{"id":3480,"date":"2026-10-10T08:39:00","date_gmt":"2026-10-10T06:39:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/?p=3480"},"modified":"2026-08-31T01:13:49","modified_gmt":"2026-08-30T23:13:49","slug":"umgang-mit-stress-oder-umgang-mit-unsicherheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/umgang-mit-stress-oder-umgang-mit-unsicherheit\/","title":{"rendered":"Umgang mit Stress oder Umgang mit Unsicherheit?"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum Nichtwissen belastet \u2013 und weshalb gute Stressbew\u00e4ltigung mehr ist als Atem\u00fcbungen<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/f1007c36-a4bd-4b9f-a270-31321b344127.png?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1290\" height=\"726\" data-attachment-id=\"3481\" data-permalink=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/f1007c36-a4bd-4b9f-a270-31321b344127\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/f1007c36-a4bd-4b9f-a270-31321b344127.png?fit=1672%2C941&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1672,941\" data-comments-opened=\"1\" data-image-title=\"f1007c36-a4bd-4b9f-a270-31321b344127\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/f1007c36-a4bd-4b9f-a270-31321b344127.png?fit=1024%2C576&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/f1007c36-a4bd-4b9f-a270-31321b344127.png?resize=1290%2C726&#038;ssl=1\" alt=\"f1007c36-a4bd-4b9f-a270-31321b344127\" class=\"wp-image-3481\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/f1007c36-a4bd-4b9f-a270-31321b344127.png?w=1672&amp;ssl=1 1672w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/f1007c36-a4bd-4b9f-a270-31321b344127.png?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/f1007c36-a4bd-4b9f-a270-31321b344127.png?resize=1024%2C576&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/f1007c36-a4bd-4b9f-a270-31321b344127.png?resize=768%2C432&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/www.zingg-dive.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/f1007c36-a4bd-4b9f-a270-31321b344127.png?resize=1536%2C864&amp;ssl=1 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1290px) 100vw, 1290px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">von Christoph J. Zingg (Autor)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00abStress ist nicht dein Problem. Dein Umgang mit Unsicherheit ist es.\u00bb<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Satz ist stark.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er bleibt h\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und er trifft einen wichtigen Punkt: Oft belastet uns nicht nur eine Aufgabe, eine Frist oder eine Ver\u00e4nderung. Belastend ist das Nichtwissen darum herum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was wird genau erwartet? Welche Priorit\u00e4t gilt? Was geschieht, wenn es nicht gelingt? Bleibt meine Stelle bestehen? Kommt noch mehr Arbeit hinzu? Darf ich widersprechen? Wann wird entschieden? Und wer \u00fcbernimmt Verantwortung, wenn etwas schiefgeht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine klare schwierige Situation kann leichter auszuhalten sein als eine m\u00f6glicherweise harmlose, aber unberechenbare Situation. Wer weiss, woran er ist, kann planen. Wer nicht weiss, woran er ist, muss gleichzeitig arbeiten, beobachten, interpretieren, vermuten und sich auf mehrere m\u00f6gliche Zuk\u00fcnfte vorbereiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem ist der einleitende Satz wissenschaftlich zu absolut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stress und Unsicherheit sind keine Gegens\u00e4tze. Unsicherheit ist auch nicht die einzige Ursache von Stress. Sie ist vielmehr ein besonders wirksamer Verst\u00e4rker \u2013 vor allem dann, wenn viel auf dem Spiel steht, wenig kontrollierbar ist, soziale Bewertung droht und verl\u00e4ssliche Orientierung fehlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&gt; **Nicht jede Belastung ist Unsicherheit. Aber Unsicherheit kann beinahe jede Belastung vergr\u00f6ssern.**<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Stress oder Unsicherheit?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sondern:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie wirken Belastung, Unsicherheit, Kontrolle, Ressourcen, Sicherheit und Erholung zusammen \u2013 und an welcher Stelle m\u00fcssen wir handeln?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zuerst m\u00fcssen wir die Begriffe trennen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Alltag wird fast alles als Stress bezeichnet: Zeitdruck, M\u00fcdigkeit, Streit, Angst, \u00dcberforderung, Unklarheit oder sogar ein voller Terminkalender. Wissenschaftlich lohnt sich eine genauere Unterscheidung.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">|Begriff\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Gemeint ist \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Beispiel\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">|**Stressor oder Belastung**\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Eine innere oder \u00e4ussere Anforderung, die Anpassung verlangt\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Personalmangel, Schmerz, Konflikt, Zeitdruck\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 |<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">|**Stressreaktion** \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Die k\u00f6rperliche, emotionale, gedankliche und verhaltensbezogene Antwort auf eine Anforderung<br>|Anspannung, schneller Puls, Gr\u00fcbeln, Konzentrationsverengung\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 |<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">|**Risiko** \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|M\u00f6gliche Ausg\u00e4nge und ihre Wahrscheinlichkeiten sind zumindest ann\u00e4hernd bekannt\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Ein Medikament verursacht bei einem bekannten Anteil Nebenwirkungen \u00a0 \u00a0 \u00a0 |<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">|**Unsicherheit** \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Ausgang, Wahrscheinlichkeit oder Entwicklung sind nicht ausreichend bekannt \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Niemand weiss, ob und wann eine Reorganisation kommt\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 |<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">|**Ambiguit\u00e4t** \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Dieselbe Information l\u00e4sst mehrere Deutungen zu \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|\u00abWir pr\u00fcfen alle Optionen\u00bb kann vieles bedeuten \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 |<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">|**Unvorhersagbarkeit** \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Zeitpunkt, Verlauf oder Konsequenz wechseln unregelm\u00e4ssig \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 |Dienstplan\u00e4nderungen erfolgen kurzfristig und ohne erkennbares Muster \u00a0 \u00a0 |<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">|**Unkontrollierbarkeit** \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Eine Person kann den Verlauf kaum beeinflussen\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Eine Entscheidung wird anderswo gef\u00e4llt, ohne Mitsprache\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 |<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">|**Intoleranz gegen\u00fcber Unsicherheit**<br>|Die Tendenz, auf ungewisse Situationen stark negativ zu reagieren \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|St\u00e4ndiges R\u00fcckversichern, Gr\u00fcbeln, Vermeiden oder vorschnelles Entscheiden|<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">|**Ambiguit\u00e4tstoleranz**\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Die F\u00e4higkeit, trotz unvollst\u00e4ndiger oder mehrdeutiger Information handlungsf\u00e4hig zu bleiben<br>|Eine vorl\u00e4ufige Entscheidung treffen und sie bei neuen Fakten anpassen\u00a0 \u00a0 |<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Begriffe \u00fcberlappen, sind aber nicht identisch. Eine Situation kann eindeutig und trotzdem extrem belastend sein. Eine Operation kann gut geplant, ein Nachtdienst klar organisiert und eine Frist pr\u00e4zise formuliert sein \u2013 und dennoch k\u00f6nnen Schmerz, Arbeitsmenge oder Verantwortung die verf\u00fcgbaren Kr\u00e4fte \u00fcbersteigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch der wissenschaftliche Stressbegriff selbst ist umstritten. