{"id":3521,"date":"2026-10-15T08:33:00","date_gmt":"2026-10-15T06:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/?p=3521"},"modified":"2026-09-05T11:35:16","modified_gmt":"2026-09-05T09:35:16","slug":"auf-schweizerdeutsch-hoere-ich-jedes-wort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/auf-schweizerdeutsch-hoere-ich-jedes-wort\/","title":{"rendered":"\u00abAuf Schweizerdeutsch h\u00f6re ich jedes Wort\u00bb"},"content":{"rendered":"\n<h6 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum ein gemeinsames Deutsch noch keine gemeinsame Kommunikation schafft<\/strong><\/h6>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7ab419cf-b02b-48f0-a46e-67754cc4e795.png?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1290\" height=\"726\" data-attachment-id=\"3522\" data-permalink=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/7ab419cf-b02b-48f0-a46e-67754cc4e795\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7ab419cf-b02b-48f0-a46e-67754cc4e795.png?fit=1672%2C941&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1672,941\" data-comments-opened=\"1\" data-image-title=\"7ab419cf-b02b-48f0-a46e-67754cc4e795\" data-image-description=\"&lt;p&gt;Auf Schweizerdeutsch h\u00f6re ich jedes Wort&lt;br \/&gt;\nIch h\u00f6re es aber nicht nur, &amp;#8211; ich f\u00fchle es.&lt;\/p&gt;\n\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Auf Schweizerdeutsch h\u00f6re ich jedes Wort&lt;br \/&gt;\nIch h\u00f6re es aber nicht nur, &amp;#8211; ich f\u00fchle es.&lt;\/p&gt;\n\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7ab419cf-b02b-48f0-a46e-67754cc4e795.png?fit=1024%2C576&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7ab419cf-b02b-48f0-a46e-67754cc4e795.png?resize=1290%2C726&#038;ssl=1\" alt=\"7ab419cf-b02b-48f0-a46e-67754cc4e795\" class=\"wp-image-3522\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7ab419cf-b02b-48f0-a46e-67754cc4e795.png?w=1672&amp;ssl=1 1672w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7ab419cf-b02b-48f0-a46e-67754cc4e795.png?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7ab419cf-b02b-48f0-a46e-67754cc4e795.png?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7ab419cf-b02b-48f0-a46e-67754cc4e795.png?resize=768%2C432&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/7ab419cf-b02b-48f0-a46e-67754cc4e795.png?resize=1536%2C864&amp;ssl=1 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1290px) 100vw, 1290px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">von <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/ueber-den-autor-christoph-j-zingg\/\" data-type=\"post\" data-id=\"2795\">Christoph J. Zingg <\/a>(Autor)<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abWenn ich Schweizerdeutsch rede, h\u00f6re ich jedes Wort und ich f\u00fchle es. Auf Hochdeutsch h\u00f6re ich oft nur die Aussage.\u00bb<br><strong>Christoph J. Zingg<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wenn einer gen\u00fcgt, damit alle wechseln<\/strong> &#8211;<strong>Die unsichtbare Einbahnstrasse der sprachlichen Anpassung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00abWenn ich nach Deutschland gehe, spreche ich Hochdeutsch. Wenn Deutsche in die Schweiz kommen, sprechen wir ebenfalls Hochdeutsch. Auff\u00e4llig ist nicht, dass wir uns verst\u00e4ndigen. Auff\u00e4llig ist, dass sich fast immer dieselbe Seite anpasst.\u00bb<\/strong><br>\u2014 Christoph J. Zingg<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe mehr als 70 L\u00e4nder besucht. Wenn ich die \u00f6rtliche Sprache nicht verstand, erwartete ich nicht, dass eine ganze Gruppe wegen mir ihre gewohnte Sprache aufgibt. Ich war Gast. Ich h\u00f6rte zu, fragte nach, lernte einzelne W\u00f6rter oder war auf \u00dcbersetzung angewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Deutschschweiz erlebe ich etwas anderes.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer Weiterbildung gen\u00fcgt bisweilen eine einzige hochdeutsch sprechende Person. Die Kursleitung fragt, ob Schweizerdeutsch in Ordnung sei. Sagt diese Person Nein, wechseln alle anderen ins Hochdeutsche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Spital verlangte ein Chefarzt, der seit rund 20 Jahren in der Schweiz arbeitete, dass auf der Visite ausschliesslich Hochdeutsch gesprochen werde. Eine Stationsleiterin erkl\u00e4rte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abHier machen wir es auf die deutsche Art!\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieselbe Vorgesetzte machte sich mehrfach \u00fcber das angeblich unsichere, verklausulierte Sprechen der Schweizer lustig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es sind Einzelerfahrungen. Sie beweisen nicht, dass Deutsche grunds\u00e4tzlich arrogant oder Deutschschweizer grunds\u00e4tzlich unterw\u00fcrfig seien. Aber sie weisen auf ein wiederkehrendes Muster hin:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Anwesenheit einer einzelnen deutschen Person kann gen\u00fcgen, damit eine ganze Schweizer Gruppe ihre Sprache wechselt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit stellt sich eine Machtfrage: Wer darf sprachlich bei sich bleiben \u2013 und wer muss sich bewegen?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Schweizerdeutsch ist keine private Marotte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schweizerdeutsch ist keine einheitlich kodifizierte Amtssprache. Es umfasst verschiedene alemannische Dialekte. Trotzdem ist es in der Deutschschweiz die normale Sprache des m\u00fcndlichen Alltags \u2013 in Familien, Teams, Pausengespr\u00e4chen, Vereinen, Gesch\u00e4ften und vielfach auch in Sitzungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach den Zahlen des Bundesamtes f\u00fcr Statistik wurde Schweizerdeutsch 2022 von 61,4 Prozent der Bev\u00f6lkerung \u00fcblicherweise bei der Arbeit gesprochen, Hochdeutsch von 34,4 Prozent; Mehrfachnennungen waren m\u00f6glich. Dialekt ist damit kein sprachliches Randph\u00e4nomen, sondern ein zentraler Bestandteil des schweizerischen Berufsalltags. <a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/rm\/home.assetdetail.31025128.html\">Bundesamt f\u00fcr Statistik<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sprachwissenschaft beschreibt das Verh\u00e4ltnis zwischen Schweizerdeutsch und Standarddeutsch h\u00e4ufig als besondere Form der Diglossie: Dialekt dominiert viele m\u00fcndliche Situationen, Standarddeutsch vor allem Schriftlichkeit, Schule und bestimmte formelle Kontexte. Anders als in vielen klassischen Diglossiesituationen besitzt der Dialekt in der Schweiz jedoch ein hohes gesellschaftliches Prestige und eine starke identit\u00e4tsstiftende Funktion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zudem ist Deutsch eine plurizentrische Sprache. Es gibt nicht nur das bundesdeutsche Standarddeutsch, sondern auch ein schweizerisches und ein \u00f6sterreichisches Standarddeutsch. Diese Varianten sind sprachwissenschaftlich gleichwertig. Trotzdem wird bundesdeutsches Hochdeutsch h\u00e4ufig als das eigentlich \u00abrichtige\u00bb Deutsch wahrgenommen. Schweizerhochdeutsch erscheint daneben schnell als akzentbehaftet, unbeholfen oder fehlerhaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schweizer Sprachwissenschaftlerin Rebekka Studler beschreibt genau diese Ambivalenz: Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer betrachten bundesdeutsches Hochdeutsch einerseits als Massstab f\u00fcr \u00abgutes Deutsch\u00bb, erleben gleichzeitig aber eine emotionale Distanz zu dieser f\u00fcr sie weniger vertrauten gesprochenen Sprachform. <a href=\"https:\/\/www.academia.edu\/9815977\/Einstellungen_zu_Standarddeutsch_und_Dialekt_in_der_Deutschschweiz\">Studler: Einstellungen zu Standarddeutsch und Dialekt<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das erkl\u00e4rt einen Teil meiner Unsicherheit: Ich beherrsche Hochdeutsch. Aber ich spreche es nicht aus derselben sprachlichen Selbstverst\u00e4ndlichkeit heraus.