{"id":3534,"date":"2026-09-14T08:04:00","date_gmt":"2026-09-14T06:04:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/?p=3534"},"modified":"2026-09-11T21:31:23","modified_gmt":"2026-09-11T19:31:23","slug":"wenn-besser-nicht-mehr-gut-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wenn-besser-nicht-mehr-gut-ist\/","title":{"rendered":"Wenn besser nicht mehr gut ist"},"content":{"rendered":"\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><strong>Perfektionismus, Selbstliebe und die Kunst, in der Pflege das Gute zu sch\u00fctzen, ohne Entwicklung zu verhindern<\/strong><\/h6>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/e5678897-5d5e-4ea9-9225-eaea91018d92.png?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1290\" height=\"726\" data-attachment-id=\"3535\" data-permalink=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/e5678897-5d5e-4ea9-9225-eaea91018d92\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/e5678897-5d5e-4ea9-9225-eaea91018d92.png?fit=1672%2C941&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1672,941\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;,&quot;alt&quot;:&quot;&quot;}\" data-image-title=\"e5678897-5d5e-4ea9-9225-eaea91018d92\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/e5678897-5d5e-4ea9-9225-eaea91018d92.png?fit=1024%2C576&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/e5678897-5d5e-4ea9-9225-eaea91018d92.png?resize=1290%2C726&#038;ssl=1\" alt=\"e5678897-5d5e-4ea9-9225-eaea91018d92\" class=\"wp-image-3535\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/e5678897-5d5e-4ea9-9225-eaea91018d92.png?w=1672&amp;ssl=1 1672w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/e5678897-5d5e-4ea9-9225-eaea91018d92.png?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/e5678897-5d5e-4ea9-9225-eaea91018d92.png?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/e5678897-5d5e-4ea9-9225-eaea91018d92.png?resize=768%2C432&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/e5678897-5d5e-4ea9-9225-eaea91018d92.png?resize=1536%2C864&amp;ssl=1 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1290px) 100vw, 1290px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00abNicht das Schlechte ist der \u00e4rgste Feind des Guten \u2013 sondern das Bessere.\u00bb<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">von <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/ueber-den-autor-christoph-j-zingg\/\" data-type=\"post\" data-id=\"2795\">Christoph J. Zingg <\/a>(Autor)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Pr\u00e4ambel: Ein Satz aus Kamerun<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich war Mitte zwanzig, als ich in Kamerun lebte und arbeitete. Ich wollte den kranken Menschen im Regenwald helfen \u2013 nicht irgendwann, sondern m\u00f6glichst sofort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch der Bau des neuen <em>Dispensaires<\/em> kam kaum voran. Die notwendige Bewilligung liess auf sich warten, das Verfahren schien festgefahren, langwierig und m\u00fchsam. Die kleine H\u00fctte, in der wir arbeiteten, taugte nur bedingt f\u00fcr die medizinische Versorgung. Ich sah, was notwendig gewesen w\u00e4re, wusste, was besser sein k\u00f6nnte \u2013 und litt darunter, dass wir dieses Bessere nicht rascher erreichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Regelm\u00e4ssig schrieb ich Berichte an den unterst\u00fctzenden Verein, den Bobassona-Freundeskreis. Ich musste \u00fcber unsere Arbeit und die Situation vor Ort informieren, Fortschritte und Schwierigkeiten schildern und gleichzeitig um weitere Unterst\u00fctzungsgelder werben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einer meiner Berichte muss ziemlich verzweifelt geklungen haben. Vielleicht war er auch gepr\u00e4gt von meinem starken Wunsch, alles m\u00f6glichst richtig und m\u00f6glichst gut zu machen. Wahrscheinlich war ich nicht nur ungeduldig mit den Beh\u00f6rden und den Umst\u00e4nden, sondern auch zu anspruchsvoll gegen\u00fcber mir selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Onkel antwortete mir damals mit zwei S\u00e4tzen:<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00abChristoph, Du musst lernen, dass nicht das Schlechte der \u00e4rgste Feind des Guten ist, sondern das Bessere!<\/strong><\/h6>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><strong>Und Du musst lernen, nicht zu hart mit Dir zu sein!\u00bb<\/strong><\/h6>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr mich als jungen Mann Mitte zwanzig klang diese Antwort zun\u00e4chst fast zu philosophisch. Ich wollte keine Lebensweisheit. Und ich wollte eine Bewilligung. Ich wollte, dass der Bau vorankam. Und ich wollte auch bessere Bedingungen f\u00fcr die Menschen, die unsere Hilfe ben\u00f6tigten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was sollte daran falsch sein?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dennoch pr\u00e4gte sich der Satz tief in mir ein. Vielleicht gerade deshalb, weil ich ihn damals noch nicht wirklich verstand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst viel, viel sp\u00e4ter begann ich zu begreifen, was mein Onkel vermutlich gesehen hatte: Mein Wunsch nach Verbesserung war berechtigt. Er entsprang meinem Engagement, meinem Verantwortungsgef\u00fchl und meiner Sorge um die Menschen. Doch derselbe Anspruch drohte, sich gegen mich selbst zu richten. Das Bild dessen, was sein sollte, liess mich kaum noch wahrnehmen, was unter den schwierigen Bedingungen bereits m\u00f6glich war und tats\u00e4chlich geleistet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bewilligung erhielten wir irgendwann. Das neue <em>Dispensaire<\/em> wurde gebaut und er\u00f6ffnet. Einige Jahre sp\u00e4ter entstand an einem anderen Ort sogar ein zweites. Das Ziel wurde also erreicht \u2013 nur nicht so rasch und geradlinig, wie ich es mir damals gew\u00fcnscht hatte.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Der Satz meines Onkels aber blieb.<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis heute taucht er in meinem Bewusstsein auf, wenn ich etwas noch besser, vollst\u00e4ndiger oder vollkommener machen m\u00f6chte. Er steht dann pl\u00f6tzlich vor mir wie ein inneres Stoppschild. Nicht als Verbot, weiterzudenken oder etwas zu verbessern. Vielmehr als Aufforderung, f\u00fcr einen Moment innezuhalten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist das angestrebte Bessere tats\u00e4chlich notwendig? Dient es noch dem Menschen und der Sache? Oder beginne ich gerade, das bereits Gute abzuwerten, weil es nicht vollkommen ist? Und bin ich in meinem Urteil \u00fcber mich selbst noch gerecht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Satz erinnert mich daran, dass Engagement und Selbsth\u00e4rte nicht dasselbe sind. Dass Verantwortung nicht bedeutet, alles allein tragen zu m\u00fcssen. Und dass ich mit mir selbst ebenso menschlich, liebevoll und fair umgehen darf wie mit den Menschen, denen ich helfen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Erfahrung aus Kamerun bildet den pers\u00f6nlichen Ausgangspunkt dieses Beitrags. Es geht um das Gute und das Bessere, um Perfektionismus und Entwicklung, um Selbstdruck und Selbstliebe \u2013 und um die Frage, wie wir hohe Anspr\u00fcche bewahren k\u00f6nnen, ohne an ihnen zu zerbrechen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00abSchlechter ist schlechter als schlecht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Dennoch gut besser als besser.