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.neubiorev.2011.02.003\"><strong>Koolhaas und Kollegen<\/strong><\/a> <strong>warnten davor, jede Aktivierung oder anspruchsvolle Erfahrung als Stress zu bezeichnen. Sie schlugen vor, den Begriff enger f\u00fcr Situationen zu verwenden, in denen eine Anforderung die regulativen M\u00f6glichkeiten des Organismus \u00fcbersteigt; Unvorhersagbarkeit und Unkontrollierbarkeit spielen dabei eine wichtige Rolle.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Umgekehrt kann eine objektiv geringe Belastung erheblichen Stress ausl\u00f6sen, wenn ihre Bedeutung unklar ist. Eine kurze Nachricht der Leitung \u2013 \u00abKomm bitte morgen kurz bei mir vorbei\u00bb \u2013 enth\u00e4lt kaum Information. Gerade deshalb kann sie einen ganzen Abend mit m\u00f6glichen Erkl\u00e4rungen f\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Warum das Gehirn Nichtwissen nicht einfach offenl\u00e4sst<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das menschliche Gehirn wartet nicht passiv darauf, bis gen\u00fcgend Fakten vorhanden sind. Es versucht fortlaufend vorherzusagen, was als N\u00e4chstes geschieht. Aus fr\u00fcheren Erfahrungen, wahrgenommenen Signalen und dem jeweiligen Kontext bildet es Erwartungen. Weicht die Wirklichkeit davon ab, entsteht ein Vorhersagefehler. Dann m\u00fcssen die bisherigen Annahmen \u00fcberpr\u00fcft und angepasst werden.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\">Das ist keine Fehlfunktion. Es ist eine \u00dcberlebensleistung.<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unklarheit bedeutet n\u00e4mlich, dass mehrere Entwicklungen gleichzeitig m\u00f6glich bleiben. Das Gehirn kann seine Aufmerksamkeit und Energie nicht vollst\u00e4ndig auf eine einzige Handlung ausrichten. Es muss M\u00f6glichkeiten offenhalten, Gefahren beobachten und laufend neu bewerten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.pneurobio.2017.05.004\">Peters, McEwen und Friston<\/a> <strong>entwickelten daraus eine informationstheoretische Sicht auf Stress. Sie beschreiben Unsicherheit als eine zentrale Quelle von Stress: Belastend wird die Erwartung, dass etwas anders eintreten k\u00f6nnte als angenommen und dass die \u00dcberraschung nicht ausreichend vermieden werden kann. Das ist ein einflussreicher Erkl\u00e4rungsansatz \u2013 aber nicht die einzige anerkannte Stresstheorie.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders eindr\u00fccklich ist ein Experiment von <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/ncomms10996\"><strong>de Berker und Kollegen<\/strong><\/a><strong>. Versuchspersonen mussten lernen, wann ein leichter elektrischer Reiz zu erwarten war. Subjektiver Stress, Pupillengr\u00f6sse und Hautleitf\u00e4higkeit folgten nicht einfach der H\u00e4ufigkeit der Reize, sondern besonders der erlebten Ungewissheit. Die st\u00e4rkste Anspannung entstand dort, wo der Ausgang am wenigsten vorhersehbar war. Zugleich half eine angemessene Stressreaktion beim Lernen unter unsicheren Bedingungen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zeigt zwei Dinge:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. Unsicherheit kann eine messbare Stressreaktion ausl\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. Stress ist nicht automatisch sch\u00e4dlich. Kurzfristig kann er Aufmerksamkeit, Lernen und Anpassung unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Problematisch wird Stress vor allem, wenn die Aktivierung h\u00e4ufig, lang anhaltend oder ohne ausreichende Erholung bestehen bleibt. Bruce McEwen bezeichnete die kumulative k\u00f6rperliche Beanspruchung durch wiederholte Anpassungsprozesse als <strong>allostatische Last. Was kurzfristig sch\u00fctzt, kann bei dauernder Aktivierung auf lange Sicht K\u00f6rper und Psyche belasten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.neubiorev.2016.07.019\"><strong>Generalized Unsafety Theory of Stress<\/strong><\/a> <strong>von Brosschot, Verkuil und Thayer verschiebt den Blick: Nicht nur eine sichtbare Bedrohung kann Stress aufrechterhalten. Manchmal fehlt dem Organismus vielmehr ein ausreichend glaubw\u00fcrdiges Signal daf\u00fcr, dass die Situation sicher ist. In diesem Sinn ist nicht nur vorhandene Gefahr relevant, sondern auch fehlende Sicherheit.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zwischen Ereignis und Stress liegt eine Bewertung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/books.google.com\/books?id=i-ySQQuUpr8C\">Richard Lazarus und Susan Folkman<\/a> <strong>beschrieben Stress als Beziehung zwischen Mensch und Umwelt. Nicht allein das Ereignis entscheidet, sondern auch dessen Bewertung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vereinfacht laufen zwei Fragen ab:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. <strong>Was bedeutet diese Situation f\u00fcr mich?<\/strong> Ist sie irrelevant, g\u00fcnstig, herausfordernd, bedrohlich oder bereits sch\u00e4digend?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. <strong>Welche M\u00f6glichkeiten habe ich?<\/strong> Verf\u00fcge ich \u00fcber Wissen, Zeit, Kraft, Unterst\u00fctzung, Handlungsspielraum und einen gangbaren n\u00e4chsten Schritt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb k\u00f6nnen zwei Menschen dieselbe Situation unterschiedlich erleben. Und derselbe Mensch kann dieselbe Situation an zwei Tagen unterschiedlich bewerten. Wer ausgeschlafen, unterst\u00fctzt und vorbereitet ist, erlebt eine neue Aufgabe m\u00f6glicherweise als Herausforderung. Wer bereits ersch\u00f6pft ist, gleichzeitig private Sorgen tr\u00e4gt und keine R\u00fcckfragen stellen darf, erlebt dieselbe Aufgabe als Bedrohung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Bewertung ist weder bloss Einbildung noch eine freie Willensentscheidung. Sie entsteht aus realen Bedingungen, fr\u00fcheren Erfahrungen, k\u00f6rperlichem Zustand, sozialem Umfeld und verf\u00fcgbaren Ressourcen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das passt zu <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1093\/heapro\/11.1.11\"><strong>Aaron Antonovskys Salutogenese<\/strong><\/a><strong>. Sein Koh\u00e4renzgef\u00fchl umfasst drei miteinander verbundene Erfahrungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Verstehbarkeit:<\/strong> Kann ich einordnen, was geschieht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Handhabbarkeit:<\/strong> Verf\u00fcge ich \u00fcber Mittel und Unterst\u00fctzung, um damit umzugehen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sinnhaftigkeit:<\/strong> Ist es f\u00fcr mich bedeutsam, mich dieser Anforderung zu stellen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsicherheit greift besonders die Verstehbarkeit an. Ohnmacht besch\u00e4digt die Handhabbarkeit. Sinnlose oder widerspr\u00fcchliche Anforderungen untergraben die Sinnhaftigkeit. Gute Stresspr\u00e4vention muss deshalb mehr leisten, als Menschen zur Entspannung aufzufordern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kontrolle ist nicht Allmacht<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschen m\u00fcssen nicht alles kontrollieren k\u00f6nnen. Das w\u00e4re weder m\u00f6glich noch w\u00fcnschenswert. Entscheidend ist h\u00e4ufig eine begrenzte, aber reale Form von Einfluss:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich weiss, wen ich fragen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich darf auf ein Problem hinweisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und ich kann zwischen sinnvollen Optionen w\u00e4hlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich kenne den n\u00e4chsten Entscheidungstermin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und ich weiss, welche Kriterien zu einer \u00c4nderung f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> Ich kann mich vorbereiten oder sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und ich kann auch notfalls eine Situation verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Meta-Analyse von <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1037\/0033-2909.130.3.355\"><strong>Dickerson und Kemeny<\/strong><\/a> <strong>\u00fcber 208 Laborstudien zeigte, dass besonders Aufgaben mit sozialer Bewertung und geringer Kontrollierbarkeit deutliche Cortisolreaktionen ausl\u00f6sten. Die Kombination aus m\u00f6glicher negativer Beurteilung und fehlendem Einfluss war besonders wirksam.