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wer wechselt, arbeitet mehr<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Howard Giles\u2019 Communication Accommodation Theory untersucht, wie Menschen ihre Sprache, Aussprache, Lautst\u00e4rke und Gespr\u00e4chsweise an andere anpassen. Diese Konvergenz kann N\u00e4he schaffen, Unsicherheit reduzieren und Verst\u00e4ndigung erm\u00f6glichen. Sie ist zun\u00e4chst etwas Positives. <a href=\"https:\/\/folia.unifr.ch\/documents\/306425\/files\/2005_galloisogaygiles_communicationaccommodationtheory.pdf?download=\">Giles, Gallois und Ogay: Communication Accommodation Theory<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch Anpassung verursacht auch Kosten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ich vom Schweizerdeutschen ins Hochdeutsche wechsle, \u00fcbersetze ich nicht einfach W\u00f6rter. Ich kontrolliere st\u00e4rker meine Aussprache, suche nach standardsprachlichen Formulierungen und beobachte mich beim Sprechen. Ein deutscher Gespr\u00e4chspartner kann w\u00e4hrenddessen in seiner vertrauten Variet\u00e4t bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er formuliert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich formuliere und kontrolliere zugleich, wie ich formuliere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet nicht, dass ich weniger weiss oder schlechter argumentiere. Es bedeutet, dass wir mit unterschiedlichen sprachlichen Ausgangsbedingungen in das Gespr\u00e4ch gehen. Was anschliessend als gr\u00f6ssere Schlagfertigkeit, Sicherheit oder Kompetenz erscheint, kann teilweise daraus entstehen, dass eine Person auf ihrem sprachlichen Heimfeld spricht, w\u00e4hrend die andere ihre Gedanken gleichzeitig in eine weniger vertraute Sprechweise \u00fcbertragen muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pierre Bourdieu bezeichnete Sprache als eine Form symbolischen Kapitals. Auf einem \u00absprachlichen Markt\u00bb besitzen nicht alle Ausdrucksformen denselben Wert. Institutionen und gesellschaftliche Normen bestimmen mit, welche Sprache als kompetent, gebildet und legitim gilt. Wer die anerkannte Variet\u00e4t selbstverst\u00e4ndlich beherrscht, verf\u00fcgt deshalb \u00fcber einen Vorteil, der leicht mit pers\u00f6nlicher \u00dcberlegenheit verwechselt wird. <a href=\"https:\/\/www.miguelangelmartinez.net\/IMG\/pdf\/1991_bourdieu_language_ch1.pdf\">Pierre Bourdieu: Language and Symbolic Power<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn eine Schweizer Sitzung allein durch die Anwesenheit eines Deutschen sprachlich ins bundesdeutsch gepr\u00e4gte Hochdeutsch kippt, ver\u00e4ndert sich dieser sprachliche Markt. Die Person, die sich am wenigsten anpassen muss, erh\u00e4lt den Heimvorteil.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Forschung beobachtet genau diesen Wechsel<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sandra Wolf untersuchte in ihrer 2025 erschienenen Dissertation <em>Isch Schwiizerd\u00fc\u00fctsch okei?<\/em> authentische betriebliche Gespr\u00e4che zwischen deutschen und deutschschweizerischen Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Untersuchung ist aufgrund ihrer kleinen qualitativen Stichprobe nicht repr\u00e4sentativ. Ihre Ergebnisse sind trotzdem bemerkenswert: Alle sieben untersuchten deutschen Mitarbeitenden l\u00f6sten bei ihren Schweizer Kolleginnen und Kollegen in unterschiedlichem Ausmass einen Wechsel ins Standarddeutsche aus \u2013 obwohl alle \u00fcber zumindest grundlegende rezeptive Schweizerdeutschkenntnisse verf\u00fcgten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders aufschlussreich: Keine der befragten deutschen Personen gab an, sie bevorzuge von ihren Schweizer Kollegen Hochdeutsch. Vier bevorzugten ausdr\u00fccklich Schweizerdeutsch, zwei hatten keine Pr\u00e4ferenz. Die Schweizer wechselten also teilweise, obwohl die Deutschen dies weder verlangten noch ben\u00f6tigten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wolf zeigt zudem, dass rezeptive Dialektkompetenz f\u00fcr die formelle und informelle Teilhabe am Schweizer Arbeitsleben wichtig ist. Gleichzeitig wurde das aktive Nachahmen eines Schweizer Dialekts durch Deutsche von vielen Befragten eher kritisch beurteilt. <a href=\"https:\/\/verlag-gespraechsforschung.de\/2025\/pdf\/schweizerdeutsch.pdf\">Sandra Wolf:<\/a> \u2060<a href=\"https:\/\/verlag-gespraechsforschung.de\/2025\/pdf\/schweizerdeutsch.pdf\"><em>Isch Schwiizerd\u00fc\u00fctsch okei?<\/em><\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Darin liegt ein Integrationsparadox:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutsche sollen Schweizerdeutsch verstehen. Wenn sie es selbst zu sprechen versuchen, werden sie jedoch nicht selten bel\u00e4chelt. Das kann erkl\u00e4ren, weshalb manche beim Hochdeutschen bleiben. Es erkl\u00e4rt aber nicht, weshalb deshalb alle Schweizer ebenfalls wechseln m\u00fcssten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine faire Erwartung lautet daher nicht:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00abDeutsche m\u00fcssen Schweizerdeutsch sprechen.\u00bb<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie lautet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wer dauerhaft in der Deutschschweiz lebt, sollte Schweizerdeutsch zunehmend verstehen, seine Gleichwertigkeit anerkennen und akzeptieren, dass die Menschen des Landes es sprechen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zwei Sprachen k\u00f6nnen gleichzeitig im Raum bleiben<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mehrsprachigkeitsforschung kennt daf\u00fcr den Begriff der rezeptiven Mehrsprachigkeit oder <em>Lingua receptiva<\/em>: Menschen sprechen jeweils in ihrer bevorzugten Sprache oder Variet\u00e4t und verstehen die Sprache des Gegen\u00fcbers. Niemand muss seine sprachliche Identit\u00e4t vollst\u00e4ndig aufgeben. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/14790718.2013.789520\">Georges L\u00fcdi: Receptive Multilingualism in a Swiss Workplace<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Deutschschweiz k\u00f6nnte das bedeuten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich spreche Schweizerdeutsch. Mein deutscher Kollege antwortet auf Hochdeutsch. Solange wir einander verstehen, besteht kein sachlicher Grund, weshalb eine Seite vollst\u00e4ndig wechseln m\u00fcsste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage \u00abIst Schweizerdeutsch f\u00fcr Sie in Ordnung?\u00bb ist deshalb gut gemeint, aber h\u00e4ufig zu grob. Sie legt die Entscheidung \u00fcber die Sprache der gesamten Gruppe in die H\u00e4nde einer einzelnen Person.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besser w\u00e4ren Fragen wie:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Verstehen Sie Schweizerdeutsch ausreichend?<\/li>\n\n\n\n<li>M\u00f6chten Sie selbst auf Hochdeutsch antworten?<\/li>\n\n\n\n<li>Bei welchen Inhalten ben\u00f6tigen Sie eine standardsprachliche Zusammenfassung?<\/li>\n\n\n\n<li>Welche Regel erm\u00f6glicht allen eine gleichwertige Beteiligung?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gastfreundschaft verlangt Verst\u00e4ndlichkeit. Sie verlangt nicht die sprachliche Selbstaufgabe der Gastgeber.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Unsicher oder h\u00f6flich?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch das angeblich \u00abverklausulierte\u00bb Schweizer Sprechen verdient eine genauere Betrachtung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Linguistin Tanja Ackermann verglich Aufforderungen in Deutschland und in der deutschsprachigen Schweiz. Ihre Ergebnisse zeigen, dass konventionelle Indirektheit und sprachliche Abschw\u00e4chungen \u2013 sogenannte Hedging-Strategien \u2013 innerhalb des untersuchten Gebietes von Norden nach S\u00fcden zunahmen. <a href=\"https:\/\/www.uni-marburg.de\/de\/fb09\/dsa\/publikationen\/zdl\/jahrgaenge\/jahrgaenge\/2021_3\/ackermann\">Ackermann:<\/a> \u2060<a href=\"https:\/\/www.uni-marburg.de\/de\/fb09\/dsa\/publikationen\/zdl\/jahrgaenge\/jahrgaenge\/2021_3\/ackermann\"><em>Bitte k\u00f6nnte ich vielleicht?<\/em><\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Satz wie \u00abCh\u00f6nntemer das villicht no einisch aluege?\u00bb kann aus bundesdeutscher Perspektive z\u00f6gerlich oder unn\u00f6tig vorsichtig wirken. Innerhalb einer schweizerischen Kommunikationsnorm kann dieselbe Formulierung Respekt, Beziehungsschutz und die Bereitschaft zum gemeinsamen Aushandeln ausdr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Umgekehrt kann eine direkte deutsche Aussage von Schweizern als Befehl, Angriff oder R\u00fccksichtslosigkeit erlebt werden, obwohl sie von der sprechenden Person lediglich als klar und effizient gemeint ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beide Seiten k\u00f6nnen sich deshalb falsch beurteilen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Deutsche Direktheit wird mit Arroganz verwechselt.<\/li>\n\n\n\n<li>Schweizer Indirektheit wird mit Unsicherheit oder mangelnder Kompetenz verwechselt.