\u00bb<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2014 Hans J\u00fcrgen Heringer<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Alltag in der Schweiz<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist 14.20 Uhr. Der Fr\u00fchdienst n\u00e4hert sich seinem Ende. Eine Patientin wurde instabil, ein Eintritt kam unangemeldet, ein Angeh\u00f6riger brauchte ein l\u00e4ngeres Gespr\u00e4ch, eine Lernende ben\u00f6tigte Unterst\u00fctzung und eine Kollegin fiel kurzfristig aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die entscheidenden Medikamente wurden verabreicht. Die Verschlechterung der Patientin wurde erkannt und weitergemeldet. Schmerzen wurden behandelt. Die \u00dcbergabe ist vorbereitet. Niemand kam ernsthaft zu Schaden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem geht eine Pflegefachperson mit dem Gef\u00fchl nach Hause, nicht gut genug gewesen zu sein. Sie erinnert sich nicht zuerst an das, was sie erkannt, verhindert und getragen hat. Sie denkt an das Gespr\u00e4ch, das k\u00fcrzer ausfiel als gew\u00fcnscht, an die noch nicht perfekt formulierte Dokumentation und an das Material, das nicht sofort aufgef\u00fcllt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Objektiv war ihre Arbeit unter schwierigen Bedingungen gut. Subjektiv blieb sie ungen\u00fcgend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau hier beginnt die Auseinandersetzung mit dem Guten, dem Besseren und dem Perfektionismus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Woher stammt der Ausspruch?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gel\u00e4ufige Grundform lautet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abDas Bessere ist der Feind des Guten.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oft wird sie Voltaire zugeschrieben. Tats\u00e4chlich schrieb Voltaire 1772 in seiner Verserz\u00e4hlung <em>La B\u00e9gueule<\/em>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00ab<strong>Le mieux est l\u2019ennemi du bien.<\/strong>\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Voltaire bezeichnete den Satz allerdings bereits als Aussage eines italienischen Weisen. Er hat ihn somit nicht erfunden, sondern literarisch bekannt gemacht. \u00c4hnliche franz\u00f6sische Formulierungen sind schon vor Voltaire nachweisbar, unter anderem 1745 und 1757. Auch Montesquieu notierte eine verwandte Fassung: \u00ab<strong>Le mieux est le mortel ennemi du bien.<\/strong>\u00bb Die genaue Urheberschaft l\u00e4sst sich deshalb nicht einer einzelnen Person zuschreiben. <a href=\"https:\/\/fr.wikisource.org\/wiki\/Contes_en_vers_%28Voltaire%29\/La_B%C3%A9gueule\">Voltaires Originaltext<\/a>\u2060 und <a href=\"https:\/\/fr.wiktionary.org\/wiki\/le_mieux_est_l%E2%80%99ennemi_du_bien\">fr\u00fche historische Belege<\/a>\u2060 zeigen vielmehr eine l\u00e4ngere Sprichworttradition.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert ist der Kontext bei Voltaire. Er wendet sich nicht grunds\u00e4tzlich gegen Verbesserung. Klugheit, G\u00fcte, Begabung und Wissen d\u00fcrften sehr wohl weiterentwickelt werden. Gewarnt wird vor der Chim\u00e4re: vor der Jagd nach einem vermeintlich vollkommenen Zustand, der das bereits Tragf\u00e4hige zerst\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ausf\u00fchrlichere deutsche Formulierung<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abNicht das Schlechte ist der \u00e4rgste Feind des Guten \u2013 sondern das Bessere\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ist daher eher eine moderne rhetorische Zuspitzung als ein w\u00f6rtliches Voltaire-Zitat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Sprachwissenschaftler Hans J\u00fcrgen Heringer greift das Verh\u00e4ltnis der W\u00f6rter in seinem Aphorismenband <em>Lichtenbergfiguren. Geistesblitze<\/em> von 2021 spielerisch auf:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abSchlechter ist schlechter als schlecht. Dennoch gut besser als besser.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Formulierung wird Heringer und diesem Band zugeschrieben; eine \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Erl\u00e4uterung seiner pers\u00f6nlichen Intention liegt jedoch nicht vor. Die folgende Deutung ist deshalb eine sprachwissenschaftlich informierte Lesart, keine autorisierte Interpretation des Autors. <a href=\"https:\/\/www.buchkatalog.de\/lichtenbergfiguren-9783826073663\">Bibliografische Angaben zum Buch<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00abBesser\u00bb bezeichnet eine Richtung \u2013 \u00abgut\u00bb einen Massstab<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heringers Satz wirkt zun\u00e4chst widerspr\u00fcchlich. Sein Kern liegt in der unterschiedlichen Logik von Positiv und Komparativ.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abBesser\u00bb und \u00abschlechter\u00bb sind Vergleichsformen. Sie beschreiben eine Bewegung im Verh\u00e4ltnis zu einem Ausgangspunkt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>besser als vorher,<\/li>\n\n\n\n<li>schlechter als gestern,<\/li>\n\n\n\n<li>besser als eine Alternative,<\/li>\n\n\n\n<li>schlechter als erwartet.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die W\u00f6rter sagen allein noch nicht, ob das Ergebnis gut oder schlecht ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abGut\u00bb und \u00abschlecht\u00bb beurteilen dagegen, ob ein kontextabh\u00e4ngiger Massstab erreicht wird. In der Sprachwissenschaft werden solche Adjektive als graduierbar und kontextsensitiv verstanden: Was als \u00abgut\u00bb gilt, h\u00e4ngt davon ab, was beurteilt wird und welcher Standard daf\u00fcr relevant ist. <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s10988-006-9008-0\">Kennedy, 2007<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vereinfacht ausgedr\u00fcckt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Besser<\/strong> bedeutet: Der neue Zustand liegt \u00fcber dem fr\u00fcheren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Gut<\/strong> bedeutet: Der relevante Qualit\u00e4tsmassstab ist erreicht.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Schlechter<\/strong> bedeutet: Die Entwicklung geht abw\u00e4rts.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Schlecht<\/strong> bedeutet: Der erforderliche Massstab wird verfehlt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Prozess kann sich also verbessern und trotzdem ungen\u00fcgend bleiben. Umgekehrt kann sich eine bereits sehr gute Leistung leicht verschlechtern und dennoch weiterhin sicher und professionell sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein frei erfundenes Zahlenbeispiel macht das sichtbar: Steigt die Qualit\u00e4t eines Prozesses von 40 auf 55 Punkte, ist sie besser geworden. Liegt der erforderliche Sicherheitswert aber bei 80, ist sie noch nicht gut. Sinkt ein Wert von 95 auf 90, ist er schlechter geworden, kann aber weiterhin oberhalb des notwendigen Standards liegen. Die absteigende Entwicklung verdient trotzdem Aufmerksamkeit.