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in der Arbeitsforschung taucht Kontrolle immer wieder auf. Robert Karaseks Demand-Control-Modell beschreibt, dass hohe Anforderungen insbesondere dann belastend werden, wenn der Entscheidungsspielraum klein ist. Das Job-Demands\u2013Resources-Modell von Demerouti und Bakker erweitert den Blick: Arbeitsanforderungen verbrauchen Energie; Ressourcen wie Autonomie, Unterst\u00fctzung, Klarheit, Kompetenzen und R\u00fcckmeldung f\u00f6rdern Motivation und k\u00f6nnen Belastungsfolgen abpuffern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zentrale Gleichung lautet deshalb nicht:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Viel Arbeit = viel Stress.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie lautet eher:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hohe Anforderungen + unzureichende Ressourcen + wenig Einfluss + geringe Erholung = erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr anhaltende Beanspruchung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsicherheit kann in allen vier Bereichen mitwirken. Sie ist aber nicht mit ihnen identisch.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wo der einleitende Satz besonders recht hat: Unsicherheit in Organisationen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Ver\u00e4nderungsprozessen zeigt sich die Wirkung von Unsicherheit besonders deutlich. Mitarbeitende wollen nicht nur wissen, <em>dass<\/em> <strong>sich etwas ver\u00e4ndert. Sie wollen verstehen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wohin entwickelt sich die Organisation?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welche Strukturen \u00e4ndern sich?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was bedeutet das f\u00fcr meine Aufgabe, mein Team, meinen Dienstplan und meine Stelle?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1023\/B:JOBU.0000028449.99127.f7\">Bordia und Kollegen<\/a> <strong>unterschieden deshalb strategische, strukturelle und arbeitsplatzbezogene Unsicherheit. In ihrer Untersuchung reduzierten nachvollziehbare Kommunikation und Beteiligung unterschiedliche Formen der Unsicherheit. Mitsprache st\u00e4rkte das Erleben von Kontrolle und hing mit geringerer psychischer Beanspruchung zusammen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch <strong>Rollenunklarheit ist nicht harmlos. Eine<\/strong> <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/1359432X.2012.711523\"><strong>Meta-Analyse von Schmidt, R\u00f6sler, Kusserow und Rau<\/strong><\/a> <strong>fasste 33 Studien mit nahezu 20\u2019000 untersuchten Personen zusammen. Rollenunklarheit und Rollenkonflikte standen jeweils moderat mit depressiven Symptomen in Zusammenhang. Unklare Aufgaben, widerspr\u00fcchliche Erwartungen und fehlende Zust\u00e4ndigkeiten sind damit nicht einfach l\u00e4stige Kommunikationsfehler. Sie k\u00f6nnen relevante psychosoziale Belastungen sein.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier ber\u00fchrt die Forschung mein <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/das-geruechte-informationsgesetz-nach-zingg-in-der-kommunikation\/\"><strong>Informations-Ger\u00fcchte-Gesetz<\/strong><\/a><strong>: Wo verl\u00e4ssliche Information fehlt, verschwindet das Bed\u00fcrfnis nach Erkl\u00e4rung nicht. Die L\u00fccke wird durch Vermutungen, Flurgespr\u00e4che und eigene Geschichten gef\u00fcllt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das geschieht nicht zwingend aus b\u00f6ser Absicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist eine Form von Sensemaking.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschen versuchen, aus unvollst\u00e4ndigen Signalen eine zusammenh\u00e4ngende Wirklichkeit zu bauen. Das Problem beginnt dort, wo eine plausible Deutung unbemerkt zur vermeintlichen Tatsache wird. Aus \u00abIch weiss es nicht\u00bb wird \u00abEs wird sicher so sein\u00bb. Aus M\u00f6glichkeit wird Gewissheit. Und aus Gewissheit entsteht Verhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schweigen der Leitung beseitigt Unsicherheit deshalb nicht. Es privatisiert ihre Bearbeitung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wo der Satz zu kurz greift<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Behauptung \u00abStress ist nicht dein Problem\u00bb kann unbeabsichtigt etwas Gef\u00e4hrliches bewirken: Sie kann ein strukturelles Problem in eine pers\u00f6nliche Bew\u00e4ltigungsaufgabe verwandeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer chronisch unterbesetzt arbeitet, moralisch unvertretbare Entscheidungen mittragen muss, Gewalt erlebt, keine Pausen erh\u00e4lt oder permanent zu viele Aufgaben gleichzeitig erf\u00fcllen soll, leidet nicht bloss an einem ung\u00fcnstigen Umgang mit Unsicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stress kann auch entstehen durch:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">objektive \u00dcberlastung,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlafmangel und fehlende Regeneration,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schmerz, L\u00e4rm, Hitze oder Krankheit,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">soziale Abwertung und Dem\u00fctigung,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gewalt und Bedrohung,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rollenkonflikte,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">moralische Belastung,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">mangelnde Anerkennung und Ungerechtigkeit,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ein <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1037\/1076-8998.1.1.27\">Missverh\u00e4ltnis von Verausgabung und Belohnung<\/a>,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">fehlende personelle, zeitliche oder fachliche Ressourcen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch eine vollkommen klare Deadline kann Dauerstress erzeugen, wenn die verf\u00fcgbare Zeit objektiv nicht ausreicht, st\u00e4ndig neue Deadlines folgen oder die Aufgabe mit den vorhandenen Mitteln nicht sicher zu bew\u00e4ltigen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt deshalb nicht nur individuelles Stressmanagement, sondern ausdr\u00fccklich <strong>organisatorische Interventionen, die psychosoziale Risiken und Arbeitsbedingungen ver\u00e4ndern. Ein aktueller<\/strong> <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s00420-024-02065-z\"><strong>systematischer Review zu Besch\u00e4ftigten im Gesundheitswesen<\/strong><\/a> <strong>fand die st\u00e4rkste Evidenz bei konkreten Ver\u00e4nderungen von Aufgaben und Arbeitsgestaltung; auch flexiblere Arbeitszeiten und Ver\u00e4nderungen der Arbeitsumgebung zeigten Nutzen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist f\u00fcr die Pflege besonders wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn zw\u00f6lf anspruchsvolle Aufgaben gleichzeitig anfallen, eine Lernende Begleitung braucht, das Telefon klingelt, eine Infusion beendet ist, Angeh\u00f6rige Auskunft w\u00fcnschen und ein instabiler Patient \u00fcberwacht werden muss, ist die L\u00f6sung nicht allein eine h\u00f6here Ambiguit\u00e4tstoleranz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann braucht es Priorisierung, Teamunterst\u00fctzung, fachlich ausreichende Besetzung, Unterbrechungsmanagement und ein System, das sichere Arbeit \u00fcberhaupt erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&gt; **Nicht jede \u00dcberforderung ist ein pers\u00f6nliches Trainingsdefizit. Manchmal ist sie eine zutreffende Reaktion auf unzureichende Bedingungen.