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Problematisch wird es, wenn eine F\u00fchrungsperson aus diesen Unterschieden eine Rangordnung macht. Der Satz \u00abHier machen wir es auf die deutsche Art\u00bb beschreibt dann nicht mehr nur eine Arbeitsmethode. Er erkl\u00e4rt eine nationale Kommunikationsweise zur \u00fcberlegenen Norm und wertet die \u00f6rtliche Form indirekt ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gute F\u00fchrung m\u00fcsste stattdessen sagen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00abWir pr\u00fcfen, welche Kommunikationsform in dieser Situation Klarheit, Beteiligung und Sicherheit am besten gew\u00e4hrleistet.\u00bb<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hochdeutsch kann sachlich notwendig sein<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es w\u00e4re ebenso falsch, Hochdeutsch grunds\u00e4tzlich als sprachliche Unterwerfung darzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem Spital kann Standarddeutsch sinnvoll oder notwendig sein, wenn Patientinnen, Lernende oder Mitarbeitende Schweizerdeutsch tats\u00e4chlich nicht verstehen. Bei sicherheitsrelevanten Informationen muss Verst\u00e4ndlichkeit Vorrang haben. Auch eine Weiterbildung kann aus guten Gr\u00fcnden eine klar vereinbarte Standardsprache festlegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist jedoch, aus welchem Grund die Sprache gewechselt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erfolgt der Wechsel zugunsten eines Patienten, einer neu zugewanderten Mitarbeiterin oder einer gemischtsprachigen Gruppe, dient er der Teilhabe und Sicherheit. Erfolgt er allein deshalb, weil die rangh\u00f6chste Person ihre eigene Sprachform zur verbindlichen Norm erkl\u00e4rt, wird aus Verst\u00e4ndlichkeit eine Frage der Hierarchie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf einer Visite sollte deshalb nicht die Herkunft des Chefarztes entscheiden, sondern die Frage:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Welche Sprache verstehen die Patientin und alle unmittelbar Beteiligten am zuverl\u00e4ssigsten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ein Chefarzt nach 20 Jahren in der Schweiz Schweizerdeutsch versteht, es aber aufgrund seiner pers\u00f6nlichen Pr\u00e4ferenz allen anderen verbietet, dann geht es nicht mehr allein um Kommunikation. Dann nutzt eine Person ihre Position, um die Anpassungskosten auf alle anderen zu \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Emotional kann sich das wie das Auftreten eines \u00abImperators auf fremdem Boden\u00bb anf\u00fchlen. Wissenschaftlich pr\u00e4ziser w\u00fcrde ich es so ausdr\u00fccken:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die vertraute Sprachvariet\u00e4t des Zugewanderten wird durch institutionelle Macht zur verbindlichen Norm, w\u00e4hrend die vertraute Sprache der Einheimischen zur begr\u00fcndungspflichtigen Abweichung wird.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist die eigentliche Unfairness.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Verantwortung liegt nicht nur bei den Deutschen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Ordnung entsteht allerdings nicht allein durch deutsche Forderungen. Sie entsteht auch durch unsere schweizerische Bereitschaft, uns vorsorglich anzupassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oft wechseln wir ins Hochdeutsche, bevor wir \u00fcberhaupt gepr\u00fcft haben, ob unser Gegen\u00fcber Schweizerdeutsch versteht. Aus einer h\u00f6flichen Geste wird eine Gewohnheit. Aus der Gewohnheit wird eine Erwartung. Und aus der Erwartung kann eine Hierarchie entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass ein Deutscher im Raum ist, bedeutet noch nicht, dass alle anderen Hochdeutsch sprechen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir d\u00fcrfen fragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir d\u00fcrfen eine wechselseitige L\u00f6sung suchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wir d\u00fcrfen bei unserer Sprache bleiben, wenn das gegenseitige Verst\u00e4ndnis gew\u00e4hrleistet ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forschung belegt nicht, dass Deutsche in gemischten Gruppen grunds\u00e4tzlich mehr Abstimmungen oder Diskussionen gewinnen. Sie beschreibt aber Mechanismen, die eine solche Erfahrung plausibel machen: unterschiedliche Redekonventionen, ungleiche sprachliche Routine, verschiedenes Prestige der Variet\u00e4ten und die einseitige Verteilung der Anpassungsleistung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Darum sollten Sitzungsleitungen nicht nur Redezeit verteilen. Sie m\u00fcssen auch darauf achten, dass Direktheit nicht automatisch als Kompetenz und sprachliche Vorsicht nicht als Unsicherheit bewertet wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was ich erwarten darf<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich erwarte nicht, dass jeder Deutsche Schweizerdeutsch spricht. Ich erwarte keinen k\u00fcnstlich einge\u00fcbten Dialekt und keine perfekte Aussprache des Wortes \u00abChuchich\u00e4schtli\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber ich darf erwarten, dass Menschen, die \u00fcber Jahre in der Deutschschweiz leben und hier F\u00fchrungsverantwortung \u00fcbernehmen,<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>die \u00f6rtliche Alltagssprache verstehen lernen,<\/li>\n\n\n\n<li>Schweizerhochdeutsch nicht als minderwertiges Deutsch behandeln,<\/li>\n\n\n\n<li>Schweizer Kommunikationsformen nicht l\u00e4cherlich machen,<\/li>\n\n\n\n<li>die eigene Ausdrucksweise nicht mit universeller Klarheit verwechseln,<\/li>\n\n\n\n<li>und nicht verlangen, dass sich eine ganze Gruppe allein ihretwegen sprachlich unsichtbar macht.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Boubacar Boris Diop sagte \u00fcber das Schreiben auf Wolof:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abWenn ich auf Wolof schreibe, h\u00f6re ich jedes Wort.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ich Schweizerdeutsch spreche, h\u00f6re auch ich jedes Wort. Im Hochdeutschen verliere ich nicht meinen Verstand und nicht meine Fachlichkeit. Aber ich verliere etwas von der unmittelbaren N\u00e4he zu meinem Denken, meinem Humor, meiner Biografie und meiner inneren Sicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine inklusive Kommunikation darf Verst\u00e4ndlichkeit verlangen. Sie darf aber nicht immer von denselben Menschen verlangen, daf\u00fcr einen Teil ihrer sprachlichen Heimat vor der T\u00fcr zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00abGastfreundschaft bedeutet, verst\u00e4ndlich zu werden. Sie bedeutet nicht, sich selbst unh\u00f6rbar zu machen.\u00bb<\/strong><br>\u2014 Christoph J. Zingg<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Deutsch ist nicht einfach deutsch<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich spreche und schreibe fliessend Deutsch. Ich kann einen wissenschaftlichen Text verfassen, eine Sitzung leiten, einen Konflikt analysieren und mich differenziert ausdr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem f\u00fchle ich mich manchmal unsicher, sobald ich mit Menschen aus Deutschland spreche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders ausgepr\u00e4gt erlebe ich das im Kontakt mit Menschen aus Nord- oder Ostdeutschland, gelegentlich aber auch mit Menschen aus Berlin, dem Rheinland oder anderen Regionen. Sie sprechen oft schneller, setzen ihre Aussagen fr\u00fcher, vertreten Positionen bestimmter und wirken in Diskussionen verbal \u00fcberlegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das kann bei Deutschschweizerinnen und Deutschschweizern den Eindruck ausl\u00f6sen, bel\u00e4chelt oder nicht ganz ernst genommen zu werden. Umgekehrt erleben manche Deutsche die schweizerische Gespr\u00e4chsweise als umst\u00e4ndlich, langsam, unklar oder konfliktscheu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann fallen Zuschreibungen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Deutschen seien hart, kalt, r\u00fccksichtslos, arrogant oder frech.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schweizer seien langsam, ausweichend, unentschlossen oder unehrlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich glaube, dass beide Urteile zu kurz greifen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was hier aufeinandertrifft, sind nicht einfach freundliche und unfreundliche Menschen. Es begegnen sich unterschiedliche sprachliche Biografien, H\u00f6flichkeitsordnungen, Gespr\u00e4chsrhythmen und gesellschaftliche Vorstellungen davon, wie man zu einer tragf\u00e4higen Entscheidung gelangt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Satz von Boubacar Boris Diop<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im vorausgehenden Beitrag \u00fcber Sprache als koloniales Erbe hat mich eine Aussage des senegalesischen Schriftstellers Boubacar Boris Diop besonders ber\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diop schrieb seine ersten Romane auf Franz\u00f6sisch. Sp\u00e4ter wechselte er zum Wolof. \u00dcber diesen Unterschied sagte er:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abWenn ich auf Wolof schreibe, h\u00f6re ich jedes Wort.