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Eine Vier-Felder-Lesart<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die folgende Matrix ist eine f\u00fcr diesen Beitrag entwickelte Denk- und Gespr\u00e4chshilfe, kein validiertes Messinstrument:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>Gegenw\u00e4rtiger Zustand<\/strong><\/td><td><strong>Entwicklung<\/strong><\/td><td><strong>Bedeutung<\/strong><\/td><td><strong>Sinnvolle Reaktion<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>Gut<\/td><td>Wird besser<\/td><td>Fortschritt auf tragf\u00e4higer Grundlage<\/td><td>Bewahren, lernen, gezielt weiterentwickeln<\/td><\/tr><tr><td>Gut<\/td><td>Wird schlechter<\/td><td>Noch ausreichend, aber Warnsignal<\/td><td>Ursache fr\u00fch untersuchen<\/td><\/tr><tr><td>Schlecht<\/td><td>Wird besser<\/td><td>Fortschritt, aber Ziel noch nicht erreicht<\/td><td>Verbesserung anerkennen und konsequent fortsetzen<\/td><\/tr><tr><td>Schlecht<\/td><td>Wird schlechter<\/td><td>Ungen\u00fcgender Zustand mit negativer Dynamik<\/td><td>Stoppen, eskalieren, Ressourcen oder System ver\u00e4ndern<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So gelesen sch\u00fctzt Heringers Wortspiel vor zwei Denkfehlern:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Eine Verbesserung ist nicht automatisch ausreichend.<\/li>\n\n\n\n<li>Eine Verschlechterung bedeutet nicht automatisch, dass bereits alles schlecht ist.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abBesser\u00bb beantwortet die Frage nach der Richtung. \u00abGut\u00bb beantwortet die Frage, ob es reicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade in der Pflege brauchen wir beides: den aktuellen Qualit\u00e4tszustand und seine Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Vier m\u00f6gliche Bedeutungen des bekannten Ausspruchs<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Satz \u00abDas Bessere ist der Feind des Guten\u00bb wird h\u00e4ufig zu eindimensional verwendet. Tats\u00e4chlich tr\u00e4gt er mindestens vier unterschiedliche Aussagen in sich.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>1. Das Bessere als perfektionistische Falle<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer eine gute L\u00f6sung immer wieder \u00fcberarbeitet, weil irgendwo noch eine bessere denkbar w\u00e4re, verhindert wom\u00f6glich ihren Abschluss. Berichte werden endlos umformuliert, Konzepte nie eingef\u00fchrt und Entscheidungen immer wieder vertagt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier wird \u00abbesser\u00bb zum Feind des Guten, weil kein Endpunkt definiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>2. Das Bessere als legitimer Fortschritt<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem anderen Sinn verdr\u00e4ngt eine tats\u00e4chlich bessere Behandlung, Technik oder Organisationsform zu Recht eine bisher gute L\u00f6sung. Das ist weder problematisch noch perfektionistisch. Es ist Lernen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn neue Evidenz zeigt, dass eine Massnahme sicherer oder wirksamer ist, darf \u00abgut\u00bb nicht als Ausrede f\u00fcr Stillstand dienen. Dann kann umgekehrt das Gute zum Feind des Besseren werden: \u00abDas haben wir immer so gemacht\u00bb ist kein Qualit\u00e4tsnachweis.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>3. Das vermeintlich Bessere als Illusion<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manche Verbesserung existiert vor allem auf dem Papier. Eine zus\u00e4tzliche Checkliste kann die Kontrollierbarkeit f\u00fcr das Management erh\u00f6hen, gleichzeitig aber Zeit am Patientenbett entziehen. Eine ausf\u00fchrlichere \u00dcbergabe kann mehr Informationen enthalten und dennoch un\u00fcbersichtlicher werden. Eine strengere Standardisierung kann Fehler reduzieren, aber notwendige klinische Anpassungen erschweren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Massnahme kann f\u00fcr eine Kennzahl besser und f\u00fcr das Gesamtsystem schlechter sein.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>4. Das unerreichbar Bessere als Chim\u00e4re<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reale L\u00f6sungen haben Grenzen, Nebenwirkungen und Kosten. Der \u00d6konom Harold Demsetz bezeichnete es als \u00abNirvana-Ansatz\u00bb, reale, unvollkommene M\u00f6glichkeiten mit einer vorgestellten Ideall\u00f6sung ohne Kosten und Nebenwirkungen zu vergleichen. Ein solcher Vergleich ist unfair, weil die perfekte Alternative nur in der Vorstellung existiert. <a href=\"https:\/\/www.journals.uchicago.edu\/doi\/10.1086\/466657\">Demsetz, 1969<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Ausspruch ist deshalb weder ein Verbot von Entwicklung noch eine Rechtfertigung f\u00fcr Mittelm\u00e4ssigkeit. Er fordert zu einer genaueren Frage auf:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ist das angestrebte Bessere wirklich besser \u2013 f\u00fcr wen, worin, wie lange und zu welchem Preis?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was Perfektionismus von hoher Professionalit\u00e4t unterscheidet<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Perfektionismus ist nicht einfach der Wunsch, etwas sorgf\u00e4ltig zu tun. Auch hohe Anspr\u00fcche sind nicht automatisch ungesund.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die psychologische Forschung beschreibt Perfektionismus als mehrdimensional. <strong>Frost und Kollegen <\/strong>fanden neben hohen pers\u00f6nlichen Standards unter anderem \u00fcberm\u00e4ssige Fehlerbesorgnis, Zweifel am eigenen Handeln und starke elterliche Erwartungen. Hewitt und Flett unterschieden selbstbezogenen, fremdbezogenen und sozial vorgeschriebenen Perfektionismus. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/BF01172967\">Frost et al., 1990<\/a>\u2060; <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/2027080\/\">Hewitt &amp; Flett, 1991<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4tere Forschung trennt h\u00e4ufig zwischen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>perfektionistischem Streben:<\/strong> hohe Ziele, Einsatz und Qualit\u00e4tsorientierung;<\/li>\n\n\n\n<li><strong>perfektionistischen Sorgen:<\/strong> Angst vor Fehlern, Selbstzweifel, Scham und die Bef\u00fcrchtung, den Erwartungen anderer nicht zu gen\u00fcgen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders die perfektionistischen Sorgen stehen zuverl\u00e4ssig mit psychischer Belastung und Burnout in Verbindung. Hohes Streben kann dagegen g\u00fcnstige Seiten haben, sofern es flexibel bleibt und nicht mit Selbstabwertung verbunden ist. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1207\/s15327957pspr1004_2\">Stoeber &amp; Otto, 2006<\/a>\u2060; <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/1088868315596286\">Hill &amp; Curran, 2016<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>Verantwortliche Exzellenz<\/strong><\/td><td><strong>Belastender Perfektionismus<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>Hohe, aber anpassbare Standards<\/td><td>Starre oder unerreichbare Standards<\/td><\/tr><tr><td>Orientierung an Sinn, Sicherheit und Wirkung<\/td><td>Orientierung an Fehlerfreiheit und Bewertung<\/td><\/tr><tr><td>Fehler liefern Informationen<\/td><td>Fehler bedrohen Identit\u00e4t und Selbstwert<\/td><\/tr><tr><td>Hilfe holen ist professionell<\/td><td>Hilfe holen erscheint als Schw\u00e4che<\/td><\/tr><tr><td>Eine Aufgabe endet, wenn Kriterien erf\u00fcllt sind<\/td><td>Eine Aufgabe f\u00fchlt sich nie abgeschlossen an<\/td><\/tr><tr><td>Erfolg darf wahrgenommen werden<\/td><td>Erfolg gilt lediglich als selbstverst\u00e4ndlich<\/td><\/tr><tr><td>\u00abIch habe einen Fehler gemacht\u00bb<\/td><td>\u00abIch bin ein Fehler\u00bb<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Unterschied ist nicht die H\u00f6he des Anspruchs. Es ist die Beziehung zwischen Leistung und Selbstwert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Perfektionismus verwechselt eine Richtung mit einem Ziel: Er fordert immer \u00abbesser\u00bb, ohne festzulegen, wann \u00abgut\u00bb erreicht ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Drei Gesichter des Perfektionismus im Pflegeteam<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Selbstbezogener Perfektionismus<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die innere Forderung lautet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abIch muss jederzeit fehlerfrei, belastbar und kompetent sein.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das kann zu sorgf\u00e4ltiger Arbeit motivieren. Wird der Anspruch jedoch starr, folgen \u00dcberkontrolle, Schwierigkeiten beim Delegieren, unbezahlte Mehrarbeit, Gr\u00fcbeln nach dem Dienst und das Gef\u00fchl, nie genug getan zu haben.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fremdbezogener Perfektionismus<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier lautet die Forderung:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abDie anderen m\u00fcssen es genauso richtig machen wie ich.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Team zeigt sich das durch Mikromanagement, geringe Fehlertoleranz, scharfes Korrigieren oder die \u00dcberzeugung, nur selbst zuverl\u00e4ssig arbeiten zu k\u00f6nnen. Langfristig lernen Mitarbeitende dann weniger Eigenverantwortung. Sie lernen vor allem, Kritik zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sozial vorgeschriebener Perfektionismus<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die innere Annahme lautet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abDie anderen erwarten von mir Perfektion. Wenn ich nicht gen\u00fcge, verliere ich Anerkennung oder Zugeh\u00f6rigkeit.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Form ist besonders f\u00fcr Lernende, neue Mitarbeitende und Menschen in stark hierarchischen Teams problematisch. Unsicherheit wird verborgen, Hilfe zu sp\u00e4t angefordert und ein Fehler m\u00f6glicherweise nicht unmittelbar angesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu passt das Konzept der <strong>perfektionistischen Selbstdarstellung<\/strong>: Menschen versuchen, vollkommen zu erscheinen, sichtbare Unvollkommenheit zu verhindern und eigene Schwierigkeiten nicht offenzulegen. Diese Tendenzen stehen mit psychischer Belastung in Zusammenhang. <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/12793591\/\">Hewitt et al., 2003<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Patientensicherheit ist nicht nur bedeutsam, ob Fehler entstehen. Entscheidend ist auch, ob jemand fr\u00fch sagen kann:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>\u00abIch bin nicht sicher.\u00bb<\/li>\n\n\n\n<li>\u00abBitte kontrolliere das mit mir.\u00bb<\/li>\n\n\n\n<li>\u00abIch habe m\u00f6glicherweise etwas \u00fcbersehen.\u00bb<\/li>\n\n\n\n<li>\u00abDiese Situation \u00fcbersteigt im Moment meine Kapazit\u00e4t.\u00bb<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Annahme, fehlerfrei erscheinen zu m\u00fcssen, kann damit gef\u00e4hrlicher werden als eine offen ausgesprochene Unsicherheit. Das ist eine plausible Verbindung zwischen Perfektionismusforschung und Sicherheitskultur \u2013 kein Beweis daf\u00fcr, dass Perfektionismus jeden einzelnen Fehler verursacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum das Gute nie als gut erlebt wird<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer chronisch unzufrieden ist, hat nicht zwingend zu wenig erreicht. Vielleicht besitzt er keinen stabilen Massstab daf\u00fcr, wann etwas gen\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der wandernde Zielpfosten<\/strong><\/h6>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Ziel wird erreicht und sofort nach oben verschoben. Was gestern noch als Erfolg gegolten h\u00e4tte, wird heute zur blossen Selbstverst\u00e4ndlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dadurch entsteht ein System, in dem Leistung m\u00f6glich, Zufriedenheit aber logisch ausgeschlossen ist.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Diskrepanz zwischen tats\u00e4chlichem und idealem Selbst<\/strong><\/h6>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach <strong>Higgins\u2019 Selbst-Diskrepanz-Theorie <\/strong>vergleichen Menschen ihr tats\u00e4chliches Selbst mit einem Idealbild und mit einem inneren Soll. Grosse Abst\u00e4nde zum Ideal k\u00f6nnen Entt\u00e4uschung und Niedergeschlagenheit f\u00f6rdern; Abst\u00e4nde zu einem verpflichtenden Soll eher Anspannung, Schuld und Bedrohungsgef\u00fchle. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1037\/0033-295X.94.3.319\">Higgins, 1987<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Problematisch wird es, wenn das Ideal grenzenlos ist: immer geduldiger, effizienter, fachlich sicherer, empathischer, schneller und belastbarer. Kein realer Mensch kann diese Anforderungen gleichzeitig und dauerhaft erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><strong>Maximieren statt zufriedenstellend entscheiden<\/strong><\/h6>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Herbert Simon<\/strong> pr\u00e4gte angesichts begrenzter Zeit, Information und Verarbeitungskapazit\u00e4t das Konzept des <strong>Satisficing<\/strong>: Menschen suchen nicht immer die theoretisch beste M\u00f6glichkeit, sondern eine L\u00f6sung, die wichtige Anforderungen zuverl\u00e4ssig erf\u00fcllt. Das ist kein Denkfehler, sondern unter realen Bedingungen oft rational. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.2307\/1884852\">Simon, 1955<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Untersuchungen zum Maximieren zeigen: Wer st\u00e4ndig nach der bestm\u00f6glichen Alternative sucht, erlebt h\u00e4ufiger Bedauern, soziale Vergleiche und geringere Zufriedenheit \u2013 selbst wenn objektiv gute Ergebnisse erreicht werden. <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/12416921\/\">Schwartz et al., 2002<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das perfektionistische M\u00e4rkliheft<\/strong><\/h6>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/das-maerkliheft-prinzip-nach-zingg\/\">M\u00e4rkliheft-Prinzip nach Zingg<\/a>\u2060 wird sichtbar, wie kleine Erfahrungen innerlich gesammelt werden und sp\u00e4tere Beziehungen und Bewertungen beeinflussen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die perfektionistische Variante f\u00fchrt ein asymmetrisches M\u00e4rkliheft:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Was gelingt, wird als selbstverst\u00e4ndlich verbucht.<\/li>\n\n\n\n<li>Was nicht gelingt, erh\u00e4lt einen auff\u00e4lligen Eintrag.<\/li>\n\n\n\n<li>Zehn gute Handlungen gleichen einen Fehler nicht aus.<\/li>\n\n\n\n<li>Anerkennung wird relativiert, Kritik bleibt haften.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist keine faire Qualit\u00e4tsbilanz. Es ist eine Buchhaltung, in der Erfolge keinen Wert erhalten d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das M\u00e4rkliheft-Prinzip ist dabei ein anschauliches integratives Denkmodell, kein eigenst\u00e4ndig validiertes psychologisches Messinstrument. Es l\u00e4sst sich jedoch sinnvoll mit Erkenntnissen zu Fehlerfokussierung, Selbstkritik und perfektionistischen Sorgen verbinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Selbstliebe: nicht Nachsicht, sondern eine tragf\u00e4hige Beziehung zu sich selbst<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abSelbstliebe\u00bb ist ein breiter alltagssprachlicher und philosophischer Begriff. Wissenschaftlich genauer l\u00e4sst sich ein Teil davon als <strong>Selbstmitgef\u00fchl<\/strong> untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kristin Neff <\/strong>beschreibt drei zusammengeh\u00f6rige Komponenten:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Freundlichkeit mit sich selbst<\/strong> statt besch\u00e4mender Selbstverurteilung,<\/li>\n\n\n\n<li><strong>gemeinsames Menschsein<\/strong> statt der Vorstellung, nur man selbst sei ungen\u00fcgend,<\/li>\n\n\n\n<li><strong>achtsames Wahrnehmen<\/strong> statt Verdr\u00e4ngen oder \u00dcberidentifikation mit dem Fehler.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/15298860309032\">Neff, 2003<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbstmitgef\u00fchl bedeutet nicht:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Fehler sch\u00f6nzureden,<\/li>\n\n\n\n<li>Verantwortung abzugeben,<\/li>\n\n\n\n<li>notwendige Standards zu senken,<\/li>\n\n\n\n<li>jede eigene Entscheidung richtig zu finden,<\/li>\n\n\n\n<li>sich vor unangenehmem Lernen zu sch\u00fctzen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es bedeutet, einen Fehler klar anzuschauen, ohne den ganzen Menschen zum Fehler zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Experimentelle Untersuchungen sprechen zudem gegen die Bef\u00fcrchtung, Selbstmitgef\u00fchl f\u00fchre automatisch zu Bequemlichkeit. Nach Misserfolgen kann es die Motivation erh\u00f6hen, zu lernen, Verantwortung zu \u00fcbernehmen und einen Schaden wiedergutzumachen. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/0146167212445599\">Breines &amp; Chen, 2012<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbstmitgef\u00fchl senkt also nicht zwingend den Anspruch. Es ver\u00e4ndert den inneren Antrieb:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>nicht lernen, um Scham zu entkommen;<\/li>\n\n\n\n<li>lernen, weil Sicherheit, Entwicklung und Beziehung wichtig sind.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Pflegestudien steht Selbstmitgef\u00fchl mit geringerer Ersch\u00f6pfung und weniger Burnout in Verbindung. Interventionsstudien sind ermutigend, aber heterogen und teilweise klein. Viele Untersuchungen sind querschnittlich; sie belegen Zusammenh\u00e4nge, nicht automatisch Ursachen. <a href=\"https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC8894998\/\">Abdollahi et al., 2022<\/a>\u2060; <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/34904424\/\">systematische \u00dcbersicht zu achtsamem Selbstmitgef\u00fchl f\u00fcr Pflegende<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbstliebe bedeutet nicht, jeden Fehler gutzuheissen. Sie bedeutet, den eigenen Wert nicht vollst\u00e4ndig vom fehlerfreien Funktionieren abh\u00e4ngig zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der ICH-Vertrag als Gegenentwurf zum grenzenlosen Anspruch<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Perfektionismus ist gewissermassen ein Vertrag ohne Erf\u00fcllungsklausel:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abIch darf zufrieden sein, sobald ich vollkommen bin.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da Vollkommenheit nicht erreicht werden kann, endet dieser Vertrag nie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/der-ich-vertrag-der-vertrag-mit-mir-selber\/\">ICH-Vertrag nach Zingg<\/a>\u2060 setzt eine andere Logik dagegen. Er unterscheidet gr\u00fcne, orange und rote Bereiche:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Gr\u00fcn bedeutet tragf\u00e4hig \u2013 nicht perfekt.<\/li>\n\n\n\n<li>Orange verlangt Aufmerksamkeit und eine vereinbarte Reaktion.<\/li>\n\n\n\n<li>Rot markiert eine Grenze, an der Selbstschutz notwendig wird.<\/li>\n\n\n\n<li>Der Vertrag darf nur im gr\u00fcnen Zustand neu ausgehandelt werden, nicht unter akutem Druck.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit wird Selbstliebe konkret. Sie bleibt nicht bei einem freundlichen Gef\u00fchl stehen, sondern wird zur Verl\u00e4sslichkeit gegen\u00fcber sich selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbstmitgef\u00fchl hat hier zwei Seiten: Es kann beruhigen und halten. Es kann aber auch entschieden sagen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>\u00abSo darf es nicht weitergehen.\u00bb<\/li>\n\n\n\n<li>\u00abIch brauche Unterst\u00fctzung.\u00bb<\/li>\n\n\n\n<li>\u00abDiese Belastung ist nicht mehr gesund.\u00bb<\/li>\n\n\n\n<li>\u00abDieser Auftrag ist unter den vorhandenen Bedingungen nicht sicher erf\u00fcllbar.\u00bb<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbstliebe ist somit nicht nur weich. Sie ist auch grenzensetzend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00abGut genug\u00bb in der Pflege bedeutet nicht \u00abirgendwie ausreichend\u00bb<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Ausdruck \u00abgut genug\u00bb kann im Gesundheitswesen Unbehagen ausl\u00f6sen. Zu Recht: Patientensicherheit darf nicht zur Verhandlungsmasse werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb braucht es eine klare Unterscheidung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><tbody><tr><td><strong>Ebene<\/strong><\/td><td><strong>Leitfrage<\/strong><\/td><td><strong>Beispielhafte Konsequenz<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>Nicht verhandelbare Sicherheit<\/td><td>Was muss zwingend korrekt erfolgen?