**<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Atem\u00fcbungen, Pausen, Sport und Schlaf: nur Symptombehandlung?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch diese Aussage des Posts braucht eine Korrektur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Atem\u00fcbungen, Bewegung, Pausen und Schlaf beseitigen keine unklare Strategie, keine schlechte Dienstplanung und keinen Personalmangel. In diesem Sinn ver\u00e4ndern sie die \u00e4ussere Ursache tats\u00e4chlich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber daraus folgt nicht, dass sie bloss oberfl\u00e4chliche Symptombehandlung w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stress ist ein wechselseitiger Prozess zwischen Situation, Bewertung, K\u00f6rper und Verhalten. Wer physiologisch hoch aktiviert ist, nimmt Bedrohungen schneller wahr, denkt enger, reagiert impulsiver und kann Mehrdeutigkeit schlechter aushalten. Wer sich regulieren und erholen kann, gewinnt eher die kognitive Breite zur\u00fcck, die f\u00fcr gute Entscheidungen n\u00f6tig ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41598-022-27247-y\"><strong>Meta-Analyse randomisierter Studien zu Ateminterventionen<\/strong><\/a> <strong>fand einen kleinen bis mittleren durchschnittlichen Effekt auf subjektiven Stress. Die Autorinnen und Autoren betonen zugleich begrenzte Studienzahlen und ein h\u00e4ufig moderates Verzerrungsrisiko. Atemarbeit ist damit weder Wundermittel noch Einbildung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Schlaf gilt dasselbe Grundprinzip. Eine <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1037\/bul0000410\"><strong>Meta-Analyse von 154 experimentellen Studien<\/strong><\/a> <strong>zeigt, dass Schlafentzug, verk\u00fcrzter Schlaf und Schlafunterbrechungen das emotionale Erleben beeintr\u00e4chtigen; besonders konsistent waren weniger positive Gef\u00fchle und mehr Angstsymptome. Bewegung kann Stimmung, k\u00f6rperliche Belastbarkeit und Stressreaktivit\u00e4t g\u00fcnstig beeinflussen. Pausen unterbrechen die Daueraktivierung und schaffen Raum f\u00fcr Neuorientierung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist die Ebene, auf der eine Massnahme wirkt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">|Ebene \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Leitfrage \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Beispiele \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">|**Stressor ver\u00e4ndern**\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Was muss an der Situation anders werden?\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Arbeitsmenge reduzieren, Aufgabe neu gestalten, Konflikt bearbeiten \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 |<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">|**Unsicherheit reduzieren oder begrenzen**|<br>Welche Information, Rolle oder Entscheidung fehlt?\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Erwartungen kl\u00e4ren, Zust\u00e4ndigkeit benennen, n\u00e4chsten Updatezeitpunkt festlegen\u00a0 \u00a0 |<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">|**Einfluss und Ressourcen st\u00e4rken** \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Was macht die Situation handhabbarer? \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Mitsprache, Unterst\u00fctzung, Training, Entscheidungsbefugnis, Eskalationsweg\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 |<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">|**Stressreaktion regulieren** \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Was bringt K\u00f6rper und Denken wieder in einen arbeitsf\u00e4higen Bereich?\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <br>|Atemregulation, Bewegung, Pause, Schlaf, soziale Unterst\u00fctzung\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 |<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">|**Irreduzible Unsicherheit annehmen** \u00a0 \u00a0 <br>|Was kann heute nicht gekl\u00e4rt werden, ohne dass ich mein Handeln einstellen muss?<br>|Akzeptanz, psychologische Flexibilit\u00e4t, vorl\u00e4ufige Entscheidung, Werteorientierung|<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gute Stressbew\u00e4ltigung spielt diese Ebenen nicht gegeneinander aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie verbindet sie.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Unsicherheit tolerieren bedeutet nicht, alles hinzunehmen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ambiguit\u00e4tstoleranz wird manchmal missverstanden als F\u00e4higkeit, immer noch mehr Unklarheit auszuhalten. Das w\u00e4re keine gesunde Anpassung, sondern k\u00f6nnte in Resignation m\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Toleranz gegen\u00fcber Unsicherheit bedeutet vielmehr:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">anzuerkennen, dass vollst\u00e4ndige Gewissheit oft nicht erreichbar ist,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">nicht jede offene Frage sofort mit einer erfundenen Antwort zu schliessen,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">trotz Restunsicherheit bewusst zu entscheiden,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">neue Informationen aufzunehmen, ohne die fr\u00fchere Entscheidung als pers\u00f6nliches Versagen zu erleben,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">und gleichzeitig unn\u00f6tige Unklarheit nicht widerspruchslos zu akzeptieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der klinischen Psychologie gilt <strong>Intoleranz gegen\u00fcber Unsicherheit als diagnose\u00fcbergreifend relevantes Merkmal, unter anderem bei Angst, Sorgen und Depression. Sie zeigt sich beispielsweise durch st\u00e4ndiges R\u00fcckversichern, \u00fcberm\u00e4ssiges Pr\u00fcfen, Gr\u00fcbeln, Vermeidung oder den Versuch, vorschnell absolute Gewissheit herzustellen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch auch hier ist wissenschaftliche Bescheidenheit n\u00f6tig. Eine <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1002\/cpp.3026\"><strong>Meta-Analyse von N\u00e4sling und Kollegen<\/strong><\/a> <strong>zeigt zwar, dass Psychotherapie die Intoleranz gegen\u00fcber Unsicherheit ver\u00e4ndern kann; gegen\u00fcber aktiven Kontrollbedingungen waren die Ergebnisse jedoch nicht eindeutig. Die F\u00e4higkeit ist wahrscheinlich beeinflussbar, aber die Forschung kennt noch nicht f\u00fcr jede Person und jeden Kontext die beste Methode.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hilfreich ist deshalb nicht ein einzelnes Rezept, sondern <strong>Coping-Flexibilit\u00e4t: Eine Strategie muss zur Situation passen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist etwas ver\u00e4nderbar, braucht es problemorientiertes Handeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fehlt Information, braucht es Kl\u00e4rung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist Unsicherheit vorl\u00e4ufig, braucht es einen \u00dcberpr\u00fcfungszeitpunkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ist sie grunds\u00e4tzlich nicht aufl\u00f6sbar, braucht es Akzeptanz und werteorientiertes Handeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und ist die Belastung ungesund, braucht es Schutz, Eskalation oder einen Ausstieg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Akzeptanz ist nicht Passivit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie bedeutet, den nicht kontrollierbaren Teil der Wirklichkeit nicht l\u00e4nger mit untauglichen Kontrollversuchen zu bek\u00e4mpfen \u2013 damit Energie f\u00fcr den beeinflussbaren Teil frei wird.