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Franz\u00f6sisch konnte er schreiben. Auf Wolof konnte er sich zus\u00e4tzlich h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Unterschied besch\u00e4ftigt mich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbstverst\u00e4ndlich l\u00e4sst sich die sprachliche Situation der Deutschschweiz nicht mit der Kolonialgeschichte Senegals gleichsetzen. Die historischen Macht- und Gewalterfahrungen sind grundverschieden. Dennoch ber\u00fchren sich die Erfahrungen in einem Punkt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Sprache kann vollkommen beherrscht werden und trotzdem nicht dieselbe innere N\u00e4he besitzen wie jene Sprache, in der ein Mensch aufgewachsen ist, getr\u00f6stet, gelobt, ausgeschimpft und geliebt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Schweizerdeutsch h\u00f6re ich nicht nur die Information.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich h\u00f6re die Beziehung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich h\u00f6re, ob etwas herzlich, ironisch, vorsichtig, entt\u00e4uscht, liebevoll oder abweisend gemeint ist. Und ich erkenne kleinste Verschiebungen im Ton. Und ich sp\u00fcre, ob ein Satz eine Einladung, eine Warnung oder ein unausgesprochener Widerspruch ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im gesprochenen Standarddeutsch verstehe ich ebenfalls jedes Wort. Aber ein Teil dieser emotionalen und sozialen Resonanz wird schw\u00e4cher. Die Sprache transportiert die Aussage \u2013 doch sie tr\u00e4gt nicht immer meine ganze Person mit derselben Selbstverst\u00e4ndlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.publicbooks.org\/boubacar-boris-diop-sarah-quesada\/\">Boubacar Boris Diop im Gespr\u00e4ch \u00fcber Franz\u00f6sisch und Wolof<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wir sprechen nicht einfach Dialekt und Hochdeutsch<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die sprachliche Situation der Deutschschweiz wird h\u00e4ufig mit dem Begriff der <strong>Diglossie<\/strong> beschrieben. Charles A. Ferguson verwendete 1959 die Schweiz als eines seiner klassischen Beispiele: Zwei verwandte Sprachformen existieren nebeneinander und \u00fcbernehmen unterschiedliche gesellschaftliche Funktionen. <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/pdf\/10.1080\/00437956.1959.11659702\">Charles A. Ferguson:<\/a> \u2060<a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/pdf\/10.1080\/00437956.1959.11659702\"><em>Diglossia<\/em><\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese vereinfachte Einteilung lautet:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Schweizerdeutsch wird vor allem gesprochen.<\/li>\n\n\n\n<li>Standarddeutsch wird vor allem geschrieben, unterrichtet und in formellen Situationen verwendet.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute sind die Grenzen durchl\u00e4ssiger. Wir schreiben Nachrichten im Dialekt, h\u00f6ren Mundart in Medien und Politik und verwenden Standarddeutsch auch in pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen. Dennoch ist die grundlegende Arbeitsteilung weiterhin sp\u00fcrbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das <a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home.assetdetail.3543997.html\">Bundesamt f\u00fcr Statistik<\/a>\u2060 zeigt, wie stark Schweizerdeutsch im Alltag verankert ist. Es wird unabh\u00e4ngig von Bildung und sozialer Schicht gesprochen. Anders als viele Dialekte in anderen L\u00e4ndern signalisiert Schweizerdeutsch nicht automatisch geringe Bildung oder einen niedrigen sozialen Status.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr viele Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer ist der Dialekt die Sprache der N\u00e4he. Standarddeutsch ist dagegen st\u00e4rker mit Schule, Leistung, Schreiben, Pr\u00fcfungen, Nachrichten und formeller \u00d6ffentlichkeit verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Linguistin Rebekka Studler befragte 750 Menschen zu ihrem Verh\u00e4ltnis zwischen Schweizerdeutsch und Hochdeutsch. Eine Mehrheit nahm zwischen beiden Sprachformen eine erhebliche Distanz wahr; viele beschrieben Hochdeutsch subjektiv als eine Art Fremdsprache. Gleichzeitig besitzt Schweizerdeutsch selbst ein hohes Prestige. <a href=\"https:\/\/irf.fhnw.ch\/bitstreams\/f56033e8-324f-4c90-9790-633c3662e6a7\/download\">Rebekka Studler:<\/a> \u2060<a href=\"https:\/\/irf.fhnw.ch\/bitstreams\/f56033e8-324f-4c90-9790-633c3662e6a7\/download\"><em>Diglossia and bilingualism<\/em><\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet nicht, dass Deutschschweizer kein Deutsch k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es bedeutet, dass sie mit zwei eng verwandten, aber sozial unterschiedlich verankerten Sprachformen leben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>F\u00fcr die eine Seite Alltag \u2013 f\u00fcr die andere Seite Sprechlage<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Mensch aus Deutschland verwendet gesprochenes Standarddeutsch oder eine standardnahe regionale Umgangssprache gew\u00f6hnlich seit seiner Kindheit. Er streitet, scherzt, widerspricht, flirtet, verhandelt und improvisiert darin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Deutschschweizerin oder ein Deutschschweizer verwendet Schweizerdeutsch f\u00fcr viele dieser Situationen. Standarddeutsch wird zwar fr\u00fch gelernt und meist sehr gut beherrscht \u2013 aber lange vorwiegend gelesen, geschrieben und in schulischen oder formellen Situationen gesprochen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn sich beide auf Standarddeutsch unterhalten, verwenden sie deshalb zwar weitgehend dieselbe Sprache, aber nicht dieselbe sprachliche Heimat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die deutsche Person bleibt es ein Heimspiel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die schweizerische Person kann es sich wie ein Ausw\u00e4rtsspiel mit vertrauten Regeln anf\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie muss nicht nur \u00fcberlegen, <strong>was<\/strong> sie sagen m\u00f6chte. Sie kontrolliert m\u00f6glicherweise zus\u00e4tzlich:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ist dieser Ausdruck auch in Deutschland \u00fcblich?<\/li>\n\n\n\n<li>Ist das ein Helvetismus?<\/li>\n\n\n\n<li>Klinge ich zu schweizerisch?<\/li>\n\n\n\n<li>Spreche ich schnell genug?<\/li>\n\n\n\n<li>Ist mein Satzbau zu schriftsprachlich?<\/li>\n\n\n\n<li>Wirke ich umst\u00e4ndlich?<\/li>\n\n\n\n<li>Wird mein Akzent bel\u00e4chelt?<\/li>\n\n\n\n<li>Muss ich direkter werden?<\/li>\n\n\n\n<li>Habe ich die richtige Redewendung verwendet?<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese zus\u00e4tzliche Selbstbeobachtung bindet Aufmerksamkeit. Was in der Psychologie als automatisierter Sprachgebrauch bezeichnet wird, wird teilweise wieder zu einer bewusst kontrollierten Leistung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man beherrscht die Sprache \u2013 aber man h\u00f6rt sich beim Sprechen zu.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Schweizerhochdeutsch ist kein schlechtes Deutsch<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei ist etwas besonders wichtig: Schweizerhochdeutsch ist keine mangelhafte Nachahmung des in Deutschland gesprochenen Standarddeutschs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutsch ist eine <strong>plurizentrische Sprache<\/strong>. Es besitzt mehrere nationale Standardvariet\u00e4ten, insbesondere:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>deutsches Standarddeutsch,<\/li>\n\n\n\n<li>\u00f6sterreichisches Standarddeutsch,<\/li>\n\n\n\n<li>Schweizer Standarddeutsch.