anerkannt wird. Frieden braucht Druck und einen Ausgang. Nur Druck kann Eskalation erzeugen; nur ein Ausgang ohne Druck belohnt Gewalt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Schlussgedanke<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Menschen, denen ich im September 2021 begegnete, hatten die Spannung fr\u00fcher gesp\u00fcrt als viele westliche Beobachter. Ihre Herzlichkeit gegen\u00fcber uns Schweizern und ihre Angst vor Russland geh\u00f6rten zur selben Wirklichkeit. Ihre harten Worte kamen aus Erfahrung und Vorahnung. Sie verdienen, ernst genommen zu werden. Sie d\u00fcrfen dennoch nicht in eine Verurteilung aller Russen als barbarisches Volk \u00fcbersetzt werden. Eine solche Verallgemeinerung w\u00fcrde genau die Entmenschlichung fortsetzen, aus der Kriege Nahrung ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wissenschaftlich belastbare Antwort auf die Schuldfrage ist asymmetrisch, aber nicht eindimensional. Westliche Politik schuf Fehler, Kr\u00e4nkungen und riskante Grauzonen. Die Ukraine war kein makelloser Staat; der Machtwechsel 2014 war nicht verfassungsrechtlich sauber und ausl\u00e4ndische M\u00e4chte mischten sich ein. Im Donbas litten Menschen auf beiden Seiten. All dies geh\u00f6rt zur Wahrheit. Es \u00e4ndert nicht, wer die Krim milit\u00e4risch besetzte, wer 2022 die Grenze mit einer Invasionsarmee \u00fcberschritt und wer den Krieg jederzeit durch R\u00fcckzug aus einem souver\u00e4nen Nachbarstaat grundlegend beenden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Krieg ist kein Zustand. Er ist die fortgesetzte Zerst\u00f6rung der Bedingungen, unter denen Politik, Familie und Erinnerung \u00fcberhaupt m\u00f6glich sind. Verhandlungen sind immer besser als die Vorstellung, T\u00f6ten sei selbst eine L\u00f6sung. Aber eine Verhandlung ist nicht schon deshalb gerecht, weil gesprochen wird, und eine Kapitulation ist nicht schon deshalb Frieden, weil danach weniger geschossen wird. Mein Pazifismus verlangt deshalb nicht Wehrlosigkeit. Er verlangt, dass jeder milit\u00e4rische Zweck an der R\u00fcckkehr zur Politik gemessen wird, dass jedes Menschenleben auf beiden Seiten z\u00e4hlt und dass Schutz niemals zum Selbstzweck endloser Gewalt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stimmen der Eltern geh\u00f6ren an den Verhandlungstisch, auch wenn sie dort nicht pers\u00f6nlich sitzen: die ukrainische Mutter, deren Kind unter Tr\u00fcmmern starb; der russische Vater, der den Sohn ohne verl\u00e4ssliche Auskunft verlor; die Familie eines verschleppten Kindes; die Angeh\u00f6rigen eines Gefangenen. Sie werden nicht alle dasselbe fordern. Gerade deshalb darf kein Machthaber behaupten, allein in ihrem Namen zu sprechen. Frieden beginnt, wenn ihre Verluste nicht mehr als Treibstoff f\u00fcr den n\u00e4chsten Verlust benutzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ukraine wird mit hoher Wahrscheinlichkeit als Staat bestehen bleiben. Ob sie als sichere, demokratische und lebensf\u00e4hige Gesellschaft bestehen kann, h\u00e4ngt von mehr ab als von Putin oder Selenskyj. Es h\u00e4ngt davon ab, ob Russland imperiale Verf\u00fcgung durch Nachbarschaft ersetzt, ob die Ukraine schmerzhafte Entscheidungen demokratisch tragen kann, ob der Westen Schutz mit Diplomatie verbindet und ob China, Indien, S\u00fcdafrika und andere M\u00e4chte ihre Friedensrhetorik in politischen Einfluss \u00fcbersetzen. Der Ausgang ist offen. Gerade deshalb ist Handeln m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Quellen und Literatur<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><em>Nachrichtenquellen dienen vor allem zur Dokumentation konkreter Aussagen und Ereignisse; historische und rechtliche Bewertungen st\u00fctzen sich vorrangig auf Fachliteratur und Prim\u00e4rdokumente.<\/em><\/h6>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Amnesty International. 