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sieben Schritte f\u00fcr den pers\u00f6nlichen Umgang mit Unsicherheit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>1. Unsicherheit pr\u00e4zise benennen<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abAlles ist unklar\u00bb erzeugt Ohnmacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hilfreicher ist:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abIch weiss nicht, wer bis Freitag entscheidet.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abIch kenne die Priorit\u00e4t zwischen Aufgabe A und B nicht.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abUnd ich weiss nicht, ob diese Regel vorl\u00e4ufig oder dauerhaft gilt.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Benannte Unsicherheit wird bearbeitbar.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>2. Fakten, Annahmen und Bef\u00fcrchtungen trennen<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein einfaches Dreierschema hilft:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><mark class=\"annotation-text annotation-text-yoast\" id=\"annotation-text-13f3e7b1-9972-4cc5-b4bf-1df2b77ed797\"><strong>Was weiss ich?<\/strong><\/mark><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Was vermute ich?<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Was bef\u00fcrchte ich?<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese drei Ebenen f\u00fchlen sich unter Stress oft gleich wahr an. Sie sind es nicht.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>3. Reduzierbare und irreduzible Unsicherheit unterscheiden<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manche Fragen lassen sich durch ein Gespr\u00e4ch, eine Richtlinie oder zus\u00e4tzliche Daten kl\u00e4ren. Andere bleiben offen, weil die Zukunft grunds\u00e4tzlich nicht vollst\u00e4ndig vorhersehbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer beides verwechselt, sucht entweder zu fr\u00fch Trost in \u00abDas kann man halt nicht wissen\u00bb oder verschwendet Energie auf eine Gewissheit, die niemand liefern kann.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>4. Den Einflusskreis realistisch bestimmen<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was kann ich entscheiden? Was kann ich anregen? Wo kann ich mich vorbereiten? Wen kann ich einbeziehen? Welche Grenze kann ich setzen? Was liegt tats\u00e4chlich ausserhalb meines Einflusses?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kontrolle auf das Beeinflussbare zu lenken ist sinnvoll. Aber auch das Unbeeinflussbare muss benannt werden \u2013 besonders dann, wenn die Verantwortung f\u00e4lschlich nach unten delegiert wird.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>5. Einen n\u00e4chsten sicheren Schritt definieren<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter Unsicherheit braucht es nicht immer einen vollst\u00e4ndigen Plan. Oft gen\u00fcgt der n\u00e4chste verantwortbare Schritt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">eine R\u00fcckfrage,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">eine vorl\u00e4ufige Entscheidung,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">eine zweite Fachmeinung,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und eine Sicherheitskontrolle,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ein Gespr\u00e4ch,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">oder bewusstes Abwarten mit klaren Beobachtungskriterien.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>6. \u00dcberpr\u00fcfungszeitpunkt und Stop-Regeln festlegen<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine vorl\u00e4ufige Entscheidung wird sicherer, wenn klar ist:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wann \u00fcberpr\u00fcfen wir sie?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welche neue Information w\u00fcrde sie ver\u00e4ndern?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei welchem Warnsignal stoppen oder eskalieren wir?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer tr\u00e4gt die Entscheidung?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So wird aus diffuser Unsicherheit ein \u00fcberwachter Prozess.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>7. Handeln an Werte binden<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Gewissheit fehlt, k\u00f6nnen Werte Orientierung geben: Sicherheit, Respekt, Fachlichkeit, Menschlichkeit, Ehrlichkeit oder Verantwortung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Psychologische Flexibilit\u00e4t bedeutet nicht, unangenehme Gedanken zu beseitigen. Sie bedeutet, sie wahrzunehmen und dennoch entsprechend den eigenen Werten zu handeln. Diese Verbindung habe ich in meinem Beitrag \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/psychological-flexibilityakzeptieren-bewusst-entscheiden-den-eigenen-werten-folgen\/\"><strong>Psychological Flexibility<\/strong><\/a> <strong>ausf\u00fchrlicher beschrieben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>F\u00fchrung unter Unsicherheit: keine Gewissheit erfinden, sondern Orientierung schaffen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fchrungskr\u00e4fte stehen unter einem besonderen Druck. Von ihnen werden Antworten erwartet, obwohl auch sie nicht alle Antworten kennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann entsteht eine gef\u00e4hrliche Versuchung: Scheinpr\u00e4zision.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine eindeutige Aussage senkt kurzfristig die Anspannung. Wenn sie sp\u00e4ter nicht stimmt, kostet sie Vertrauen. Menschen erinnern sich nicht nur daran, <em>dass<\/em> <strong>sich eine Lage ver\u00e4ndert hat. Sie erinnern sich auch daran, wer Gewissheit behauptete, obwohl keine vorhanden war.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gute F\u00fchrung sagt deshalb weder \u00abIch weiss alles\u00bb noch \u00abWir k\u00f6nnen sowieso nichts sagen\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie kommuniziert strukturiert:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. <strong>Das wissen wir.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. <strong>Das wissen wir noch nicht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3. <strong>Darum ist es noch offen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4. <strong>Das entscheiden oder tun wir jetzt trotzdem.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">5. <strong>Diese Kriterien w\u00fcrden unsere Entscheidung ver\u00e4ndern.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6. <strong>Diese Person tr\u00e4gt bis dahin welche Verantwortung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">7. <strong>Zu diesem Zeitpunkt informieren wir wieder \u2013 auch wenn es noch nichts Endg\u00fcltiges gibt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist keine Schw\u00e4che.