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Helvetismen wie <em>Spital<\/em>, <em>Traktandum<\/em>, <em>Offerte<\/em>, <em>Ferien<\/em>, <em>parkieren<\/em> oder <em>Unterbruch<\/em> sind nicht automatisch Fehler. Sie geh\u00f6ren zur Standardsprache der Schweiz. Das wissenschaftlich erarbeitete <em>Variantenw\u00f6rterbuch des Deutschen<\/em> dokumentiert die unterschiedlichen nationalen und regionalen Standardformen ausdr\u00fccklich gleichberechtigt. <a href=\"https:\/\/www.oeaw.ac.at\/de\/acdh\/detail\/news\/variantenwoerterbuch-des-deutschen\">\u00d6sterreichische Akademie der Wissenschaften<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem wird die bundesdeutsche Variet\u00e4t aufgrund der Gr\u00f6sse Deutschlands, seiner Medien und seines Buchmarktes h\u00e4ufig als vermeintlich einzig \u00abrichtiges\u00bb Deutsch wahrgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dadurch entsteht eine unsichtbare Normhierarchie:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die deutsche Person spricht scheinbar einfach Deutsch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die schweizerische Person spricht Deutsch mit einer wahrnehmbaren schweizerischen F\u00e4rbung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sprachwissenschaftlich ist diese Hierarchie nicht gerechtfertigt. Sozial kann sie dennoch wirksam werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum ich auf Schweizerdeutsch jedes Wort h\u00f6re<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Forschung mit mehrsprachigen Menschen zeigt, dass Sprachen unterschiedlich emotional verankert sein k\u00f6nnen. W\u00f6rter, die in der fr\u00fchen Kindheit und in emotionalen Beziehungen erworben wurden, l\u00f6sen h\u00e4ufig st\u00e4rkere k\u00f6rperliche und emotionale Reaktionen aus als sp\u00e4ter gelernte Sprachen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Catherine Harris und ihre Kolleginnen untersuchten dies unter anderem anhand von Tabuw\u00f6rtern und Kindheitsermahnungen. Die k\u00f6rperlichen Reaktionen waren in der zuerst erworbenen Sprache st\u00e4rker. Andere Studien zeigen, dass autobiografische Erinnerungen leichter zug\u00e4nglich sein k\u00f6nnen, wenn die Sprache des Erinnerns jener Sprache entspricht, in der ein Erlebnis urspr\u00fcnglich stattfand. <a href=\"https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC2788822\/\">\u00dcberblick zu Sprache, Gef\u00fchl und autobiografischem Ged\u00e4chtnis<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Boaz Keysar, Sayuri Hayakawa und Sun Gyu An zeigten wiederum, dass Entscheidungen in einer sp\u00e4ter erworbenen Sprache teilweise mit gr\u00f6sserer emotionaler Distanz getroffen werden. <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/22517192\/\">Psychological Science\/PubMed<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Forschung besch\u00e4ftigt sich \u00fcberwiegend mit unterschiedlichen Sprachen, nicht spezifisch mit Schweizerdeutsch und Schweizerhochdeutsch. Sie darf daher nicht eins zu eins \u00fcbertragen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber sie bietet einen plausiblen Erkl\u00e4rungsrahmen f\u00fcr meinen Satz:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Schweizerdeutsch h\u00f6re ich jedes Wort, weil die W\u00f6rter mit Situationen, Beziehungen, Stimmen und Erinnerungen verbunden sind. Im Standarddeutsch kann die begriffliche Bedeutung vollst\u00e4ndig vorhanden sein, w\u00e4hrend ein Teil der emotionalen Resonanz schw\u00e4cher bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich spreche dann nicht schlechter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich spreche mit einer anderen inneren Beteiligung.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Auf Schweizerdeutsch h\u00f6re ich jedes Wort<br>Ich h\u00f6re es aber nicht nur, &#8211; ich f\u00fchle es.<\/strong><br>-Christoph J. Zingg<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sprachliche Unsicherheit trotz hoher Kompetenz<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Soziolinguistik kennt den Begriff der <strong>sprachlichen Unsicherheit<\/strong>. Menschen k\u00f6nnen ihre Sprache objektiv gut beherrschen und sie dennoch als unzureichend erleben, wenn sie sich an einer fremden oder als \u00fcberlegen wahrgenommenen Norm messen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Deutschschweiz geschieht genau das h\u00e4ufig: Menschen vergleichen ihr gesprochenes Schweizerhochdeutsch nicht mit der schweizerischen Standardvariet\u00e4t, sondern mit der spontanen Alltagssprache eines Menschen aus Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist ein unfairer Vergleich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die eine Person spricht eine Sprache, die sie t\u00e4glich m\u00fcndlich verwendet. Die andere verwendet eine vorwiegend schriftlich und formell gepr\u00e4gte Variet\u00e4t spontan im Gespr\u00e4ch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders belastend wird dies, wenn die schweizerische Person bereits damit rechnet, wegen ihres Akzents, ihrer Wortwahl oder ihres langsameren Gespr\u00e4chsrhythmus bewertet zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forschung zum <strong>Stereotype Threat<\/strong> zeigt: Die Bef\u00fcrchtung, ein negatives Vorurteil \u00fcber die eigene Gruppe zu best\u00e4tigen, kann Arbeitsged\u00e4chtnis binden und die tats\u00e4chliche Leistung verschlechtern. Man \u00fcberwacht sich, unterdr\u00fcckt Unsicherheit und versucht, keine Fehler zu machen. Genau diese Anstrengung nimmt jene geistigen Ressourcen in Anspruch, die f\u00fcr spontane Formulierungen ben\u00f6tigt w\u00fcrden. <a href=\"https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC2570773\/\">Schmader, Johns und Forbes<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein kleiner sp\u00f6ttischer Kommentar kann deshalb mehr bewirken, als der Sprechende beabsichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er erinnert die andere Person daran, dass nicht nur der Inhalt, sondern auch ihre sprachliche Zugeh\u00f6rigkeit beurteilt wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Akzent wird mit Kompetenz verwechselt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Shiri Lev-Ari und Boaz Keysar fanden in Experimenten, dass Aussagen mit einem fremden Akzent von Zuh\u00f6renden als weniger glaubw\u00fcrdig bewertet wurden. Ein Teil dieses Effekts entstand durch sogenannte Verarbeitungsfl\u00fcssigkeit: Was etwas schwerer zu verstehen ist, f\u00fchlt sich unbewusst weniger \u00fcberzeugend an. <a href=\"https:\/\/mdl.uchicago.edu\/research\/lev-ari-2010-why-dont-we-believe-non-native-speakers-the-influence-of-accent-on-credibility\/\">Lev-Ari und Keysar<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch diese Untersuchung betrifft nicht Schweizerhochdeutsch. Ein schweizerischer Akzent ist kein fremdsprachlicher Akzent, sondern Teil einer nationalen deutschen Standardvariet\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der zugrunde liegende Mechanismus bleibt dennoch relevant:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschen verwechseln h\u00e4ufig die Leichtigkeit, mit der sie eine Aussage verarbeiten, mit der Qualit\u00e4t dieser Aussage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer schnell, vertraut und erwartungsgem\u00e4ss klingt, wird leichter als kompetent wahrgenommen. Wer ungew\u00f6hnliche W\u00f6rter verwendet, anders intoniert oder l\u00e4nger nach einer Formulierung sucht, muss mehr \u00dcberzeugungsarbeit leisten \u2013 selbst wenn sein Argument inhaltlich besser ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So kann aus sprachlicher Gewohnheit eine informelle Machtordnung entstehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zwei verschiedene Vorstellungen von H\u00f6flichkeit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Konflikte zwischen Menschen aus Deutschland und der Schweiz entstehen nicht, weil eine Seite h\u00f6flich und die andere unh\u00f6flich w\u00e4re. Sie entstehen, weil H\u00f6flichkeit unterschiedlich hergestellt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer st\u00e4rker direktheitsorientierten Gespr\u00e4chskultur kann Respekt bedeuten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>klar sagen, was man denkt,<\/li>\n\n\n\n<li>Probleme nicht besch\u00f6nigen,<\/li>\n\n\n\n<li>Widerspruch offen \u00e4ussern,<\/li>\n\n\n\n<li>Zeit nicht mit Andeutungen verlieren,<\/li>\n\n\n\n<li>Sache und Person trennen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer st\u00e4rker abschw\u00e4chenden Gespr\u00e4chskultur kann Respekt bedeuten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>die Position des Gegen\u00fcbers mitber\u00fccksichtigen,<\/li>\n\n\n\n<li>Kritik sprachlich einbetten,<\/li>\n\n\n\n<li>dem anderen einen R\u00fcckweg offenlassen,<\/li>\n\n\n\n<li>eine Aussage nicht unn\u00f6tig absolut formulieren,<\/li>\n\n\n\n<li>Beziehung und Sache gemeinsam beachten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein beispielhafter deutscher Satz k\u00f6nnte lauten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00abDas funktioniert so nicht. Wir m\u00fcssen es anders machen.