2025. \u201eRussia 2024\/25\u201c. Amnesty International Report. <a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/location\/europe-and-central-asia\/eastern-europe-and-central-asia\/russia\/report-russia\/\">https:\/\u200b\/\u200bwww.amnesty.org\/\u200ben\/\u200blocation\/\u200beurope-and-central-asia\/\u200beastern-europe-and-central-asia\/\u200brussia\/\u200breport-russia\/\u200b<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aussenministerium der Volksrepublik China. 2023. \u201eChina\u2019s Position on the Political Settlement of the Ukraine Crisis\u201c. 24. Februar. <a href=\"https:\/\/www.fmprc.gov.cn\/eng\/zy\/gb\/202405\/t20240531_11367485.html\">https:\/\u200b\/\u200bwww.fmprc.gov.cn\/\u200beng\/\u200bzy\/\u200bgb\/\u200b202405\/\u200bt20240531_11367485.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">BBC News. 2014. \u201eUkraine crisis: Transcript of leaked Nuland-Pyatt call\u201c. 7. Februar. <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/world-europe-26079957\">https:\/\u200b\/\u200bwww.bbc.com\/\u200bnews\/\u200bworld-europe-26079957<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Charap, Samuel, und Sergey Radchenko. 2024. \u201eThe Talks That Could Have Ended the War in Ukraine\u201c. Foreign Affairs 103, Nr. 3. <a href=\"https:\/\/www.foreignaffairs.com\/ukraine\/talks-could-have-ended-war-ukraine\">https:\/\u200b\/\u200bwww.foreignaffairs.com\/\u200bukraine\/\u200btalks-could-have-ended-war-ukraine<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gallup. 2026. \u201eUkrainians Sour on Washington as Views of War Stabilize\u201c. <a href=\"https:\/\/news.gallup.com\/poll\/711992\/ukrainians-sour-washington-views-war-stabilize.aspx\">https:\/\u200b\/\u200bnews.gallup.com\/\u200bpoll\/\u200b711992\/\u200bukrainians-sour-washington-views-war-stabilize.aspx<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Guterres, Ant\u00f3nio. 2022. \u201eSecretary-General statement on Ukraine\u201c. Vereinte Nationen, 24. Februar. <a href=\"https:\/\/reliefweb.int\/report\/ukraine\/secretary-general-statement-ukraine-calls-russian-federation-s-military-offensive\">https:\/\u200b\/\u200breliefweb.int\/\u200breport\/\u200bukraine\/\u200bsecretary-general-statement-ukraine-calls-russian-federation-s-military-offensive<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Internationaler Gerichtshof (IGH). 2022. Allegations of Genocide under the Convention on the Prevention and Punishment of the Crime of Genocide, Ukraine v. Russian Federation, Order of 16 March 2022. <a href=\"https:\/\/www.icj-cij.org\/case\/182\">https:\/\u200b\/\u200bwww.icj-cij.org\/\u200bcase\/\u200b182<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Internationaler Strafgerichtshof (IStGH). 2023\u20132026. \u201eSituation in Ukraine\u201c. <a href=\"https:\/\/www.icc-cpi.int\/situations\/ukraine\">https:\/\u200b\/\u200bwww.icc-cpi.int\/\u200bsituations\/\u200bukraine<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Inter-Parliamentary Union. 2019. \u201eUkraine Parliamentary Election 21 July 2019\u201c. Parline. <a href=\"https:\/\/data.ipu.org\/parliament\/UA\/UA-LC01\/election\/UA-LC01-E20190721\">https:\/\u200b\/\u200bdata.ipu.org\/\u200bparliament\/\u200bUA\/\u200bUA-LC01\/\u200belection\/\u200bUA-LC01-E20190721<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lewada-Zentrum. 2023. \u201eAre Meaningful Public Opinion Polls Possible in Today\u2019s Russia?\u201c 24. April. <a href=\"https:\/\/www.levada.ru\/en\/2023\/04\/24\/are-meaningful-public-opinion-polls-possible-in-today-s-russia\/\">https:\/\u200b\/\u200bwww.levada.ru\/\u200ben\/\u200b2023\/\u200b04\/\u200b24\/\u200bare-meaningful-public-opinion-polls-possible-in-today-s-russia\/\u200b<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lewada-Zentrum. 2026. \u201eUkraine Conflict in January 2026\u201c. 4. Februar. <a href=\"https:\/\/www.levada.ru\/en\/2026\/02\/04\/ukraine-conflict-in-january-2026\/\">https:\/\u200b\/\u200bwww.levada.ru\/\u200ben\/\u200b2026\/\u200b02\/\u200b04\/\u200bukraine-conflict-in-january-2026\/\u200b<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Marples, David R., und Frederick V. Mills, Hrsg. 2015. Ukraine\u2019s Euromaidan: Analyses of a Civic Revolution. Stuttgart: ibidem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mills, Claire. 