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist epistemische Ehrlichkeit: Klarheit dar\u00fcber, wie sicher unser Wissen tats\u00e4chlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine grosse Versuchsreihe von <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1073\/pnas.1913678117\"><strong>van der Bles und Kollegen<\/strong><\/a> <strong>zeigte, dass die transparente Mitteilung von Unsicherheit das Vertrauen in Zahlen und ihre Quellen im Durchschnitt nur geringf\u00fcgig beeintr\u00e4chtigte; die Wirkung hing unter anderem von der Formulierung ab. Numerische Unsicherheit wurde teilweise anders aufgenommen als vage verbale Hinweise. Die Ergebnisse stammen aus Fakten- und Wissenschaftskommunikation und lassen sich nicht eins zu eins auf jede F\u00fchrungssituation \u00fcbertragen. Sie widersprechen aber der pauschalen Annahme, dass offen benannte Unsicherheit automatisch Vertrauen zerst\u00f6rt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vertrauen entsteht nicht aus absoluter Sicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es entsteht aus Verl\u00e4sslichkeit im Umgang mit dem, was sicher und unsicher ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Psychologische Sicherheit macht Nichtwissen besprechbar<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211;> <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/psychologische-sicherheit-der-unsichtbare-schluessel-erfolgreicher-kommunikation-und-zusammenarbeit\/\" data-type=\"post\" data-id=\"2773\">Psychologische Sicherheit \u2013 Der unsichtbare Schl\u00fcssel erfolgreicher Kommunikation und Zusammenarbeit<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsicherheit wird gef\u00e4hrlich, wenn Menschen sie nicht aussprechen d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem psychologisch sicheren Team kann eine Pflegefachperson sagen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abIch bin mir bei dieser Dosierung nicht sicher.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abIch verstehe die neue Zust\u00e4ndigkeit nicht.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abUnd ich sehe ein Risiko, das wir noch nicht besprochen haben.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abIch brauche Unterst\u00fctzung.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wo solche S\u00e4tze als Schw\u00e4che gelten, wird Unsicherheit nicht kleiner. Sie wird unsichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/peps.12183\"><strong>Meta-Analyse von Frazier und Kollegen<\/strong><\/a> <strong>\u00fcber 136 unabh\u00e4ngige Stichproben und mehr als 22\u2019000 Personen best\u00e4tigt die Bedeutung psychologischer Sicherheit f\u00fcr zentrale Arbeits- und Teamprozesse. Sie erlaubt nicht Beliebigkeit, sondern zwischenmenschliches Risiko: Fragen, Zweifel, Fehler und abweichende Einsch\u00e4tzungen k\u00f6nnen ge\u00e4ussert werden, ohne dass die Person daf\u00fcr gedem\u00fctigt wird.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade in Hochrisikobereichen ist \u00abIch weiss es nicht\u00bb keine Bankrotterkl\u00e4rung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist eine Sicherheitsinformation.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein Beispiel aus der Pflege<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Leitung sagt an der Teamsitzung:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abAb n\u00e4chstem Monat wird die Organisation angepasst. Die Einzelheiten sind noch nicht gekl\u00e4rt. Weitere Informationen folgen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Formal wurde informiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Psychologisch bleibt fast alles offen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Sitzung entstehen Fragen: \u00c4ndern sich die Dienstzeiten? Werden Stellen gestrichen? Wer \u00fcbernimmt welche Patienten? Ist die Entscheidung l\u00e4ngst gefallen? Warum d\u00fcrfen wir nichts wissen? Im Gang bilden sich erste Erkl\u00e4rungen. Einzelne treten innerlich bereits in Widerstand, andere beginnen Stellenanzeigen zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine orientierende Kommunikation k\u00f6nnte lauten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abEntschieden ist bisher, dass wir ab Oktober die Aufnahmezeiten ver\u00e4ndern m\u00fcssen. Noch offen sind die konkrete Aufgabenverteilung und der Personalbedarf, weil uns zwei Belegungsdaten fehlen. Bis zum 12. September arbeitet eine Gruppe mit je zwei Mitarbeitenden aus Pflege und Administration drei Varianten aus. Die heutigen Dienstzeiten bleiben bis Ende Oktober bestehen. Falls eine Variante die vereinbarten Sicherheitskriterien nicht erf\u00fcllt, wird sie nicht umgesetzt. Am 13. September informieren wir erneut, auch wenn noch kein Endentscheid m\u00f6glich ist. Fragen und Risiken sammeln wir ab heute sichtbar in einer gemeinsamen Liste.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Mitteilung beseitigt nicht alle Unsicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber sie gibt ihr Form, Grenze, Zust\u00e4ndigkeit und Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau darin liegt F\u00fchrung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Verbindung zu meinen eigenen Denkmodellen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Umgang mit Unsicherheit verbindet mehrere Themen meiner bisherigen Arbeit.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Informations-Ger\u00fcchte-Gesetz<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211;> <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/das-geruechte-informationsgesetz-nach-zingg-in-der-kommunikation\/\" data-type=\"post\" data-id=\"2550\">Das Informations-Ger\u00fcchte-Gesetz<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fehlende verl\u00e4ssliche Information schafft einen Deutungsraum. Wird er nicht durch ehrliche Kommunikation strukturiert, f\u00fcllen ihn Vermutungen. Information kann nicht jede Unsicherheit beseitigen. Sie kann aber verhindern, dass unn\u00f6tige Unsicherheit entsteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sensemaking und Ladder of Inference<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschen sammeln Signale, w\u00e4hlen einzelne Beobachtungen aus, interpretieren sie und bilden daraus \u00dcberzeugungen. Unter Unsicherheit geschieht dieser Prozess besonders schnell. Mein Beitrag \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/sensemaking-warum-menschen-nicht-auf-fakten-reagieren-sondern-auf-ihre-bedeutung\/\"><strong>Sensemaking<\/strong><\/a> <strong>und die<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/die-ladder-of-inference-warum-wir-oft-nicht-auf-fakten-reagieren-sondern-auf-unsere-eigenen-geschichten\/\"><strong>Ladder of Inference<\/strong><\/a> <strong>zeigen, wie aus wenigen Fakten eine scheinbar vollst\u00e4ndige Geschichte werden kann.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der ICH-Vertrag<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211;> <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/der-ich-vertrag-der-vertrag-mit-mir-selber\/\" data-type=\"post\" data-id=\"2950\">Der ICH-Vertrag<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/der-ich-vertrag-der-vertrag-mit-mir-selber\/\"><strong>ICH-Vertrag<\/strong><\/a> <strong>beseitigt berufliche Unsicherheit nicht. Er schafft jedoch vorab gekl\u00e4rte pers\u00f6nliche Kriterien. Gr\u00fcn, Orange und Rot verwandeln ein diffuses \u00abWie lange halte ich das noch aus?\u00bb in beobachtbare Bedingungen und vereinbarte Handlungen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit entsteht kein Anspruch auf vollst\u00e4ndige Kontrolle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es entsteht Selbstwirksamkeit.