\u00bb<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein typisch schweizerisch abgeschw\u00e4chter Satz k\u00f6nnte lauten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00abIch bin nicht ganz sicher, ob wir vielleicht nochmals anschauen m\u00fcssten, ob es noch eine andere M\u00f6glichkeit g\u00e4be.\u00bb<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste Person meint m\u00f6glicherweise: <em>Ich bin ehrlich und verschwende deine Zeit nicht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Person meint m\u00f6glicherweise: <em>Ich widerspreche dir, ohne dich \u00f6ffentlich abzuwerten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die deutsche Person h\u00f6rt im schweizerischen Satz wom\u00f6glich Unsicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die schweizerische Person h\u00f6rt im deutschen Satz wom\u00f6glich R\u00fccksichtslosigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beide beurteilen die andere Seite nach der eigenen H\u00f6flichkeitsordnung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erving Goffman bezeichnete die gemeinsame Arbeit am sozialen Ansehen einer Person als <strong>Facework<\/strong>. Menschen versuchen in Gespr\u00e4chen, ihr eigenes \u00abGesicht\u00bb und jenes des Gegen\u00fcbers zu sch\u00fctzen. Kulturen und Sprachgemeinschaften unterscheiden sich jedoch darin, wie viel sprachliche Absicherung sie daf\u00fcr erwarten. <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/13254953\/\">Erving Goffman:<\/a> \u2060<a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/13254953\/\"><em>On Face-Work<\/em><\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was die Forschung zur Direktheit tats\u00e4chlich zeigt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das verbreitete Bild vom direkten Deutschen und indirekten Schweizer ist nicht vollst\u00e4ndig erfunden. Es ist aber gr\u00f6ber als die Forschungsergebnisse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Linguistin Tanja Ackermann untersuchte Aufforderungen in Deutschland und der deutschsprachigen Schweiz. Konventionelle Indirektheit und sprachliche Abschw\u00e4chungen nahmen vom Norden des untersuchten Gebiets nach S\u00fcden zu. In der Schweiz wurden Bitten h\u00e4ufiger eingebettet, mit Konjunktiven, Begr\u00fcndungen, Dank und sogenannten <em>Hedges<\/em> wie <em>vielleicht<\/em>, <em>eventuell<\/em> oder <em>ich denke<\/em> versehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Untersuchung zeigte aber auch: Der alemannische Raum auf deutscher und schweizerischer Seite verhielt sich in vielen Bereichen \u00e4hnlich. Die Staatsgrenze erkl\u00e4rt deshalb nicht alles. Region, Dialekt, Alter, Beruf, Hierarchie, Organisation und Pers\u00f6nlichkeit sind ebenfalls wichtig. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.25162\/zdl-2021-0012\">Tanja Ackermann, 2021<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit erh\u00e4lt auch meine pers\u00f6nliche Beobachtung eine wissenschaftliche Einordnung: Dass ich den Unterschied gegen\u00fcber norddeutschen Gespr\u00e4chspartnern st\u00e4rker wahrnehme, ist mit einer Nord-S\u00fcd-Tendenz vereinbar. Daraus l\u00e4sst sich jedoch nicht ableiten, dass alle Nord- oder Ostdeutschen harsch und alle S\u00fcddeutschen r\u00fccksichtsvoll seien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kulturelle Muster beschreiben Wahrscheinlichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie bestimmen keinen einzelnen Menschen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum sich deutsche Voten h\u00e4ufiger durchsetzen k\u00f6nnen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders aufschlussreich ist eine kleine vergleichende Untersuchung von Gabriela Suter und Simone Kauffeld. Analysiert wurden Videoaufnahmen von 15 norddeutschen und 15 deutschschweizerischen Studierendengruppen mit insgesamt 163 Teilnehmenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gruppen mussten gemeinsam ein Problem bearbeiten und eine Entscheidung treffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ergebnisse:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Schweizer Gruppen stellten signifikant mehr Fragen.<\/li>\n\n\n\n<li>Sie bezogen sich st\u00e4rker auf vorherige Beitr\u00e4ge.<\/li>\n\n\n\n<li>Sie verkn\u00fcpften Ursachen und Folgen.<\/li>\n\n\n\n<li>Sie entwickelten zun\u00e4chst ein gemeinsames Problemverst\u00e4ndnis.<\/li>\n\n\n\n<li>Die deutschen Gruppen formulierten wesentlich fr\u00fcher konkrete L\u00f6sungen.<\/li>\n\n\n\n<li>Sie f\u00fchrten ihre eigenen Vorschl\u00e4ge ausf\u00fchrlicher aus.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Gesamtzahl der gefundenen L\u00f6sungen unterschied sich nicht.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die deutschen Gruppen nannten erste L\u00f6sungen oft bereits in den ersten Minuten. In den Schweizer Gruppen erschienen konkrete Vorschl\u00e4ge deutlich sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist entscheidend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer fr\u00fch eine klare L\u00f6sung formuliert, setzt einen Bezugspunkt f\u00fcr das weitere Gespr\u00e4ch. Der Vorschlag steht im Raum, bevor andere Perspektiven vollst\u00e4ndig entwickelt wurden. Sp\u00e4tere Beitr\u00e4ge m\u00fcssen sich zu ihm verhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die schweizerische Seite investiert m\u00f6glicherweise zuerst in ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis. Diese Arbeit ist f\u00fcr die Qualit\u00e4t der Entscheidung wertvoll, wird aber weniger leicht einer einzelnen Person zugerechnet. Wenn der eigene Vorschlag schliesslich formuliert wird, ist der Gespr\u00e4chsrahmen wom\u00f6glich bereits durch einen fr\u00fcheren Beitrag besetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Untersuchung ist begrenzt: Es waren Studierende, relativ kleine Gruppen und eine k\u00fcnstliche Aufgabe. Sie erlaubt keine Aussagen \u00fcber alle Schweizer und Deutschen. Dennoch beschreibt sie bemerkenswert genau, was viele Menschen in gemischten Sitzungen erleben. <a href=\"https:\/\/www.bildungsfragen.ch\/index.cfm?action=act_getfile&amp;doc_id=100024\">Suter und Kauffeld:<\/a> \u2060<a href=\"https:\/\/www.bildungsfragen.ch\/index.cfm?action=act_getfile&amp;doc_id=100024\"><em>Meetings im kulturellen Vergleich<\/em><\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutsche Voten setzen sich demnach nicht zwangsl\u00e4ufig durch, weil sie inhaltlich besser sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie k\u00f6nnen sich durchsetzen, weil sie:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>fr\u00fcher ausgesprochen werden,<\/li>\n\n\n\n<li>eindeutiger als Position erkennbar sind,<\/li>\n\n\n\n<li>l\u00e4nger vertreten werden,<\/li>\n\n\n\n<li>weniger abgeschw\u00e4cht erscheinen,<\/li>\n\n\n\n<li>leichter einer Person zugerechnet werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wer mehr spricht, wirkt f\u00fchrungsst\u00e4rker<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leadership-Forschung liefert eine weitere unbequeme Erkl\u00e4rung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neil MacLaren und ein grosses Forschungsteam \u00fcberpr\u00fcften die sogenannte <strong>Babble Hypothesis<\/strong>: Werden Menschen als F\u00fchrungspersonen wahrgenommen, weil ihre Beitr\u00e4ge besonders gut sind \u2013 oder bereits deshalb, weil sie h\u00e4ufiger und l\u00e4nger sprechen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ergebnis: Die Sprechzeit sagte die Entstehung informeller F\u00fchrungszuschreibungen voraus, selbst wenn Intelligenz, Pers\u00f6nlichkeit, Geschlecht und weitere Faktoren statistisch ber\u00fccksichtigt wurden. <a href=\"https:\/\/orb.binghamton.edu\/management_fac\/2\/\">MacLaren et al., 2020<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschen verwechseln Pr\u00e4senz leicht mit Kompetenz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer schneller einsteigt, l\u00e4nger spricht und weniger sprachliche Zweifel signalisiert, wirkt f\u00fchrungsst\u00e4rker. Wer Fragen stellt, andere einbezieht und eine Aussage als vorl\u00e4ufige \u00dcberlegung formuliert, kann weniger dominant erscheinen \u2013 obwohl genau dieses Verhalten kollektive Intelligenz erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die scheinbare verbale Unterlegenheit der Schweizer Gespr\u00e4chsweise kann deshalb teilweise eine Fehlbewertung sein:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Stil, der auf Integration ausgerichtet ist, trifft auf Beurteilungskriterien, die individuelle Sichtbarkeit belohnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ist die Schweiz wirklich ein Konsensland \u2013 und Deutschland nicht?