<\/td><td>Vorgaben einhalten, Unsicherheit kl\u00e4ren, n\u00f6tigenfalls stoppen und eskalieren<\/td><\/tr><tr><td>Professionell ausreichende Qualit\u00e4t<\/td><td>Wann erf\u00fcllt die Handlung ihren Zweck sicher und fachgerecht?<\/td><td>Aufgabe nach definierten Kriterien abschliessen<\/td><\/tr><tr><td>W\u00fcnschbare Verfeinerung<\/td><td>Was w\u00e4re zus\u00e4tzlich sch\u00f6n oder noch eleganter?<\/td><td>Nur verfolgen, wenn Nutzen, Zeit und Ressourcen es rechtfertigen<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein aseptischer Arbeitsschritt darf nicht bloss ungef\u00e4hr stimmen. Eine klinisch relevante Ver\u00e4nderung muss weitergeleitet werden. Identit\u00e4ts-, Medikamenten- und andere Sicherheitskontrollen d\u00fcrfen nicht zugunsten von Tempo beliebig verk\u00fcrzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber nicht jede Formulierung in einem internen Text muss literarisch vollkommen sein. Nicht jede Ablage muss im selben Moment neu geordnet werden. Nicht jede gute pflegerische Begegnung kann unter Zeitdruck die Tiefe eines einst\u00fcndigen Gespr\u00e4chs erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Professionelles Priorisieren ist kein moralisches Versagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kann eine zwingende Aufgabe aufgrund von Personalmangel, Unterbrechungen oder unvereinbaren Anforderungen nicht sicher erledigt werden, lautet die Antwort allerdings nicht: \u00abDann gen\u00fcgt eben weniger.\u00bb Die Situation muss sichtbar gemacht und eskaliert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Atem\u00fcbung ersetzt keine fehlenden Stellenprozente. Selbstmitgef\u00fchl repariert kein dauerhaft unsicheres System. Der Bericht der National Academies betont entsprechend, dass Belastung und Burnout im Gesundheitswesen wesentlich durch organisationale und strukturelle Bedingungen gepr\u00e4gt werden. <a href=\"https:\/\/nap.nationalacademies.org\/catalog\/25521\/taking-action-against-clinician-burnout-a-systems-approach-to-professional\">National Academies, 2019<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wenn Perfektionismus das Team unsicher macht<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pflegequalit\u00e4t entsteht nicht allein in einzelnen K\u00f6pfen. Sie entsteht in Beziehungen, \u00dcbergaben, Routinen, Arbeitsbedingungen und F\u00fchrungsentscheidungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Amy Edmondson<\/strong> definiert psychologische Sicherheit als die gemeinsame \u00dcberzeugung, dass ein Team zwischenmenschliche Risiken zul\u00e4sst. Gemeint ist beispielsweise, eine Frage zu stellen, eine Unsicherheit auszusprechen, einen Fehler zu melden oder einer rangh\u00f6heren Person zu widersprechen. Psychologische Sicherheit ist nicht Harmonie um jeden Preis. Sie erm\u00f6glicht gerade die sachliche Auseinandersetzung. <a href=\"https:\/\/web.mit.edu\/curhan\/www\/docs\/Articles\/15341_Readings\/Group_Performance\/Edmondson%20Psychological%20safety.pdf\">Edmondson, 1999<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Perfektionistische Teamkulturen erzeugen dagegen leicht Schweigen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Gute Leistungen werden vorausgesetzt.<\/li>\n\n\n\n<li>Abweichungen werden personalisiert.<\/li>\n\n\n\n<li>Hilfeholen wird als mangelnde Kompetenz bewertet.<\/li>\n\n\n\n<li>F\u00fchrungskr\u00e4fte korrigieren, ohne gelingende Arbeit wahrzunehmen.<\/li>\n\n\n\n<li>Probleme werden erst angesprochen, wenn sie nicht mehr verborgen werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Forschung zu organisationalem Schweigen zeigt, dass insbesondere Angst vor negativen Reaktionen und ung\u00fcnstige Vorstellungen der F\u00fchrung \u00fcber Mitarbeitende dazu beitragen k\u00f6nnen, dass relevante Informationen nicht nach oben gelangen. <a href=\"https:\/\/journals.aom.org\/doi\/10.5465\/amr.2000.3707697\">Morrison &amp; Milliken, 2000<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine sichere Teamkultur muss deshalb zwei S\u00e4tze gleichzeitig zulassen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abDieser Fehler ist relevant und muss aufgearbeitet werden.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">und<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abDie Person, die ihn offenlegt, beh\u00e4lt ihre W\u00fcrde und Zugeh\u00f6rigkeit.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ohne Verantwortung entsteht Beliebigkeit. Ohne psychologische Sicherheit entsteht Vertuschung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das scheinbar Bessere kann das Gesamtsystem verschlechtern<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In komplexen Systemen gibt es selten nur eine einzige Qualit\u00e4tsdimension. \u00abBesser\u00bb bleibt unvollst\u00e4ndig, solange nicht gekl\u00e4rt ist:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>besser f\u00fcr wen?<\/li>\n\n\n\n<li>besser in welcher Hinsicht?<\/li>\n\n\n\n<li>besser gegen\u00fcber welchem Ausgangspunkt?<\/li>\n\n\n\n<li>besser \u00fcber welchen Zeitraum?<\/li>\n\n\n\n<li>besser zu welchem Preis?<\/li>\n\n\n\n<li>und was wird dabei m\u00f6glicherweise schlechter?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine k\u00fcrzere \u00dcbergabe kann die P\u00fcnktlichkeit verbessern, aber das gemeinsame Situationsverst\u00e4ndnis schw\u00e4chen. Mehr Dokumentation kann die Nachweisbarkeit erh\u00f6hen, aber Aufmerksamkeit von der direkten Pflege abziehen. Mehr Standardisierung kann Verl\u00e4sslichkeit schaffen, gleichzeitig jedoch sinnvolle Anpassungsf\u00e4higkeit verringern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/das-moebius-denkmodell\/\">M\u00f6bius-Denkmodell<\/a>\u2060 lassen sich Individuum und System nicht sauber voneinander trennen. Pers\u00f6nliches Verhalten beeinflusst die Organisation; organisationale Bedingungen formen wiederum das pers\u00f6nliche Verhalten. Perfektionismus kann deshalb individuelle Eigenschaft, erlernte \u00dcberlebensstrategie und Ausdruck einer ungesunden Kultur zugleich sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/multiversitaet-wenn-vielfalt-beginnt-gemeinsam-wirklichkeit-zu-gestalten\/\">Multiversit\u00e4t<\/a>\u2060 erg\u00e4nzt eine weitere Perspektive: Verschiedene Berufsgruppen, Patientinnen und Patienten, Angeh\u00f6rige und F\u00fchrungsebenen beurteilen \u00abbesser\u00bb anhand unterschiedlicher Erfahrungen und Ziele. Qualit\u00e4t entsteht nicht dadurch, dass eine Perspektive gewinnt, sondern indem die relevanten Perspektiven miteinander in Beziehung gebracht werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/resilience-engineering\/\">Resilience Engineering<\/a>\u2060 erinnert schliesslich daran, nicht nur nach Fehlern zu fragen. Pflegende gleichen t\u00e4glich Schwankungen, L\u00fccken und widerspr\u00fcchliche Anforderungen aus. Vieles gelingt, weil Menschen situationsgerecht anpassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet nicht, gef\u00e4hrliche Workarounds zu romantisieren. Es bedeutet, vor einer Ver\u00e4nderung zu verstehen, welche oft unsichtbare Funktion eine bestehende Praxis erf\u00fcllt. Wer vorschnell das vermeintlich Bessere einf\u00fchrt, kann genau jene Anpassungsf\u00e4higkeit zerst\u00f6ren, durch die das System bisher stabil geblieben ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Eine Gut\u2013Besser-Pr\u00fcfung f\u00fcr den Pflegealltag<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die folgende Pr\u00fcfhilfe ist eine Synthese f\u00fcr die Praxis und kein wissenschaftlich validiertes Instrument. Sie kann bei neuen Vorgaben, Prozessver\u00e4nderungen und pers\u00f6nlichen Qualit\u00e4tsanspr\u00fcchen eingesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>1. Welcher Mindeststandard ist nicht verhandelbar?