2026. \u201eUkraine: A new push for peace\u201c. House of Commons Library Research Briefing CBP-12198, 15. September. <a href=\"https:\/\/commonslibrary.parliament.uk\/research-briefings\/cbp-12198\/\">https:\/\u200b\/\u200bcommonslibrary.parliament.uk\/\u200bresearch-briefings\/\u200bcbp-12198\/\u200b<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">NATO. 2026. \u201eNATO\u2019s support for Ukraine\u201c. <a href=\"https:\/\/www.nato.int\/en\/what-we-do\/partnerships-and-cooperation\/natos-support-for-ukraine\">https:\/\u200b\/\u200bwww.nato.int\/\u200ben\/\u200bwhat-we-do\/\u200bpartnerships-and-cooperation\/\u200bnatos-support-for-ukraine<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">OHCHR. 2022. \u201eConflict-related civilian casualties in Ukraine, 14 April 2014 to 31 December 2021\u201c. <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/sites\/default\/files\/2022-02\/Conflict-related_civilian_casualties_as_of_31_December_2021_corrected.pdf\">https:\/\u200b\/\u200bwww.ohchr.org\/\u200bsites\/\u200bdefault\/\u200bfiles\/\u200b2022-02\/\u200bConflict-related_civilian_casualties_as_of_31_December_2021_corrected.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">OHCHR. 2026. \u201eProtection of Civilians in Armed Conflict, August 2026\u201c. UN Human Rights Monitoring Mission in Ukraine. <a href=\"https:\/\/ukraine.ohchr.org\/sites\/default\/files\/2026-09\/Ukraine%20-%20protection%20of%20civilians%20in%20armed%20conflict%20%28August%29_ENG.pdf\">https:\/\u200b\/\u200bukraine.ohchr.org\/\u200bsites\/\u200bdefault\/\u200bfiles\/\u200b2026-09\/\u200bUkraine%20-%20protection%20of%20civilians%20in%20armed%20conflict%20%28August%29_ENG.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Onuch, Olga. 2014. \u201eThe Maidan and Beyond: Who Were the Protesters?\u201c Journal of Democracy 25, Nr. 3: 44\u201351. <a href=\"https:\/\/www.journalofdemocracy.org\/articles\/the-maidan-and-beyond-who-were-the-protesters\/\">https:\/\u200b\/\u200bwww.journalofdemocracy.org\/\u200barticles\/\u200bthe-maidan-and-beyond-who-were-the-protesters\/\u200b<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Onuch, Olga, und Henry E. Hale. 2022. The Zelensky Effect. London: Hurst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">OSZE\/ODIHR. 2014. Ukraine Early Presidential Election 25 May 2014, OSCE\/ODIHR Election Observation Mission Final Report. Warschau. <a href=\"https:\/\/odihr.osce.org\/sites\/default\/files\/f\/documents\/a\/b\/120549.pdf\">https:\/\u200b\/\u200bodihr.osce.org\/\u200bsites\/\u200bdefault\/\u200bfiles\/\u200bf\/\u200bdocuments\/\u200ba\/\u200bb\/\u200b120549.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Plokhy, Serhii. 2015. The Gates of Europe: A History of Ukraine. New York: Basic Books.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Plokhy, Serhii. 2023. The Russo-Ukrainian War: The Return of History. New York: W. W. Norton.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Putin, Wladimir. 2021. \u201eOn the Historical Unity of Russians and Ukrainians\u201c. 12. Juli. <a href=\"http:\/\/en.kremlin.ru\/events\/president\/news\/66181\">http:\/\u200b\/\u200ben.kremlin.ru\/\u200bevents\/\u200bpresident\/\u200bnews\/\u200b66181<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Putin, Wladimir. 2022a. \u201eAddress by the President of the Russian Federation\u201c. 21. Februar. <a href=\"http:\/\/en.kremlin.ru\/events\/president\/news\/67828\">http:\/\u200b\/\u200ben.kremlin.ru\/\u200bevents\/\u200bpresident\/\u200bnews\/\u200b67828<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Putin, Wladimir. 2022b. \u201eAddress by the President of the Russian Federation\u201c. 24. Februar. <a href=\"http:\/\/en.kremlin.ru\/events\/president\/news\/67843\">http:\/\u200b\/\u200ben.kremlin.ru\/\u200bevents\/\u200bpresident\/\u200bnews\/\u200b67843<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reuters. 