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein pers\u00f6nlicher Eindruck hat eine reale Grundlage, braucht aber eine Korrektur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schweiz gilt in der vergleichenden Politikwissenschaft als besonders ausgepr\u00e4gte Konsensdemokratie. F\u00f6deralismus, Mehrsprachigkeit, Verh\u00e4ltniswahl, Kollegialregierung und direkte Demokratie zwingen politische Akteure dazu, unterschiedliche Interessen fr\u00fch einzubeziehen. Ein Gesetz, das eine starke Minderheit vollst\u00e4ndig \u00fcbergeht, kann sp\u00e4ter im Referendum scheitern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Politikwissenschaftler Wolf Linder beschreibt die schweizerische Konkordanz deshalb als institutionalisierte Machtteilung und permanente Suche nach tragf\u00e4higen Kompromissen. <a href=\"https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC7816082\/\">Wolf Linder: Schweizer Konsensdemokratie<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Konsensorientierung ist nicht einfach eine angeborene schweizerische Charaktereigenschaft. Sie wurde historisch durch Institutionen einge\u00fcbt und belohnt. Auch sie war nicht \u00fcber Jahrhunderte unver\u00e4ndert vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutschland ist jedoch nicht das Gegenteil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Bundesrepublik wird in der vergleichenden Forschung h\u00e4ufig als Konsensdemokratie eingeordnet. F\u00f6deralismus, Bundesrat, Koalitionsregierungen, Verfassungsgericht und korporatistische Verhandlungen begrenzen die Macht einfacher Mehrheiten. <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/09644000802300023\">Burkhart und Lehnert zur deutschen Konsensdemokratie<\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Unterschied liegt eher im Grad und in der politischen Dramaturgie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland sind Regierung und Opposition sichtbarer voneinander getrennt. Die parlamentarische Auseinandersetzung belohnt die klare Markierung einer eigenen Position. Auf Bundesebene fehlt zudem das schweizerische Referendum als st\u00e4ndige M\u00f6glichkeit, eine parlamentarische Entscheidung nachtr\u00e4glich zu stoppen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Schweiz lohnt es sich st\u00e4rker, m\u00f6gliche Widerst\u00e4nde schon vor der Entscheidung einzubauen. In Deutschland wird der Konflikt zwischen Alternativen h\u00e4ufiger \u00f6ffentlich und positionsbezogen ausgetragen, bevor sp\u00e4ter in Koalitionen, Aussch\u00fcssen oder zwischen Bund und L\u00e4ndern Kompromisse entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese institutionellen Unterschiede k\u00f6nnen kommunikative Gewohnheiten verst\u00e4rken. Sie beweisen aber nicht, dass jede deutsche Person konfrontativ und jede schweizerische Person konsensorientiert kommuniziert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Chuchich\u00e4schtli als sprachliche Grenzkontrolle<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ber\u00fchmte <strong>Chuchich\u00e4schtli<\/strong> wirkt auf den ersten Blick harmlos. Es ist ein schwieriges Wort, man lacht \u00fcber die Aussprache und erkennt daran sofort das Schweizerdeutsche.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sprachwissenschaftlich funktioniert es als <strong>Schibboleth<\/strong>: ein Wort, an dessen Aussprache Zugeh\u00f6rigkeit erkannt oder gepr\u00fcft wird. Schibboleths machen eine unsichtbare Gruppengrenze h\u00f6rbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das kann spielerisch sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es kann aber auch ausgrenzend werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Schweizerinnen und Schweizer einen Deutschen auffordern, \u00abChuchich\u00e4schtli\u00bb zu sagen und anschliessend \u00fcber sein Scheitern lachen, kann das bedeuten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Du geh\u00f6rst sprachlich nicht ganz zu uns.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Deutsche das Wort immer wieder von einer schweizerischen Person h\u00f6ren wollen, ihren Akzent nachahmen oder die Sprache auf ein komisches Ger\u00e4usch reduzieren, kann die umgekehrte Botschaft entstehen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Deine Sprache ist eine unterhaltsame Abweichung von unserem eigentlichen Deutsch.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ob ein solcher Scherz verbindend oder diskriminierend wirkt, entscheidet nicht allein die Absicht. Entscheidend sind Beziehung, Wiederholung, Machtverh\u00e4ltnis und die M\u00f6glichkeit, ohne Nachteile Nein zu sagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Witz bleibt nicht harmlos, wenn immer dieselbe Person beweisen muss, dass ihre Sprache komisch ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forschung zum Schibboleth zeigt, dass solche Sprachtests nicht nur Aussprache pr\u00fcfen. Sie ordnen Menschen sozialen Gruppen zu und markieren Grenzen zwischen \u00abuns\u00bb und \u00abden anderen\u00bb. <a href=\"https:\/\/www.degruyter.com\/document\/doi\/10.1515\/ijsl-2020-0095\/html\">Busch und Spitzm\u00fcller:<\/a> \u2060<a href=\"https:\/\/www.degruyter.com\/document\/doi\/10.1515\/ijsl-2020-0095\/html\"><em>Indexical borders \u2013 the sociolinguistic scales of the shibboleth<\/em><\/a>\u2060<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was in mir geschieht<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ich mit einem Deutschen spreche und mich unsicher f\u00fchle, k\u00f6nnen mehrere Prozesse gleichzeitig ablaufen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Wechsel der Sprechlage.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp; &nbsp; Ich verlasse die Sprache meiner spontanen sozialen N\u00e4he und wechsle in eine st\u00e4rker formell gelernte Sprachform.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"2\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Vergleich mit der falschen Norm.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp; &nbsp; Ich messe mein Schweizerhochdeutsch an der m\u00fcndlichen Routine eines Menschen aus Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"3\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Selbst\u00fcberwachung.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp; &nbsp; Auch kontrolliere ich Aussprache, Wortwahl, Geschwindigkeit und m\u00f6gliche Helvetismen.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"4\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Ich lese mehr Beziehungssignale.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp; &nbsp; Eine direkte Aussage erreicht mich nicht nur sachlich, sondern m\u00f6glicherweise als soziale H\u00e4rte.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"5\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Ich formuliere sp\u00e4ter.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp; &nbsp; Ich m\u00f6chte zuerst verstehen, einordnen und die Auswirkungen auf andere ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"6\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Mein Gegen\u00fcber besetzt fr\u00fcher den Gespr\u00e4chsraum.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp; &nbsp; Ein schnelles, eindeutiges Votum wird leichter als kompetent und f\u00fchrungsstark wahrgenommen.<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"7\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Fr\u00fchere Erfahrungen werden aktiviert.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp; &nbsp; Wenn ich bereits bel\u00e4chelt oder sprachlich korrigiert wurde, erwarte ich eine Wiederholung und werde vorsichtiger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daraus kann ein Kreislauf entstehen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Erwartete Bewertung \u2192 st\u00e4rkere Selbstkontrolle \u2192 geringere Spontaneit\u00e4t \u2192 vorsichtigere Formulierung \u2192 Wahrnehmung als Unsicherheit \u2192 tats\u00e4chliche verbale Unterlegenheit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem liegt dann weder nur in mir noch nur beim Gegen\u00fcber. Es entsteht \u2013 wie in meinem Integrativen Systemdenken \u2013 zwischen Mensch, Beziehung, Aufgabe und Struktur.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was ich selbst tun kann, ohne Deutscher werden zu m\u00fcssen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ziel kann nicht sein, die schweizerische Kommunikationsweise abzulegen. Konsensorientierung, Zuh\u00f6ren, Abw\u00e4gen und sprachliche R\u00fccksicht sind keine Defizite.