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was verlangen Patientensicherheit, Ethik, Fachstandard und Recht?<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>2. Ist der gegenw\u00e4rtige Zustand gut \u2013 oder nur besser als fr\u00fcher?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fortschritt verdient Anerkennung. Er ersetzt aber nicht die Pr\u00fcfung, ob der notwendige Massstab bereits erreicht wurde.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>3. Was soll konkret besser werden?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Begriffe wie \u00abQualit\u00e4t\u00bb, \u00abEffizienz\u00bb und \u00abProfessionalit\u00e4t\u00bb m\u00fcssen in beobachtbare Ziele \u00fcbersetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>4. F\u00fcr wen wird es besser?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Patientinnen und Patienten? Oder f\u00fcr die Pflege? F\u00fcr die Administration? Oder f\u00fcr eine Kennzahl? Eine Verbesserung f\u00fcr eine Gruppe kann Belastungen auf andere verschieben.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>5. Was k\u00f6nnte dadurch schlechter werden?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu pr\u00fcfen sind Zeit, Aufmerksamkeit, Beziehung, Informationsfluss, Arbeitsbelastung und m\u00f6gliche neue Fehlerquellen.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>6. Welche gute Praxis muss erhalten bleiben?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht nur Defizite, auch funktionierende Anpassungen und Beziehungen geh\u00f6ren in die Analyse.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>7. K\u00f6nnen wir die Ver\u00e4nderung klein und reversibel testen?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein begrenzter Versuch erzeugt eher Lernen als eine umfassende Einf\u00fchrung aufgrund blosser Annahmen.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>8. Woran erkennen wir, dass es gut genug funktioniert?<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor Beginn braucht es Kriterien, einen Pr\u00fcfzeitpunkt und gegebenenfalls eine Abbruchregel. Sonst wandert der Zielpfosten endlos weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Drei kurze \u00dcbungen f\u00fcr Einzelne und Teams<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Stop-Regel vor einer Aufgabe<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor Beginn festlegen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Was muss zwingend erf\u00fcllt sein?<\/li>\n\n\n\n<li>Woran erkenne ich fachlich gute Qualit\u00e4t?<\/li>\n\n\n\n<li>Welche Verfeinerung ist optional?<\/li>\n\n\n\n<li>Wann beende ich die Aufgabe?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer die Grenze erst w\u00e4hrend der Arbeit sucht, findet unter perfektionistischem Druck oft keine.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der selbstmitf\u00fchlende Fehlerdialog<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einer schwierigen Situation:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Tatsache:<\/strong> Was ist konkret geschehen?<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Bedeutung:<\/strong> Welche Folgen oder Risiken bestehen?<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Menschlichkeit:<\/strong> Was w\u00fcrde ich einer gesch\u00e4tzten Kollegin in derselben Situation sagen?<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Verantwortung:<\/strong> Was muss ich jetzt melden, korrigieren oder lernen?<\/li>\n\n\n\n<li><strong>System:<\/strong> Welche Bedingungen haben die Situation beg\u00fcnstigt?<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Grenze:<\/strong> Welche Unterst\u00fctzung brauche ich?<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Sag zu Dir, was Du unter 3. dem gesch\u00e4tzten Kollegen gesagt h\u00e4ttest und nehme es an<\/strong>!<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbstmitgef\u00fchl ersetzt die Analyse nicht. Es schafft einen inneren Zustand, in dem ehrliche Analyse eher m\u00f6glich wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Drei-Fragen-Teamabschluss<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende einer Schicht oder Teamsitzung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Was musste heute unbedingt sicher sein?<\/li>\n\n\n\n<li>Was ist trotz der Bedingungen gut gelungen \u2013 und wodurch?<\/li>\n\n\n\n<li>Was sollte als N\u00e4chstes konkret besser werden?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reihenfolge ist wichtig. Ein Team, das nur nach Verbesserungsbedarf fragt, erzeugt den Eindruck, gelingende Arbeit existiere nicht. Ein Team, das nur Erfolge betrachtet, \u00fcbersieht Risiken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was die Wissenschaft nicht behauptet<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein wissenschaftlich verantwortlicher Umgang mit dem Thema verlangt Grenzen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Nicht jeder Mensch mit hohen Anspr\u00fcchen entwickelt Burnout.<\/li>\n\n\n\n<li>Nicht jede Form des Perfektionismus ist gleich belastend.<\/li>\n\n\n\n<li>Nicht jede Verschlechterung bedeutet akute Gefahr.<\/li>\n\n\n\n<li>Nicht jedes \u00abgut genug\u00bb erf\u00fcllt einen professionellen Standard.<\/li>\n\n\n\n<li>Nicht jede Verbesserung ist eine perfektionistische \u00dcbertreibung.<\/li>\n\n\n\n<li>Viele Studien zu Perfektionismus und Pflege sind querschnittlich und beruhen auf Selbstausk\u00fcnften.<\/li>\n\n\n\n<li>Selbstmitgef\u00fchlsprogramme k\u00f6nnen hilfreich sein, ersetzen aber keine sichere Personalbemessung, faire F\u00fchrung oder funktionierende Arbeitsprozesse.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Perfektionismus darf weder romantisiert noch zur alleinigen Erkl\u00e4rung organisationaler Probleme gemacht werden. Stress entsteht in der Beziehung zwischen Mensch, Aufgabe und System.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Schlussgedanke: Das Gute ist kein Endpunkt \u2013 aber ein Boden<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abDas Bessere ist der Feind des Guten\u00bb ist kein Aufruf zur Bequemlichkeit. Der Satz sch\u00fctzt vor einem Fortschrittsverst\u00e4ndnis, das keinen Zweck, keine Grenzen und keine Nebenwirkungen kennt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heringers Formulierung vertieft diesen Gedanken:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abSchlechter ist schlechter als schlecht. Dennoch gut besser als besser.