2022. \u201eIndian PM Modi tells Russia\u2019s Putin: now is not an era of war\u201c. 16. September. <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/indian-pm-modi-tells-russias-putin-now-is-not-era-war-2022-09-16\/\">https:\/\u200b\/\u200bwww.reuters.com\/\u200bworld\/\u200bindian-pm-modi-tells-russias-putin-now-is-not-era-war-2022-09-16\/\u200b<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reuters. 2024a. \u201eHundreds mourn mother, daughters killed in Russian strike on Lviv\u201c. 6. September. <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/europe\/hundreds-mourn-mother-daughters-killed-russian-strike-lviv-2024-09-06\/\">https:\/\u200b\/\u200bwww.reuters.com\/\u200bworld\/\u200beurope\/\u200bhundreds-mourn-mother-daughters-killed-russian-strike-lviv-2024-09-06\/\u200b<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reuters. 2024b. \u201eRussian doctor denounced online is jailed for spreading \u2018fakes\u2019 about army\u201c. 12. November. <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/europe\/russian-doctor-denounced-online-is-jailed-spreading-fakes-about-russian-army-2024-11-12\/\">https:\/\u200b\/\u200bwww.reuters.com\/\u200bworld\/\u200beurope\/\u200brussian-doctor-denounced-online-is-jailed-spreading-fakes-about-russian-army-2024-11-12\/\u200b<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reuters. 2025a. \u201ePutin says the whole of Ukraine is ours in theory\u201c. 20. Juni. <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/europe\/putin-says-the-whole-ukraine-is-ours-theory-may-take-city-sumy-2025-06-20\/\">https:\/\u200b\/\u200bwww.reuters.com\/\u200bworld\/\u200beurope\/\u200bputin-says-the-whole-ukraine-is-ours-theory-may-take-city-sumy-2025-06-20\/\u200b<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reuters. 2025b. \u201eSouth Africa says Ukraine peace talks should have no preconditions\u201c. 24. April. <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/south-africa-says-ukraine-peace-talks-should-have-no-preconditions-2025-04-24\/\">https:\/\u200b\/\u200bwww.reuters.com\/\u200bworld\/\u200bsouth-africa-says-ukraine-peace-talks-should-have-no-preconditions-2025-04-24\/\u200b<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reuters. 2025c. \u201eNorth Korea confirms troop deployment to Russia, hails \u2018heroes\u2019\u201c. 27. April. <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/north-korea-confirms-troop-deployment-russia-first-time-kcna-report-2025-04-27\/\">https:\/\u200b\/\u200bwww.reuters.com\/\u200bworld\/\u200bnorth-korea-confirms-troop-deployment-russia-first-time-kcna-report-2025-04-27\/\u200b<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reuters. 2026. \u201eNew US sanctions bill on Russia puts India\u2019s Modi in a bind\u201c. 18. September. <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/energy\/new-us-sanctions-bill-russia-puts-indias-modi-bind-2026-09-18\/\">https:\/\u200b\/\u200bwww.reuters.com\/\u200bbusiness\/\u200benergy\/\u200bnew-us-sanctions-bill-russia-puts-indias-modi-bind-2026-09-18\/\u200b<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sasse, Gwendolyn. 2023. Russia\u2019s War Against Ukraine. Cambridge: Polity.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sarotte, Mary Elise. 2021. Not One Inch: America, Russia, and the Making of Post-Cold War Stalemate. New Haven: Yale University Press.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Savranskaya, Svetlana, und Tom Blanton. 2017. \u201eNATO Expansion: What Gorbachev Heard\u201c. National Security Archive Briefing Book 613. <a href=\"https:\/\/nsarchive.gwu.edu\/briefing-book\/russia-programs\/2017-12-12\/nato-expansion-what-gorbachev-heard-western-leaders-early\">https:\/\u200b\/\u200bnsarchive.gwu.edu\/\u200bbriefing-book\/\u200brussia-programs\/\u200b2017-12-12\/\u200bnato-expansion-what-gorbachev-heard-western-leaders-early<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selenskyj, Wolodymyr. 2022. \u201eAddress by the President of Ukraine\u201c. 24. Februar. <a href=\"https:\/\/www.president.gov.ua\/en\/news\/zvernennya-prezidenta-ukrayini-73165\">https:\/\u200b\/\u200bwww.president.gov.ua\/\u200ben\/\u200bnews\/\u200bzvernennya-prezidenta-ukrayini-73165<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Shifrinson, Joshua R. Itzkowitz. 