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber ich kann lernen, meine Position fr\u00fcher sichtbar zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine hilfreiche Struktur lautet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00abMein Vorschlag ist X. Ich m\u00f6chte anschliessend erkl\u00e4ren, welche Interessen und Risiken ich dabei ber\u00fccksichtigt habe.\u00bb<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit steht die Position am Anfang. Die schweizerische Auslegeordnung folgt danach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weitere M\u00f6glichkeiten:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ich entschuldige mich nicht f\u00fcr mein Schweizerhochdeutsch.<\/li>\n\n\n\n<li>Ich verwende Helvetismen, solange sie verst\u00e4ndlich sind.<\/li>\n\n\n\n<li>Ich trenne sprachliche Direktheit von fachlicher Richtigkeit.<\/li>\n\n\n\n<li>Ich sage fr\u00fch, wenn ich anderer Meinung bin.<\/li>\n\n\n\n<li>Ich lasse mich nicht durch Geschwindigkeit zu vorschnellen Antworten dr\u00e4ngen.<\/li>\n\n\n\n<li>Ich unterbreche eine Unterbrechung ruhig: \u00abIch m\u00f6chte den Gedanken noch beenden.\u00bb<\/li>\n\n\n\n<li>Ich benenne den Unterschied: \u00abIch formuliere vorsichtig, aber meine Position ist klar.\u00bb<\/li>\n\n\n\n<li>Ich frage nach, ob eine harte Aussage sachlich oder pers\u00f6nlich gemeint war.<\/li>\n\n\n\n<li>Ich setze bei sprachlichen Scherzen eine Grenze.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Chuchich\u00e4schtli k\u00f6nnte ich beispielsweise sagen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abIch weiss, dass es scherzhaft gemeint ist. F\u00fcr mich macht es meine Sprache aber zur Vorf\u00fchrung. Lassen wir es bitte.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist keine \u00dcberempfindlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist sprachliche Selbstachtung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was F\u00fchrungskr\u00e4fte in gemischten Teams tun sollten<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine gute Leitung darf Durchsetzungsf\u00e4higkeit nicht mit Lautst\u00e4rke, Sprechzeit oder bundesdeutscher Standardn\u00e4he verwechseln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hilfreich sind Strukturen, welche unterschiedliche Gespr\u00e4chsstile ausgleichen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Alle schreiben ihre erste Einsch\u00e4tzung vor der Diskussion kurz auf.<\/li>\n\n\n\n<li>Jede Person erh\u00e4lt eine ununterbrochene erste Wortmeldung.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Sitzung trennt bewusst Problemkl\u00e4rung und L\u00f6sungsentscheidung.<\/li>\n\n\n\n<li>Fragen und das Aufgreifen fremder Beitr\u00e4ge werden als Leistung anerkannt.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Leitung fragt gezielt nach noch nicht vertretenen Perspektiven.<\/li>\n\n\n\n<li>Entscheidungen werden nicht automatisch an der zuerst genannten L\u00f6sung ausgerichtet.<\/li>\n\n\n\n<li>Unterbrechungen und abwertende Akzentwitze werden angesprochen.<\/li>\n\n\n\n<li>Wichtige Vorschl\u00e4ge werden zus\u00e4tzlich schriftlich gesammelt.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Moderation unterscheidet zwischen inhaltlicher Klarheit und sprachlicher Dominanz.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Psychologische Sicherheit bedeutet auch sprachliche Sicherheit: Menschen m\u00fcssen sprechen k\u00f6nnen, ohne zu bef\u00fcrchten, dass Akzent, Tempo oder regionale Wortwahl gegen ihre Kompetenz verwendet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier schliesst sich der Kreis zu meiner <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/multiversitaet-wenn-vielfalt-beginnt-gemeinsam-wirklichkeit-zu-gestalten\/\">Multiversit\u00e4t<\/a>\u2060.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielfalt beginnt nicht erst zwischen verschiedenen Nationalsprachen. Sie existiert bereits innerhalb derselben Sprache \u2013 in Akzenten, Gespr\u00e4chsrhythmen, H\u00f6flichkeitsformen, regionalen Erfahrungen und unterschiedlichen Vorstellungen davon, wie Klarheit entsteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Multiversit\u00e4t ist erreicht, wenn nicht eine Seite ihre Kommunikationsweise zur allgemeinen Norm erkl\u00e4rt, sondern beide Seiten lernen, die Kompetenz hinter dem jeweils anderen Stil zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Nicht weniger klar \u2013 anders klar<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutsche Direktheit muss nicht r\u00fccksichtslos sein. Sie kann Ausdruck von Ehrlichkeit, Effizienz und dem Wunsch nach eindeutigen Verh\u00e4ltnissen sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schweizerische Zur\u00fcckhaltung muss nicht unsicher oder unehrlich sein. Sie kann Ausdruck von Respekt, sozialer Wahrnehmung und dem Bem\u00fchen um eine tragf\u00e4hige gemeinsame L\u00f6sung sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Problematisch wird es erst, wenn eine Seite ihre eigene Kommunikationsform mit Vernunft, Kompetenz und Normalit\u00e4t gleichsetzt \u2013 und die andere Form als pers\u00f6nliche Schw\u00e4che deutet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht ist deshalb mein Gef\u00fchl der Unsicherheit keine Einbildung. Aber es ist auch kein Beweis daf\u00fcr, dass ich sprachlich unterlegen bin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich betrete im Gespr\u00e4ch mit Menschen aus Deutschland einen Sprachraum, den ich ausgezeichnet kenne, in dem mein Gegen\u00fcber aber m\u00f6glicherweise selbstverst\u00e4ndlicher wohnt. Gleichzeitig bringe ich F\u00e4higkeiten mit, die in einer schnellen, positionsorientierten Diskussion weniger sichtbar werden: Zuh\u00f6ren, Verkn\u00fcpfen, Einbeziehen, Abw\u00e4gen und das Wahrnehmen jener Dinge, die nicht ausdr\u00fccklich gesagt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In meinem Blog <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/?p=2591\">\u00abKommunikation formt Wirklichkeit\u00bb<\/a>\u2060 habe ich beschrieben, dass Sprache Wirklichkeit nicht nur abbildet. Sie erzeugt soziale Wirklichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer zuerst spricht, erzeugt einen Rahmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer direkter spricht, erzeugt den Eindruck von Gewissheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wer langsamer spricht, kann nachdenklich sein \u2013 wird aber m\u00f6glicherweise f\u00fcr unsicher gehalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer R\u00fccksicht sprachlich sichtbar macht, kann kompetent f\u00fchren \u2013 wird aber vielleicht nicht als f\u00fchrungsstark erkannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb m\u00fcssen wir lernen, nicht nur Aussagen zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir m\u00fcssen h\u00f6ren, aus welcher sprachlichen und sozialen Welt sie zu uns kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abIch bin nicht weniger klar, weil ich zuerst verstehen will. Und ich bin nicht weniger deutschsprachig, weil mein Deutsch in der Schweiz zu Hause ist.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Christoph J. Zingg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wissenschaftlicher Hinweis: Die beschriebenen Unterschiede sind statistische, regionale und kulturelle Tendenzen. Sie erlauben keine Beurteilung einzelner Menschen. Besonders die Forschung zu emotionaler Zweitsprachigkeit, Akzenturteilen und Stereotype Threat bietet plausible Erkl\u00e4rungsmechanismen, wurde aber nicht durchgehend speziell an Begegnungen zwischen Deutschen und Deutschschweizerinnen beziehungsweise Deutschschweizern untersucht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lies auch:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/von-der-diversitaet-zur-multiversitaet\/\" data-type=\"post\" data-id=\"2827\">Von der Diversit\u00e4t zur Multiversit\u00e4t<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/multiversitaet-wenn-vielfalt-beginnt-gemeinsam-wirklichkeit-zu-gestalten\/\" data-type=\"post\" data-id=\"2889\">Multiversit\u00e4t<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/multiversitaet-multiversity-warum-vielfalt-diversitaet-allein-noch-keine-gemeinschaft-schafft\/\" data-type=\"post\" data-id=\"2789\">Diversit\u00e4t oder Multiversit\u00e4t?<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abAuf Schweizerdeutsch h\u00f6re ich jedes Wort\u00bb &#8211; Warum ein gemeinsames Deutsch noch keine gemeinsame Kommunikation schafft<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":3522,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"Auf Schweizerdeutsch h\u00f6re ich jedes Wort\nIch h\u00f6re es aber nicht nur, - 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