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie erinnert daran, Zustand und Entwicklung auseinanderzuhalten. Eine Verbesserung kann weiterhin ungen\u00fcgend sein. Eine Verschlechterung kann aus einem noch guten Zustand heraus erfolgen, sollte aber ernst genommen werden. Und ein wirklich guter Zustand besitzt einen Wert, den das blosse Versprechen des \u00abBesseren\u00bb nicht automatisch \u00fcbertrifft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Pflege ergibt sich daraus eine doppelte Verantwortung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Wir d\u00fcrfen uns nicht mit vermeidbar schlechter Versorgung zufriedengeben.<\/li>\n\n\n\n<li>Wir d\u00fcrfen Menschen und Teams aber auch nicht an einer unerreichbaren Vorstellung von Fehlerlosigkeit zerbrechen lassen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die reife Alternative zum Perfektionismus ist nicht Gleichg\u00fcltigkeit. Sie ist verantwortliche Exzellenz: hohe Standards, klare Priorit\u00e4ten, Lernbereitschaft, psychologische Sicherheit und ein Selbstwert, der auch unter Belastung bestehen bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbstliebe sagt nicht: \u00abAlles, was ich tue, ist gut.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie sagt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abIch darf ehrlich erkennen, was nicht gut war, Verantwortung \u00fcbernehmen und lernen \u2013 ohne meine W\u00fcrde dabei zu verlieren.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und vielleicht liegt genau darin die Voraussetzung wirklicher Verbesserung: Das Gute zun\u00e4chst sehen, sch\u00fctzen und w\u00fcrdigen zu k\u00f6nnen, bevor wir entscheiden, was tats\u00e4chlich besser werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u2e3b<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kerngedanken f\u00fcr die n\u00e4chste Teamsitzung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>\u00abBesser\u00bb bezeichnet eine Richtung; \u00abgut\u00bb bezeichnet einen erreichten Massstab.<\/li>\n\n\n\n<li>Hohe Standards sind nicht dasselbe wie Perfektionismus.<\/li>\n\n\n\n<li>Gute Arbeit muss wahrgenommen werden, damit Verbesserung nicht als dauernde Abwertung erlebt wird.<\/li>\n\n\n\n<li>Selbstmitgef\u00fchl f\u00f6rdert Verantwortungsf\u00e4higkeit eher, als dass es sie verhindert.<\/li>\n\n\n\n<li>Sicherheitsanforderungen bleiben verbindlich; \u00e4sthetische Perfektion ist es nicht.<\/li>\n\n\n\n<li>Wer Unsicherheit aussprechen darf, sch\u00fctzt Patientinnen und Patienten.<\/li>\n\n\n\n<li>Nicht jede lokale Verbesserung verbessert das Gesamtsystem.<\/li>\n\n\n\n<li>Das Gute ist keine Endstation. Es ist der tragf\u00e4hige Ausgangspunkt f\u00fcr sinnvolle Entwicklung.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>&#8222;Sei lieb zu Dir: Sieh das Gute, pr\u00fcfe das Bessere und sei auch stolz auf das Erreichte &#8211; auch wenn es nicht perfekt ist!&#8220;<\/strong><br>-Christoph J. Zingg<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Literatur und wissenschaftliche Bezugspunkte<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Breines, J. G., &amp; Chen, S. (2012). <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/0146167212445599\">Self-compassion increases self-improvement motivation<\/a>\u2060.<\/li>\n\n\n\n<li>Demsetz, H. (1969). <a href=\"https:\/\/www.journals.uchicago.edu\/doi\/10.1086\/466657\">Information and Efficiency: Another Viewpoint<\/a>\u2060.<\/li>\n\n\n\n<li>Edmondson, A. (1999). <a href=\"https:\/\/web.mit.edu\/curhan\/www\/docs\/Articles\/15341_Readings\/Group_Performance\/Edmondson%20Psychological%20safety.pdf\">Psychological Safety and Learning Behavior in Work Teams<\/a>\u2060.<\/li>\n\n\n\n<li>Frost, R. O. et al. (1990). <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/BF01172967\">The Dimensions of Perfectionism<\/a>\u2060.<\/li>\n\n\n\n<li>Heringer, H. J. (2021). <a href=\"https:\/\/www.buchkatalog.de\/lichtenbergfiguren-9783826073663\"><em>Lichtenbergfiguren. Geistesblitze<\/em><\/a>\u2060. K\u00f6nigshausen &amp; Neumann.<\/li>\n\n\n\n<li>Hewitt, P. L., &amp; Flett, G. L. (1991). <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/2027080\/\">Perfectionism and psychopathology<\/a>\u2060.<\/li>\n\n\n\n<li>Hewitt, P. L. et al. (2003). <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/12793591\/\">Perfectionistic self-presentation<\/a>\u2060.<\/li>\n\n\n\n<li>Higgins, E. T. (1987). <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1037\/0033-295X.94.3.319\">Self-discrepancy: A theory relating self and affect<\/a>\u2060.<\/li>\n\n\n\n<li>Hill, A. P., &amp; Curran, T. (2016). <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/1088868315596286\">Multidimensional Perfectionism and Burnout: A Meta-Analysis<\/a>\u2060.<\/li>\n\n\n\n<li>Kennedy, C. (2007). <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s10988-006-9008-0\">Vagueness and Grammar: The Semantics of Relative and Absolute Gradable Adjectives<\/a>\u2060.<\/li>\n\n\n\n<li>Morrison, E. W., &amp; Milliken, F. J. (2000). <a href=\"https:\/\/journals.aom.org\/doi\/10.5465\/amr.2000.3707697\">Organizational Silence<\/a>\u2060.<\/li>\n\n\n\n<li>National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine (2019). <a href=\"https:\/\/nap.nationalacademies.org\/catalog\/25521\/taking-action-against-clinician-burnout-a-systems-approach-to-professional\">Taking Action Against Clinician Burnout: A Systems Approach to Professional Well-Being<\/a>\u2060.<\/li>\n\n\n\n<li>Neff, K. D. (2003). <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/15298860309032\">Self-Compassion: An Alternative Conceptualization of a Healthy Attitude Toward Oneself<\/a>\u2060.<\/li>\n\n\n\n<li>Schwartz, B. et al. (2002). <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/12416921\/\">Maximizing versus satisficing: Happiness is a matter of choice<\/a>\u2060.<\/li>\n\n\n\n<li>Simon, H. A. (1955). <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.2307\/1884852\">A Behavioral Model of Rational Choice<\/a>\u2060.<\/li>\n\n\n\n<li>Stoeber, J., &amp; Otto, K. (2006). <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1207\/s15327957pspr1004_2\">Positive Conceptions of Perfectionism<\/a>\u2060.<\/li>\n\n\n\n<li>Voltaire (1772). <a href=\"https:\/\/fr.wikisource.org\/wiki\/Contes_en_vers_%28Voltaire%29\/La_B%C3%A9gueule\"><em>La B\u00e9gueule<\/em><\/a>\u2060.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn besser nicht mehr gut ist &#8211; \u00abNicht das Schlechte ist der \u00e4rgste Feind des Guten \u2013 sondern das Bessere.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":3535,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[636,755],"tags":[608],"class_list":["post-3534","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kommunikation-sprache","category-leadership-selbstfuehrung","tag-kommunikation"],"blocksy_meta":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.1 - 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