2016. \u201eDeal or No Deal? The End of the Cold War and the U.S. Offer to Limit NATO Expansion\u201c. International Security 40, Nr. 4: 7\u201344. <a href=\"https:\/\/www.belfercenter.org\/publication\/deal-or-no-deal-end-cold-war-and-us-offer-limit-nato-expansion\">https:\/\u200b\/\u200bwww.belfercenter.org\/\u200bpublication\/\u200bdeal-or-no-deal-end-cold-war-and-us-offer-limit-nato-expansion<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Snyder, Timothy. 2003. The Reconstruction of Nations: Poland, Ukraine, Lithuania, Belarus, 1569\u20131999. New Haven: Yale University Press.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Toal, Gerard. 2017. Near Abroad: Putin, the West, and the Contest over Ukraine and the Caucasus. New York: Oxford University Press.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ukraine. 1996, laufend ge\u00e4ndert. Constitution of Ukraine, insbesondere Artikel 111 und 112. <a href=\"https:\/\/zakon.rada.gov.ua\/laws\/show\/en\/254%D0%BA\/96-%D0%B2%D1%80#Text\">https:\/\u200b\/\u200bzakon.rada.gov.ua\/\u200blaws\/\u200bshow\/\u200ben\/\u200b254%D0%BA\/\u200b96-%D0%B2%D1%80#Text<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">UNHCR. 2026. \u201eUkraine Situation: 2026 Plans and Financial Requirements\u201c. <a href=\"https:\/\/data.unhcr.org\/en\/documents\/download\/120716\">https:\/\u200b\/\u200bdata.unhcr.org\/\u200ben\/\u200bdocuments\/\u200bdownload\/\u200b120716<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vereinte Nationen. 2026. \u201eUkraine\u201c. Office of the Special Representative of the Secretary-General for Children and Armed Conflict. <a href=\"https:\/\/childrenandarmedconflict.un.org\/en\/ukraine\">https:\/\u200b\/\u200bchildrenandarmedconflict.un.org\/\u200ben\/\u200bukraine<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">United Nations Treaty Collection. 1994. Memorandum on Security Assurances in Connection with Ukraine\u2019s Accession to the Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons. <a href=\"https:\/\/treaties.un.org\/Pages\/showDetails.aspx?objid=0800000280401fbb\">https:\/\u200b\/\u200btreaties.un.org\/\u200bPages\/\u200bshowDetails.aspx?objid=0800000280401fbb<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">UN-Generalversammlung. 2014. Resolution 68\/262, Territorial integrity of Ukraine, 27. M\u00e4rz. <a href=\"https:\/\/www.securitycouncilreport.org\/atf\/cf\/%7B65BFCF9B-6D27-4E9C-8CD3-CF6E4FF96FF9%7D\/a_res_68_262.pdf\">https:\/\u200b\/\u200bwww.securitycouncilreport.org\/\u200batf\/\u200bcf\/\u200b%7B65BFCF9B-6D27-4E9C-8CD3-CF6E4FF96FF9%7D\/\u200ba_res_68_262.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">UN-Generalversammlung. 2022. Resolution ES-11\/1, Aggression against Ukraine, 2. M\u00e4rz. <a href=\"https:\/\/digitallibrary.un.org\/record\/3965290?ln=en\">https:\/\u200b\/\u200bdigitallibrary.un.org\/\u200brecord\/\u200b3965290?ln=en<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vereinte Nationen. 1989\u20131990. \u201eUnited Nations Transition Assistance Group\u201c. <a href=\"https:\/\/peacekeeping.un.org\/en\/mission\/past\/untag.htm\">https:\/\u200b\/\u200bpeacekeeping.un.org\/\u200ben\/\u200bmission\/\u200bpast\/\u200buntag.htm<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Yekelchyk, Serhy. 2023. \u201eThe Making of Independent Ukraine\u201c. LSE Public Policy Review 3, Nr. 1, Art. 6. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.31389\/lseppr.90\">https:\/\u200b\/\u200bdoi.org\/\u200b10.31389\/\u200blseppr.90<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Krieg gegen die Ukraine &#8211; Historische Ursachen politische Deutungen menschliches Leid und realistische Wege zu Verhandlungen<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":3587,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[1,637],"tags":[608],"class_list":["post-3585","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-myanmar-burma-international","tag-kommunikation"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.7 - 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