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die M\u00f6biusschleife des Menschlichen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8211;> <a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/die-moebiusschleife-des-menschlichen-verbindet-kommunikation-gruppendynamik-psychologie-und-systemdenken\/\" data-type=\"post\" data-id=\"2475\">Die M\u00f6biusschleife des Menschlichen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlechte Information erzeugt Unsicherheit. Unsicherheit erh\u00f6ht Stress. Stress verengt Wahrnehmung und Kommunikation. Verengte Kommunikation produziert neue L\u00fccken und Missverst\u00e4ndnisse. So verst\u00e4rkt sich die Schleife selbst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gegenbewegung ist ebenfalls m\u00f6glich: Ehrliche Information schafft Orientierung. Orientierung erleichtert Fragen. Fragen verbessern das gemeinsame Wissen. Gemeinsames Wissen st\u00e4rkt Handlungsf\u00e4higkeit. Handlungsf\u00e4higkeit senkt unn\u00f6tige Unsicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Verbindungen sind eine theoretische und praxisbezogene Integration meiner Modelle mit bestehender Forschung. Meine eigenen Modelle sind damit wissenschaftlich anschlussf\u00e4hig; sie sind jedoch nicht automatisch als eigenst\u00e4ndige empirisch validierte Theorien zu bezeichnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zehn Fragen f\u00fcr den Alltag<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn eine Situation als \u00abStress\u00bb erlebt wird, k\u00f6nnen folgende Fragen helfen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1. <strong>Was genau belastet mich: Arbeitsmenge, Zeitdruck, Konflikt, Unsicherheit, fehlender Einfluss oder Ersch\u00f6pfung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2. <strong>Was weiss ich tats\u00e4chlich \u2013 und was erg\u00e4nze ich durch Vermutung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">3. <strong>Welche Information w\u00fcrde mein Handeln wirklich ver\u00e4ndern?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">4. <strong>Ist die Unsicherheit kl\u00e4rbar, vorl\u00e4ufig oder grunds\u00e4tzlich nicht aufl\u00f6sbar?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">5. <strong>Welcher Teil liegt in meinem Entscheidungs-, Einfluss- oder Vorbereitungsbereich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">6. <strong>Was ist der n\u00e4chste verantwortbare Schritt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">7. <strong>Wann wird neu beurteilt, und welche Kriterien gelten dann?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">8. <strong>Welche Ressource fehlt: Zeit, Wissen, Personal, R\u00fcckhalt, Erholung oder Entscheidungskompetenz?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">9. <strong>Versuche ich gerade, ein strukturelles Problem allein durch pers\u00f6nliche Anpassung zu kompensieren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">10. <strong>Welche Grenze meines ICH-Vertrags ist ber\u00fchrt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon die erste Frage ist entscheidend. Wenn sich die Belastung auch bei vollst\u00e4ndiger Klarheit nicht wesentlich verringern w\u00fcrde, liegt das Hauptproblem wahrscheinlich nicht in der Unsicherheit.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein wissenschaftlich tragf\u00e4higerer Satz<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der urspr\u00fcngliche Satz ist als Denkanstoss wertvoll:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&gt; \u00abStress ist nicht dein Problem. Dein Umgang mit Unsicherheit ist es.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als wissenschaftliche Aussage braucht er jedoch eine Erweiterung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Treffender w\u00e4re:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Stress entsteht nicht nur durch das, was geschieht, sondern auch durch das, was unklar, unvorhersagbar und unbeeinflussbar bleibt. Entscheidend ist, ob wir die Belastung ver\u00e4ndern, Unsicherheit begrenzen, Ressourcen st\u00e4rken, uns regulieren oder das Unver\u00e4nderbare bewusst annehmen k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oder k\u00fcrzer:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">> <strong>Nicht Unsicherheit allein macht krank. Belastend wird sie besonders dann, wenn viel auf dem Spiel steht, Orientierung fehlt, Einfluss gering ist, Ressourcen nicht ausreichen und Erholung ausbleibt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsicherheit ist kein Nebenthema der Stressforschung. Sie ber\u00fchrt Vorhersagbarkeit, Kontrolle, Sicherheit, Lernen, Angst, Kommunikation und F\u00fchrung. Der einleitende Satz weist deshalb in eine wichtige Richtung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber er darf nicht dazu f\u00fchren, dass wir Stress vollst\u00e4ndig individualisieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Mensch kann lernen, Unsicherheit besser auszuhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Team kann lernen, Zweifel offen anzusprechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine F\u00fchrungskraft kann Nichtwissen transparent kommunizieren und trotzdem Orientierung geben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Organisation muss zugleich vermeidbare Unklarheit, schlechte Arbeitsgestaltung und unzureichende Ressourcen verantworten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Atem\u00fcbungen k\u00f6nnen den K\u00f6rper regulieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schlaf kann Erholung erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Psychologische Flexibilit\u00e4t kann werteorientiertes Handeln st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch keine Atemtechnik ersetzt eine notwendige Entscheidung. Keine individuelle Resilienz rechtfertigt dauerhaft ungesunde Bedingungen. Und keine F\u00fchrungskraft muss Gewissheit vorspielen, um wirksam zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Guter Umgang mit Unsicherheit bedeutet nicht, alles zu wissen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er bedeutet:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">zu wissen, was wir wissen,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">zu benennen, was wir nicht wissen,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und zu kl\u00e4ren, was kl\u00e4rbar ist,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">zu begrenzen, was begrenzbar ist,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und zu beeinflussen, was beeinflussbar ist,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">und trotz des verbleibenden Nichtwissens verantwortlich zu handeln.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Unsicherheit auszusprechen nimmt F\u00fchrung nicht weg. Sie beginnt dort erst glaubw\u00fcrdig zu werden.<\/strong><br>\u2013 Christoph J. Zingg<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Literatur<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aust, B., Leduc, C., Cresswell-Smith, J. et al. (2024). The effects of different types of organisational workplace mental health interventions on mental health and wellbeing in healthcare workers: A systematic review. <em>International Archives of Occupational and Environmental Health, 97<\/em>, 485\u2013522. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s00420-024-02065-z\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/s00420-024-02065-z<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Antonovsky, A. (1996). The salutogenic model as a theory to guide health promotion. <em>Health Promotion International, 11<\/em>(1), 11\u201318. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1093\/heapro\/11.1.11\">https:\/\/doi.org\/10.1093\/heapro\/11.1.11<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bakker, A. B., &amp; Demerouti, E. (2007). The Job Demands\u2013Resources model: State of the art. <em>Journal of Managerial Psychology, 22<\/em>(3), 309\u2013328. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1108\/02683940710733115\">https:\/\/doi.org\/10.1108\/02683940710733115<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bordia, P., Hobman, E., Jones, E., Gallois, C., &amp; Callan, V. J. (2004). Uncertainty during organizational change: Types, consequences, and management strategies. <em>Journal of Business and Psychology, 18<\/em>, 507\u2013532. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1023\/B:JOBU.0000028449.99127.f7\">https:\/\/doi.org\/10.1023\/B:JOBU.0000028449.99127.f7<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Brosschot, J. F., Verkuil, B., &amp; Thayer, J. F. (2017). Exposed to events that never happen: Generalized unsafety, the default stress response, and prolonged autonomic activity. <em>Neuroscience &amp; Biobehavioral Reviews, 74<\/em>, 287\u2013296. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.neubiorev.2016.07.019\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.neubiorev.2016.07.019<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">de Berker, A. O., Rutledge, R. B., Mathys, C. et al. (2016). Computations of uncertainty mediate acute stress responses in humans. <em>Nature Communications, 7<\/em>, 10996. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/ncomms10996\">https:\/\/doi.org\/10.1038\/ncomms10996<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Demerouti, E., Bakker, A. B., Nachreiner, F., &amp; Schaufeli, W. B. (2001). The job demands\u2013resources model of burnout. <em>Journal of Applied Psychology, 86<\/em>(3), 499\u2013512. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1037\/0021-9010.86.3.499\">https:\/\/doi.org\/10.1037\/0021-9010.86.3.499<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dickerson, S. S., &amp; Kemeny, M. E. (2004). Acute stressors and cortisol responses: A theoretical integration and synthesis of laboratory research. <em>Psychological Bulletin, 130<\/em>(3), 355\u2013391. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1037\/0033-2909.130.3.355\">https:\/\/doi.org\/10.1037\/0033-2909.130.3.355<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fincham, G. W., Strauss, C., Montero-Marin, J., &amp; Cavanagh, K. (2023). Effect of breathwork on stress and mental health: A meta-analysis of randomised-controlled trials. <em>Scientific Reports, 13<\/em>, 432. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41598-022-27247-y\">https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41598-022-27247-y<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frazier, M. L., Fainshmidt, S., Klinger, R. L., Pezeshkan, A., &amp; Vracheva, V. (2017). Psychological safety: A meta-analytic review and extension. <em>Personnel Psychology, 70<\/em>(1), 113\u2013165. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/peps.12183\">https:\/\/doi.org\/10.1111\/peps.12183<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grupe, D. W., &amp; Nitschke, J. B. (2013). Uncertainty and anticipation in anxiety: An integrated neurobiological and psychological perspective. <em>Nature Reviews Neuroscience, 14<\/em>, 488\u2013501. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/nrn3524\">https:\/\/doi.org\/10.1038\/nrn3524<\/a><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wissenschaftliche Quellen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Karasek, R. A. (1979). Job demands, job decision latitude, and mental strain: Implications for job redesign. <em>Administrative Science Quarterly, 24<\/em>(2), 285\u2013308. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.2307\/2392498\">https:\/\/doi.org\/10.2307\/2392498<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Koolhaas, J. M., Bartolomucci, A., Buwalda, B. et al. (2011). Stress revisited: A critical evaluation of the stress concept. <em>Neuroscience &amp; Biobehavioral Reviews, 35<\/em>(5), 1291\u20131301. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.neubiorev.2011.02.003\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.neubiorev.2011.02.003<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lazarus, R. S., &amp; Folkman, S. (1984). <em>Stress, appraisal, and coping<\/em>. Springer Publishing. <a href=\"https:\/\/books.google.com\/books?id=i-ySQQuUpr8C\">Buchnachweis<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">McEwen, B. S. (1998). Protective and damaging effects of stress mediators. <em>The New England Journal of Medicine, 338<\/em>(3), 171\u2013179. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1056\/NEJM199801153380307\">https:\/\/doi.org\/10.1056\/NEJM199801153380307<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">N\u00e4sling, J., \u00c5str\u00f6m, E., Jacobsson, L., &amp; Ljungberg, J. K. (2024). Effect of psychotherapy on intolerance of uncertainty: A systematic review and meta-analysis. <em>Clinical Psychology &amp; Psychotherapy, 31<\/em>(4), e3026. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1002\/cpp.3026\">https:\/\/doi.org\/10.1002\/cpp.3026<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Palmer, C. A., Bower, J. L., Cho, K. W. et al. (2024). Sleep loss and emotion: A systematic review and meta-analysis of over fifty years of experimental research. <em>Psychological Bulletin, 150<\/em>(4), 440\u2013463. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1037\/bul0000410\">https:\/\/doi.org\/10.1037\/bul0000410<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Peters, A., McEwen, B. S., &amp; Friston, K. (2017). Uncertainty and stress: Why it causes diseases and how it is mastered by the brain. <em>Progress in Neurobiology, 156<\/em>, 164\u2013188. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.pneurobio.2017.05.004\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.pneurobio.2017.05.004<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schmidt, S., Roesler, U., Kusserow, T., &amp; Rau, R. (2014). Uncertainty in the workplace: Examining role ambiguity and role conflict, and their link to depression \u2013 a meta-analysis. <em>European Journal of Work and Organizational Psychology, 23<\/em>(1), 91\u2013106. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/1359432X.2012.711523\">https:\/\/doi.org\/10.1080\/1359432X.2012.711523<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Siegrist, J. (1996). Adverse health effects of high-effort\/low-reward conditions. <em>Journal of Occupational Health Psychology, 1<\/em>(1), 27\u201341. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1037\/1076-8998.1.1.27\">https:\/\/doi.org\/10.1037\/1076-8998.1.1.27<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">van der Bles, A. M., van der Linden, S., Freeman, A. L. J., &amp; Spiegelhalter, D. J. (2020). The effects of communicating uncertainty on public trust in facts and numbers. <em>Proceedings of the National Academy of Sciences, 117<\/em>(14), 7672\u20137683. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1073\/pnas.1913678117\">https:\/\/doi.org\/10.1073\/pnas.1913678117<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">World Health Organization. (2022). <em>WHO guidelines on mental health at work<\/em>. <a href=\"https:\/\/www.who.int\/publications\/i\/item\/9789240053052\">https:\/\/www.who.int\/publications\/i\/item\/9789240053052<\/a><\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Passende Vertiefungen auf \u00abTiefgang\u00bb<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/psychological-flexibilityakzeptieren-bewusst-entscheiden-den-eigenen-werten-folgen\/\">Psychological Flexibility \u2013 Warum die wichtigste Kommunikation manchmal die ist, die wir mit uns selbst f\u00fchren<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/sensemaking-warum-menschen-nicht-auf-fakten-reagieren-sondern-auf-ihre-bedeutung\/\">Sensemaking \u2013 Warum Menschen nicht auf Fakten reagieren, sondern auf ihre Bedeutung<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/psychologische-sicherheit-der-unsichtbare-schluessel-erfolgreicher-kommunikation-und-zusammenarbeit\/\">Psychologische Sicherheit \u2013 Der unsichtbare Schl\u00fcssel erfolgreicher Kommunikation und Zusammenarbeit<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/das-geruechte-informationsgesetz-nach-zingg-in-der-kommunikation\/\">Das Informations-Ger\u00fcchte-Gesetz<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/der-ich-vertrag-der-vertrag-mit-mir-selber\/\">Der ICH-Vertrag<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.zingg-dive.ch\/blog\/die-moebiusschleife-des-menschlichen-verbindet-kommunikation-gruppendynamik-psychologie-und-systemdenken\/\" data-type=\"post\" data-id=\"2475\">Die M\u00f6biusschleife des Menschlichen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Umgang mit Stress oder Umgang mit Unsicherheit? 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